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Lebensgut sucht neue Struktur

Es gab Zoff auf dem Lebensgut in Pommritz. Nicht nach außen hin, mehr so im Internen. Dennoch berichtete auch ein lokaler Fernsehsender darüber, dass es die so genannte Abo-Kiste aus Pommritz nicht mehr gibt.

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Von Kerstin Fiedler

Es gab Zoff auf dem Lebensgut in Pommritz. Nicht nach außen hin, mehr so im Internen. Dennoch berichtete auch ein lokaler Fernsehsender darüber, dass es die so genannte Abo-Kiste aus Pommritz nicht mehr gibt. Die Hauptbetreiberin der Dienstleistung, Ellen Kretschmer, hat sich aus der Gemeinschaft zurückgezogen. Im Lokalfernsehen äußerte sie sich sinngemäß so, dass es ihr nicht gefalle, dass manche viel arbeiten und andere gar nicht. Doch allein war die Belieferung der Abonnenten nicht mehr möglich.

Die Belieferung war

einfach zu teuer

„Es hat sich gut angelassen mit unserem Lieferservice, und immer mehr Kunden nutzten die Abo-Kiste. Doch allein schaffe ich das nicht“, sagt Monika Dechau, die zweite Helferin. Sie war über eine geringfügige Beschäftigung bei der Abo-Kiste dabei, wohnt auch auf dem Hof. Doch das Auto ist alt, Reparaturen müssen bezahlt werden. Das Benzin ist viel zu teuer. „Noch mehr Transportkosten konnten wir den Kunden nicht zumuten“, sagt sie. Und es fand sich auch kein anderer, der mithalf. So entschieden sich die Pommritzer schweren Herzens, die Kiste aufzugeben. Für die Bautzener Kunden nicht weiter schlimm. Sie erhalten ihre Waren wie gewohnt, nur eben durch einen anderen Betreiber. Lutz Spieker aus Kronförstchen kam das Angebot ganz Recht, denn er suchte noch nach einer Möglichkeit der Vermarktung seiner Produkte. Die Oberland-Kunden übernahm die Gärtnerei Sroweleit, einen Teil beliefert auch die Öko-Landbau.

Nicht alle Kunden haben Ersatz gefunden

„Es ist da eine große Traurigkeit“, sagt Monika Dechau. Immerhin musste sie den Kunden im Niederschlesischen Oberlausitzkreis und aus Görlitz mitteilen, dass sie nun nur noch bei Direktvermarktern einkaufen können. „Wir haben den Kunden die Adressen übermittelt“, so die Pommritzerin.

Auch Annett Böttcher, die auf dem Hof wohnt und sich derzeit um die Organisation eines Waldkindergartens mit kümmert, findet es nicht so gut, dass es die Abo-Kiste nicht mehr gibt. „Immerhin konnten wir damit auch immer unsere Gemeinschaft und die anderen Angebote des Vereins vorstellen und um Besucher werben“, sagt sie. Die Bewohner des Lebensgutes sind nun derzeit dabei, ihre Strukturen neu zu ordnen. Die Abo-Kiste war anscheinend der Auslöser für das Nachdenken über Veränderungen. „Das Leben in unserer Gemeinschaft ist wie in einer Ehe. Irgendwann muss etwas passieren, ändern sich Ansichten und Vorstellungen“, so Frau Böttcher.

Die Vermarktung der Hofprodukte soll weitergeführt werden. Und das nicht nur auf den Märkten der Region. „Wir wollen wieder einen Hofladen einrichten. Wenn wir den in Verbindung mit anderen Angeboten schaffen, haben die Leute auch wieder Pommritz zum Ziel“, sagt Annett Böttcher. Eins jedoch hätten alle im Lebensgut nach dem Krach begriffen: Es geht nur, wenn alle gemeinsam mitmachen. Und so soll Pommritz neben der Lernwerkstatt auch wieder zum Begriff von Vielfalt und Ideen werden. „Die Kinder können hier spielen oder zu den Tieren gehen, während die Eltern sich die Angebote anschauen und einkaufen“, denkt Annett Böttcher voraus. Seit kurzem wohnt auch ein Hobby-Töpfer im Lebensgut. Dem gefiel es zum jüngsten Hoffest so gut, dass er spontan beschloss, umzuziehen. „Auch in diese Richtung wollen wir unsere Angebote noch erweitern“, sagt Monika Dechau, die ebenfalls Gefallen an der Töpferei findet.

Brot- und Käsebestellung bei der Ökolandbau GbR unter (035939) 8 07 71, Abholung donnerstags