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Lebenshilfe Pirna plant Montessori-Schule

Die neue Bildungsstätte soll in Copitz entstehen und recht bald in Betrieb gehen. Die Idee dazu entstand auf einem ungewöhnlichen Weg.

Schul-Initiatoren Norbert Bochynek und Annette Littau, Lebenshilfe-Vereinschef Ralf Thiele (v.l.): Eine Montessori-Schule wird Pirna bereichern.
Schul-Initiatoren Norbert Bochynek und Annette Littau, Lebenshilfe-Vereinschef Ralf Thiele (v.l.): Eine Montessori-Schule wird Pirna bereichern. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Verein "Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital" betreibt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 25 Einrichtungen, darunter Wohnstätten, Pflegeheime, Werkstätten, Kitas. Auch ambulante Hilfen und Therapie-Angebote gehören zum Portfolio. Insgesamt betreut die Lebenshilfe 1.250 Menschen und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. 

Eines fehlte jedoch bislang im Angebot: eine Schule. Erste Ideen dazu gab es schon einmal vor längerer Zeit, doch erst jetzt werden die Pläne konkret. Die Lebenshilfe will - angeschoben von einer Elterninitiative - in Kürze in Pirna eine Montessori-Schule etablieren, vorzugsweise im Stadtteil Copitz. "Wir beleben damit sozusagen eine alte Idee wieder", sagt Vereinschef Ralf Thiele. 

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Dass das Projekt in den vergangenen Monaten ordentlich Fahrt aufnahm, ist einem eher ungewöhnlichen Werdegang zu verdanken. Maßgeblich initiiert wurde das Vorhaben von einem Unternehmerpaar aus dem Berliner Umland, das seit Kurzem in Pirna wohnt und sich in der Stadt eine solch alternative Bildungsstätte wünschte. Sächsische.de erklärt die Details. 

Wer gab den Anstoß für die neue Schule?

Annette Littau und Norbert Bochynek, ein Unternehmerpaar aus der Nähe von Berlin, haben schon größere Kinder. Vor einiger Zeit gesellte sich aber noch ein Nachzügler hinzu, und die beiden stellten sich die Frage: Wo wollen wir künftig leben?

"Da, wo wir bislang wohnten, gab es keine passende Infrastruktur für den Kleinen", sagt Annette Littau. Anhand einer selbst entworfenen Checkliste prüften sie, welche Stadt als Lebensmittelpunkt infrage kommen könnte. Letztendlich entschieden sie sich für Pirna. "Pirna ist unsere Stadt. Hier gibt es die Elbe und Berge, ein gutes soziales Umfeld, die Menschen sind kreativ und warmherzig", sagt Norbert Bochynek. 

Hier angekommen, stellte sich aber die nächste Frage: In welche Schule soll der Kleine später einmal gehen? Die älteren Kinder des Paares hatten schon einmal Kontakt mit dem Montessori-Bildungskonzept, der Nachzügler besucht deshalb auch das Montessori-Kinderhaus "Kinderland" der Lebenshilfe an der Schillerstraße in Copitz. Allerdings existiert in Pirna keine Montessori-Schule für den künftigen Bildungsweg. In Dresden gibt es zwar eine solche Bildungsstätte, doch die Nachfrage dort ist groß, die Wartezeit auf einen Platz lang. 

So beschlossen die Brandenburger: Dann gründen wir in Pirna eben selbst eine Montessori-Schule. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Pirna um eine Alternativ-Schule zu bereichern, eine Montessori-Schule macht aus unserer Sicht die Stadt noch attraktiver", sagt Annette Littau. 

Wie weit ist das Projekt gediehen?

Das Unternehmerpaar fragte zunächst bei Eltern nach, deren Kinder ebenfalls die Montessori-Kita besuchen, ob Interesse an einer solchen Schule besteht. "Die Resonanz war überwältigend", sagt Annette Littau. Im Dezember 2019 fand in dem Kinderhaus die erste Veranstaltung zur Gründung der Schule statt. Bereits nach diesem Auftaktabend trugen sich mehr als 30 Elternpaare für die Arbeitsgruppen ein, um das Projekt aktiv zu unterstützen. Sieben dieser Arbeitsgruppen gibt es derzeit, in denen die Eltern am künftigen Schulkonzept tüfteln. 

Bald schon stellte sich eine weitere Frage: Setzen die Eltern die Schul-Idee selbst um oder suchen sie sich einen großen Träger? Littau und Bochynek kontaktierten die Lebenshilfe. Sie schien ihnen der ideale Partner zu sein, zumal der Verein schon die entsprechende Kita betreibt. "Bereits im Januar beschlossen wir, die Idee zu unterstützen", sagt Thiele. Und zum Gründungs-Stammtisch im Februar verkündete der Vereinschef: die Lebenshilfe wird Träger der Bildungsstätte. "Wir sind überzeugt, dass diese Schule die Schullandschaft in Pirna bereichern wird, zumal Eltern oft alternative Bildungsangebote suchen", sagt Thiele. 

Im Mai stellte die Initiatoren das Projekt dem Ordnungs-, Kultur- und Bürgerausschuss (OKB) des Stadtrates vor, inzwischen laufen alle Prozesse, damit die Schule in naher Zukunft starten kann. 

Wo soll die neue Schule entstehen?

Als Schulstandort favorisieren Eltern und Lebenshilfe ein Areal, das sich idealerweise im Umfeld des Montessori-Kinderhauses in Copitz befindet. Laut Thiele gebe es mehrere Optionen. Als mögliches Domizil hat sich inzwischen eine Bestandsimmobilie in Copitz herauskristallisiert. Den genauen Standort geben die Initiatoren aber noch nicht preis, weil die Verhandlungen noch laufen. 

Wann soll der Schulbetrieb starten?

Die Montessori-Schule soll zum Beginn des Schuljahres 2021/22 in Betrieb gehen. Sie startet zunächst mit zwei Grundschulklassen. Interessenten können sich schon jetzt per E-Mail melden. 

Wie soll sich die Schule entwickeln?

Die Schule soll sich schrittweise bis zur 12. Klasse weiterentwickeln. Auch der Bereich Erwachsenenbildung soll dort künftig integriert werden. Für das Konzept ist folgendes angedacht: Kinder mit und ohne Behinderungen sollen künftig gemeinsam lernen, es soll Natur- und Waldprojekte geben. Muttersprachler sollen in Fremdsprachen-Projekte integriert werden, ebenso sollen beispielsweise Künstler, Handwerker und Therapeuten in den Bildungsalltag mit einbezogen werden. Schulgarten und Kinderküche sind geplant, dazu Werkstatt, Atelier, Labor und Medienraum, ebenso Kreativ- und Rückzugsorte. 

Mehr zur Montessori-Pädagogik generell finden Sie hier

Finden sich genügend Lehrer für die Schule?

Im nächsten Schritt will die Lebenshilfe einen Schulleiter suchen, der möglichst rasch angestellt werden soll, um das Projekt pädagogisch mitzuentwickeln. Bewerber gibt es noch keine, da das Schulvorhaben jetzt erst öffentlich wird. 

Nach Aussage von Thiele gebe es aber schon Anfragen mehrerer Lehrer von staatlichen Schulen, die gern an einer Montessori-Schule unterrichten würden. "Viele von ihnen sind bereit, zu uns zu kommen", sagt er. Wenn man in Kürze mit der Schule starten würde, hätte man für den Anfang das Personal so gut wie beisammen.

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