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Lebensgut lässt Scheune wieder aufbauen

Zimmermann David Oppermann schickt einen Krug mit Bier durch die Runde und weiht die Umstehenden in das Ritual ein, nach dem daraus zu trinken ist. Schließlich soll beim Bau weiterhin alles glattgehen....

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Zimmermann David Oppermann schickt einen Krug mit Bier durch die Runde und weiht die Umstehenden in das Ritual ein, nach dem daraus zu trinken ist. Schließlich soll beim Bau weiterhin alles glattgehen. Soeben hat Wolfgang Giese als Vertreter des Lebensgutes Pommritz den letzten Nagel ins neue Gebälk der Scheune geschlagen. Nun feiern die Lebensgütler zusammen mit Bauleuten und Gästen den Abschluss der ersten Bauetappe.

Die alte Scheune auf dem Pommritzer Gut, um genauer zu sein der mittlere Teil, stand viele Jahre leer. Das Dach war in der Mitte eingefallen. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung und unzähligen Besprechungen mit Architekt, Statiker, Baubehörde und Fördermittelgeber konnten im Frühjahr die Bauarbeiten beginnen, in die rund 145000Euro investiert werden. Die alten Dachziegel, Dachlatten und Teile des kaputten Dachstuhls wurden entfernt. Nun hebt sich an dieser Stelle bereits deutlich das helle Holz der neuen Balken von denen ab, die erhalten werden konnten. Darüber schwebt die Richtkrone.

Zeit zum Verschnaufen bleibt den Zimmerern und Dachdeckern aber nicht. Denn sie sollen das Dach so schnell wie möglich schließen, damit darauf eine Photovoltaikanlage montiert werden kann. „Sie wird so viel Strom produzieren, wie wir hier selbst verbrauchen“, erklärt Wolfgang Giese, bei dem die organisatorischen Fäden für das Projekt zusammenlaufen. Der Strom wird aber ins öffentliche Netz eingespeist. Angesichts der angekündigten weiteren Absenkung der Vergütung für Solarstrom soll die 300000Euro teure Anlage so schnell wie möglich in Betrieb gehen. Auf dem Dach des benachbarten Scheunenteils, in dem die Tischlerei untergebracht ist, sind deshalb bereits die Schienen, auf denen die Solarmodule befestigt werden, montiert. Im darunterliegenden Gebäude will der Verein Neue Lebensformen als Träger des Lebensgutes mit derzeit reichlich 40Bewohnern ein Blockheizkraftwerk als weiteren Energieproduzenten installieren.

„Sophia“ zieht um

Doch auch die mittlere Scheune bekommt, außer Träger einer Photovoltaikanlage zu sein, noch einen anderen Zweck: Unterm Dach wird Platz für „Sophia“, die interaktive Ausstellung und Lernwerkstatt für Philosophie und Ethik. „Sie ist sozusagen das ideelle Herz des Lebensgutes“, sagt Giese. Denn sie lade ein, darüber nachzudenken, worin der Sinn des Lebens besteht. Besonders anschaulich lässt sich das anhand zahlreicher Objekte tun, die nicht nur betrachtet, sondern auch ausprobiert werden können.

Bislang stehen sie im Saal des Gutshauses, unterm Scheunendach können sie künftig besser präsentiert werden. Überhaupt werden dort bessere Bedingungen für Besucher geschaffen, unter anderem im Erdgeschoss Toiletten eingebaut. Als besonderer Anziehungspunkt ist eine noch größere Variante des bereits vorhandenen begehbaren Klang-Eises geplant. Mitte nächsten Jahres soll „Sophia“ laut Giese im neuen Domizil eröffnet werden. „Dann können wir unseren Saal auch wieder für andere Zwecke, wie Seminare oder Feiern, nutzen.“