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Lebensretter im Auto

Der Sommerurlaub ist für viele Zittauer nicht mehr fern. Zeit für einen prüfenden Blick ins Auto.

Von Susanne Sodan

Ob sie nun rot, gelb oder orange ist – das ist egal. Aber ab 1. Juli hat sie in jedem Auto einen Platz: die Warnweste. Mit Beginn des kommenden Monats ist es Pflicht für jeden Pkw-Fahrer, eine dabei zu haben. „Das ist einfach eine Frage der Sicherheit“, sagt Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. Die Erfahrung hat es gezeigt: Bei einer Panne oder einem Unfall werden Personen mit Warnweste viel schneller von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen, egal ob in der Nacht oder bei Tage.

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In anderen Ländern ist die Warnweste längst Pflicht, nun zieht Deutschland nach. Pro Auto – die neue Regelung gilt für Pkw, Lkw und Busse – muss mindestens eine Warnweste an Bord sein. „Zwar ist nur eine Weste Pflicht, mehrere dabei zu haben, schadet auch nicht, gerade wenn man regelmäßig mit Beifahrern unterwegs ist“, sagt Knaup. Auch die Nutzung der Weste im Notfall ist nicht festgeschrieben, „aber da appellieren wir an den gesunden Menschenverstand.“ Bei einer Panne oder einem Unfall sollte man nie im Auto sitzen bleiben. „Je nachdem, wo man steht, kann die Gefahr für Folgeunfälle recht hoch sein.“ Das richtige Verhalten: aussteigen, Warnweste anziehen und möglichst hinter der Leitplanke warten. Wer ins Ausland fährt muss sich vorab über die dortigen Regeln informieren.

Warnwesten für Kinder

Wie die Warnweste auszusehen hat, bestimmt eine DIN-Norm. „Wichtig sind die reflektierenden Streifen. Die Warnweste sollte schon dem modernen Standard entsprechen“, so Knaup. Wer von der Polizei kontrolliert wird und keine Warnweste vorzeigen kann, dem droht ein Verwarngeld von 15 Euro. Rund drei Euro kostet der kleine Lebensretter und ist in jedem Autohaus, im Fahrzeug-Fachhandel und in Baumärkten erhältlich.

Der große Ansturm auf das neue Pflicht-Zubehör ist bisher aber ausgeblieben. „Ich nehme an, das liegt auch daran, dass wir uns im Dreiländereck befinden“, vermutet Dennis Urland vom Autohaus Scholz in Löbau. In Tschechien ist die Warnweste schon lange Pflicht. „Viele Autofahrer hier in der Region werden deshalb schon eine haben.“ Bei ATU Zittau dagegen sind in den vergangenen Wochen mehr Warnwesten als üblich über die Ladentheke gegangen. „Sicher haben viele bereits eine, rüsten aber noch zusätzlich auf“, vermutet Torsten Halang. Der Fachhandel vertreibt auch Warnwesten für Kinder. „Die normalen Westen in Einheitsgröße passen den Kindern kaum“, erklärt Halang. Pflicht ist die Anschaffung einer Warnweste im Kleinformat für die Eltern aber nicht.

Seit Beginn dieses Jahres gilt noch eine weitere Neuerung: Der Verbandskasten muss aufgerüstet werden. „Einige Inhalte sind weggefallen, neue sind dazugekommen. Das hat vor allem einen praktischen Hintergrund“, erklärt Mike Schnitter, Ausbildungsleiter beim DRK Löbau. Zum Beispiel wurden die Pflasterstreifen, die man selbst zuschneiden muss, durch ein fertiges Set mit mehreren Pflastergrößen ausgetauscht. Dazugekommen sind zudem Feuchttücher und das sogenannte Verbandspäckchen K.

Auf die Schnelle einen neuen Verbandskasten kaufen muss aber niemand. „Es gibt eine Übergangsregelung“, erklärt Marcel Lange vom ADAC Sachsen. Noch bis Ende des Jahres dürfen die alten Verbandskästen verkauft und auch genutzt werden – bis das Haltbarkeitsdatum abläuft. „Dann hat man zwei Möglichkeiten“, erklärt Lange. „Entweder man kauft einen neuen Verbandskasten oder tauscht die einzelnen abgelaufenen Inhalte aus.“ Spätestens dann sollen auch die neuen Materialien mit an Bord sein. Wichtig sei vor allem, dass man im Notfall für die Erste Hilfe ausgerüstet ist. Für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen, sind beim DRK und in Apotheken Ergänzungssets mit dem neuen Zubehör erhältlich. „Gerade jetzt im Sommer kann man vielleicht auch noch eine Zeckenzange dazulegen, bevor es in den Urlaub geht“, empfiehlt Mike Schnitter.

Die Polizei rät zusätzlich noch einen Blick in den Kofferraum zu werfen, bevor es auf eine längere Autoreise geht – auf das Ersatzrad nämlich. „Bei manchen liegt das jahrelang im Kofferraum, bei extremer Hitze und bei Kälte. Da sollte man prüfen, ob der Reifen porös geworden ist.“ Denn dann nützt ein Ersatzrad im Notfall nur wenig. Wer dann noch Platz hat, könne auch noch einen Feuerlöscher dazulegen. Der ist zum Beispiel für in Polen zugelassene Fahrzeuge sogar Pflicht, in Deutschland nicht. „Sinnvoll ist so ein Feuerlöscher aber durchaus“, sagt Thomas Knaup. Ein Kabelbrand zum Beispiel – ausgelöst durch einen hungrigen Marder -– greife schnell um sich.Auf ein Wort