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Lebensgefahr auf der Kötitzer Straße?

Anwohner fordern regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen. Lkws sollen nicht mehr auf den Fußweg fahren dürfen.

© Arvid Müller

Von Ulrike keller

Eines erstaunt Petra Peschel wirklich. „Dass hier noch kein Kind angefahren wurde, grenzt an ein Wunder“, sagt sie. Als die Rentnerin das Tor zu ihrem Haus an der Kötitzer Straße aufschließen wollte und in der Tasche nach dem Schlüssel kramte, wurde sie leicht gestreift. Ein Bus war ihr so nah gekommen, obwohl sie auf dem Gehweg stand. „Für Fußgänger ist es hier lebensgefährlich“, meint sie. Zumal das Stück auch nach wie vor Schulweg sei.

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Verkehrstechnisch addiert sich im Bereich der S-Kurve nahe Reifen Wowsnik gleich mehreres. „Die wenigsten halten sich an die vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde“, schimpft Petra Peschel. Dadurch entstehe eine enorme Geräuschkulisse. „Wenn die voll beladenen Lkws mit Anhängern und die Busse vorbei donnern, klirren bei mir die Scheiben“, erzählt sie. Besonders stört sie, dass viele Großfahrzeuge auf der engen Straße gleichzeitig aneinander vorbei wollen und deshalb notgedrungen auf den Fußweg ausweichen. Das gewaltige „Rungsen“, wenn die tonnenschweren Kolosse vom Bordstein wieder auf der Fahrbahn landen, kann sie nicht mehr hören. Ein anderer Anwohner zeigt auf die sichtbaren Eindellungen im sanierten Fußweg. „Flott unterwegs sind ein paar einzelne Linienbusfahrer“, sagt Petra Peschel. Das Problem sei aber vor allem ortskundiges Personal von Hasse und Planeta.

Auf SZ-Anfrage teilen beide Unternehmen mit, dass ihnen die Verkehrssituation auf der Kötitzer Straße grundsätzlich bekannt ist. Laut KBA Planeta wohnen mehrere Mitarbeiter in diesem Bereich und sind dadurch unmittelbar betroffen. Die kritisierten großen Fahrzeuge seien allerdings in der Regel nicht von KBA, sondern von externen Spediteuren mit Berufskraftfahrern am Steuer, heißt es. „Den Spediteuren aus dem In- und Ausland können wir natürlich eine rücksichtsvollere Fahrweise ans Herz legen, aber nicht überwachen, ob sich jeder auch daran hält.“ Der Konzern verweist auf ein neues Lkw-Tor an der Südseite des Werksgeländes, das bis Mitte des Jahres in Betrieb genommen werden soll. Damit stehe für den Lieferverkehr eine direkte Anbindung vom Werk an die Elbbrücke zur Verfügung, sodass dieser die Kötitzer Straße nicht mehr berühre.

Nach Angaben der Hasse-Geschäftsführung hat man mit einem Telematiksystem für die vergangenen Wochen geprüft, ob die Fahrer auf dieser Strecke zu schnell gewesen seien. „Wir stellten keine Geschwindigkeitsüberschreitungen fest.“ Dies sei aufgrund der Größe der Fahrzeuge, verbunden mit der Enge der Kötitzer Straße auch gar nicht möglich. „Aus Erfahrung heraus wissen wir jedoch, dass die Geschwindigkeit eines Lkws durch seine Größe sehr oft überschätzt wird“, so Hasse Transport. Das Unternehmen kündigt an, nochmals an die Mitarbeiter für eine noch rücksichtsvollere Fahrweise zu appellieren.

Die Betroffenen geben sich damit nicht zufrieden. Ihre Forderungen richten sich an die Stadt. Sie drängen auf Maßnahmen zur Geschwindigkeitsbegrenzung, ob nun in Form von „Plastikhuckeln“ auf der Straße oder durch Blitzerkontrollen. Außerdem halten sie ein Verkehrsschild für dringend erforderlich, das die Giganten zwingt, aufeinander zu warten und nacheinander zu fahren, statt die Fußwege zu nutzen. Genau das könnte auch durch Poller auf dem Fußweg verhindert werden, wie es sie früher schon mal gab, regt ein Anwohner an.

Ingolf Zill von der Radebeuler Verkehrsbehörde muss enttäuschen: Auf Poller habe man verzichtet, damit Rollstuhlfahrer und Personen mit Kinderwagen nicht zum Ausweichen auf die Straße gezwungen sind. Die Straße hat dem Sachgebietsleiter zufolge eine Breite, für die die Anordnung einer „Wartepflicht bei Gegenverkehr“ nicht vorgesehen ist. Auch „Huckel“ seien auf einer Straße dieser Verkehrsbedeutung nicht zulässig. Nur in einem Punkt kann er den Anwohnern entgegen kommen: Die schon vor Jahren eingerichtete mobile Geschwindigkeitsmessstelle in Höhe Bertheltstraße soll wieder regelmäßig genutzt werden. Zuletzt waren dort kaum Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt worden.

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In jedem Fall versprechen sich alle Beteiligten eine deutliche Beruhigung auf der Kötitzer Straße, sobald in Kürze ein weiteres Teilstück der S 84 freigegeben wird. Der Schwerverkehr soll dann über diesen Abschnitt geleitet werden. Petra Peschel und ihre Nachbarn hoffen sehr darauf.