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Lebensversicherung für Biker

An gefährlichen Strecken wird Unterfahrschutz an Leitplanken montiert. Seit gestern gibt es den auch nahe Tanneberg. Weitere Strecken sollen folgen.

Von Jürgen Müller

Lothar Brandau hatte ein traumatisches Erlebnis. Und obwohl es schon über 30 Jahre zurückliegt, hat es sich in sein Gedächtnis gebrannt. Bei einer Motorradtour verunglückte ein Freund tödlich. Er war gestürzt und unter eine Leitplanke geraten. Dieses Ereignis immer vor seinem geistigen Auge, setzt sich der Freitaler Stadtrat seit Jahren dafür ein, dass an gefährlichen Stellen Unterfahrschutz für Motorräder an Leitplanken montiert wird. Ein solcher Unterfahrschutz füllt den Raum zwischen Planke und Boden aus und deckt die gefährlichen Pfosten ab, bei einem Unfall eine Art Lebensversicherung für Biker. Gestern wurde solcher Unterfahrschutz in einer Kurve auf der Staatsstraße zwischen Tanneberg und Deutschenbora auf einer Länge von 150 Metern montiert. „Ich freue mich, dass wir gut vorankommen, immer mehr Streckenabschnitte umzurüsten und damit für alle Biker sicherer zu machen“, sagte gestern der sächsische FDP-Fraktionschef Holger Zastrow, der medienwirksam wie Sachsens Verkehrsstaatssekretär Roland Werner (FDP) mit schweren BMW-Motorrädern angereist war, um den Abschnitt zu übergeben.

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„Die Motorradsaison hat so zeitig wie seit 20 Jahren nicht mehr begonnen. Leider gab es schon wieder einige tödliche Unfälle. Mit dem Unterfahrschutz können Unfälle zwar nicht verhindert, aber die Folgen beträchtlich gemildert werden“, so Werner. Bisher wurden in Sachsen zwölf Kilometer Unterfahrschutz montiert, in diesem Jahr sollen weitere zehn Kilometer dazukommen. Ein Kilometer kostet rund 30 000 Euro. Auf weiteren 28 Kilometern seien die senkrechtstehenden Pfosten der Leitplanken mit Schutzpolstern ummantelt worden, was ebenfalls dazu beitrüge, Unfallfolgen zu mildern. „Aktuell sind damit im Freistaat Sachsen Streckenabschnitte von 40 Kilometern für Motorradfahrer gesichert. Da der Unterfahrschutz ausschließlich in Kurven angebracht wird, bedeutet dies in der Praxis eine weitaus höhere Gesamtstrecke, auf der die Sicherheit für Motorradfahrer erhöht wurde“, sagt der Staatssekretär. Im Landkreis Meißen wurde Unterfahrschutz bisher an den Bundesstraßen 6 und 169 sowie den Staatsstraßen 36, 83, 86, 87 und 177 mit einer Gesamtlänge von 1 276 Metern moniert.

„Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer hat für mich oberste Priorität. Deshalb müssen wir Unfallschwerpunkte entschärfen, wo wir können – zum Beispiel durch einfach zu realisierende technische Maßnahmen wie dem Unterfahrschutz an bereits vorhandenen Leitplanken“, so Werner.

Motorradfahrer können übrigens selbst melden, an welchen Stellen sie Unterfahrschutz für notwendig erachten. Sie können per Mail unter [email protected] gemeldet werden. „Die Vorschläge werden geprüft und bei Bedarf mit ins Sicherheitsprogramm aufgenommen“, verspricht der Staatssekretär.