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Lebensgefahr für Wanderer an der B 172

Eine Ampel soll den Straßenabschnitt sicherer machen. Für Fußgänger hat die Neuerung aber fatale Folgen.

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Von Ines Mallek-Klein

Die Schneeglöckchen verkünden das Ende eines Winters, der keiner war. Siegfried Mehnert schaut nur flüchtig zu den Frühjahrsboten. Er ist in wichtiger Mission unterwegs. Es geht um nicht weniger als um die Sicherheit von Wanderern und Spaziergängern. Um die ist es hier, an der Bundesstraße 172 kurz vor Bad Schandau, äußert schlecht bestellt. Dort, wo die Kreisstraße in Richtung Gohrisch abzweigt, zeugen verbeulte Leitplanken und abgesplitterte Mauerreste vom jüngsten Unfall. Er ist erst wenige Tage her und endete mit einem Blechschaden. Das kann aber auch anders ausgehen.

Der Straßenabschnitt der Bundesstraße muss von all jenen Wanderern genutzt werden, die zwischen Gohrisch und Bad Schandau auf dem Hörnelweg unterwegs sind. Das sind einige mehr, seitdem es in Gohrisch einen Campingplatz gibt. Ein grünes Schild warnt die Spaziergänger: „Vorsicht 300 Meter ohne Fußweg“. Wer an sein Ziel will, muss das Risiko eingehen und auf der Bundesstraße laufen. Rechts eine Sandsteinmauer und links immer das Risiko, unsanft vom Außenspiegel eines vorbeirasenden Autos touchiert zu werden. 70 Stundenkilometer waren hier bisher erlaubt. Zurzeit sind es 50, weil die Verkehrsbehörden eine Ampel aufgestellt haben.

Die Kreisstraße im Rietschgrund dient als Umleitung nach Cunnersdorf, seit im Bielatal gebaut wird. Die Ampel soll die Kreuzung mit der Bundesstraße sicherer machen. Doch für die Wanderer bewirkt sie genau das Gegenteil. Sie werden noch weniger wahrgenommen. Für Siegfried Mehnert und René Prokop ist das Anlass genug, die Verantwortlichen auf die Gefahr hinzuweisen. Es ist nicht der erste Anlauf.

Keine Zeit

Die beiden Wanderfreunde haben auch gleich einen konkreten Vorschlag. Sie möchten einen alten Wanderweg, der in Sichtweite zur Bundesstraße verläuft, wiederbeleben. Das aufgewühlte Laub verrät, wie der Wanderweg trassiert werden könnte. So würde der Hörnelweg künftig, wenige Meter bevor er auf die B 172 trifft, nach links abzweigen. Er quert das kleine Tal und führt dann weiter über den Blomers-Eck-Weg. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der ein gern und oft genutzter Pfad, sagt Siegfried Mehnert. Er führt zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Bad Schandauer Bahnhofes. Später geriet der Weg in Vergessenheit. Inzwischen hat ihn sich die Natur zurückerobert. Die kleinen Buchensetzlinge zu entfernen, könne so schwer nicht sein, sagt Siegfried Mehnert. Doch das eigentliche Problem wartet am Ende des Weges. Dort geht es einige Meter steil bergab. Es müsste eine Steiganlage gebaut werden. Die gab es schon einmal in den 70er-Jahren, als die Brücke über die Elbe gebaut wurde. Die Treppe damals war aus Holz.

Das würde der Gesetzgeber heute nicht akzeptieren, ist sich der Bad Schandauer Bürgermeister Andreas Eggert sicher. Man bräuchte ein richtiges Projekt, Geld und Zeit. Letzteres ist das Problem. „Wir wissen um die Gefahr für Wanderer an der B 172, aber wir sind noch vollständig damit beschäftigt, die Hochwasserschäden von 2013 zu beseitigen“, so Eggert. Mit anderen Worten: Für eine grundlegende Neutrassierung des Weges hat die Stadt keine Zeit. Hinzu kommt, dass noch zu klären wäre, wem der Wald eigentlich gehört, durch den der Weg zum Blomers Eck führt.

„Nicht relevant“

Erste Erfolge können Siegfried Mehnert und René Prokop dennoch für sich verbuchen. Die Ämter sind alarmiert. In einem Schreiben an die Stadt Bad Schandau teilt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit, dass man den Straßenabschnitt ebenfalls als gefährlich einstufe. Die Behörde mit Sitz in Dresden verweist jedoch darauf, dass für Wanderwege erstens die jeweiligen Kommunen zuständig sind und zweitens dort bisher nur Unfälle ohne Beteiligung von Fußgängern passiert seien.

„Es ist schade, dass immer erst etwas passieren muss, bevor gehandelt wird“, sagt Bürgermeister Eggert. Gegenüber der SZ erklärt das Straßenverkehrsamt, dass für die aufgestellte Ampel das Landratsamt in Pirna zuständig sei. Sie wird noch bis November 2014 stehen bleiben, und sie ist die Folge einer Baumaßnahme des Landkreises im Bielatal. Das Landratsamt sagt auf SZ-Anfrage lediglich, das Sicherheitsproblem für die Fußgänger sei bisher „nicht relevant“ gewesen.

Bürgermeister Eggert will kein Kompetenzgerangel. Er will eine Lösung. Doch die wird es mit einer Steiganlage erst mittelfristig geben können.