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Görlitz

Leere Kirchen statt Gottesdienste

Unter den Gläubigen zwischen Niesky und Rothenburg herrscht Ungewissheit. Aber auch Vertrauen. Doch was passiert mit dem Osterfest?

Pfarrer Janis Kriegel hält zwar aufgrund der corona-bedingten Verordnungen keine Gottesdienste in der evangelischen Kirche ab. Aber den Kirchenraum für einzelne Personen zur Andacht und zum Gebet hält er offen - mit Mindestabstand.
Pfarrer Janis Kriegel hält zwar aufgrund der corona-bedingten Verordnungen keine Gottesdienste in der evangelischen Kirche ab. Aber den Kirchenraum für einzelne Personen zur Andacht und zum Gebet hält er offen - mit Mindestabstand. © André Schulze

Die Kirchensäle erscheinen in diesen Tagen noch größer als sonst. Mit baulichen Veränderungen hat das aber nichts zu tun. Wohl aber mit dem Innenleben, denn das ist auf ein Minimum geschrumpft. Die Gottesdienste sind abgesagt. Wer beten will, muss das zu Hause tun.

Kreative Gebetsformen ersetzen Gottesdienst

"Wir haben unsere Aktivitäten mehr und mehr zurückgefahren", sagt Janis Kriegel. Er ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde an der Rothenburger Straße. "Die Auswirkungen durch die Corona-Krise sind bei uns sehr zu spüren." Ursprünglich wollte man noch Gruppen und Kreise bis zu zehn Personen stattfinden lassen. "Das haben wir aber schließlich gestrichen." Für die Gläubigen sei das - wenn sie es schon akzeptierten - nur schwer zu ertragen. "Wir versuchen deshalb, kreative Formen des Gebets zu finden." So biete die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) auf ihrer Internetseite am Sonntag Livestreams von Gottesdiensten in der Bundeshauptstadt an. Aber auch im ZDF und der ARD gebe es diverse Möglichkeiten.

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Soziales Leben soll nicht völlig zum Erliegen kommen

Trotzdem legt Janis Kriegel natürlich Wert auf die persönliche Nähe zu den Gläubigen. "Wir werden die Kirche deshalb offenhalten. Ich bin hier in erster Linie als Seelsorger gefragt. Jeder kann individuell die Stille genießen oder das Gespräch mit mir suchen." Auch in der aktuell schwierigen Situation dürfe man die Menschen nicht aufgeben. "Das soziale Leben sollte nicht völlig zum Erliegen kommen, auch wenn die Leute von sich aus momentan nicht viele Kontakte wollen." Da helfe es, dass die Christen Gesangsbuch und Bibel zu Hause hätten. "Wir sind als evangelische Kirche nicht so unter Druck, dass wir beim Gottesdienst unbedingt beieinandersitzen müssten."

Pfarrer feiert die Heilige Messe für seine Gemeinde

Auch in der katholischen Pfarrei St. Josef in Niesky passt man sich den Gegebenheiten an. Am vergangenen Sonntag hatte Pfarrer Krystian Burczek noch zum Gottesdienst in die Holzkirche eingeladen. Am kommenden Wochenende wird er - stellvertretend für seine Gemeinde - die Heilige Messe nur alleine feiern. Bischof Wolfgang Ipolt kündigt an, dass am Sonntag ab 10 Uhr auf der Homepage des Bistums Görlitz möglicherweise eine Messfeier mit ihm übertragen werde.

Christen zwischen Unruhe und Gelassenheit

Wie ihre Kollegen überlegt auch Christine Pietsch von der Nieskyer Brüderkirche, wie sie trotz abgesagtem Gottesdienst Kontakt halten kann mit den Gemeindegliedern. Eine Möglichkeit seien die Geburtstagsbesuche, die mit den Jubilaren abgestimmt und nur dann durchgeführt würden, wenn diese angesichts der Lage auch einverstanden seien. "Natürlich ist eine gewisse Unruhe da. Eine Ungewissheit, ein Bangen. Aber es gibt auch eine große Gelassenheit. Denn der Glaube trägt - wir gehen zu Gott, egal ob die Sache gut ausgeht oder nicht."

Notprogramm zu den Osterfeierlichkeiten

Zusammen mit Janis Kriegel überlegt die Pfarrerin, wie mit den Osterfeierlichkeiten umgegangen werden kann. "Die Idee ist ein Notprogramm mit Treff auf dem Gottesacker, ein paar Bläserstücken. Dann werden die Namen der Verstorbenen verlesen." Das aber stehe noch längst nicht fest. Denn: "Im Moment überschlagen sich die Dinge ja regelrecht."

Kerzen anzünden als Ersatz für Gottesdienst

Neue, bereichernde Erfahrungen schlagen Andreas Fünfstück und Helmut-Andreas Spengler  im Pfarrsprengel Waldhufen-Vierkirchen vor. Statt der ausfallenden Gottesdienste könnten Kerzen angezündet, die Herrnhuter Tageslosung gelesen und Gebetsanliegen formuliert werden. "Es ist ein starkes Erlebnis, zu wissen: Jemand betet für mich. Und es macht mehr als ein gutes Gefühl, für Unbekannte und ihre Sorgen zu beten", so die beiden Pfarrer.

Miteinander der Menschen im Blick behalten

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Für Daniel Schmidt wiederum ist dies eine "spannende Zeit". Der Rothenburger Pfarrer will die große Stadtkirche am Sonntag zwischen 10 und 11 Uhr öffnen und - auch vor Besuchern mit genügend Abstand voneinander - ein Fürbittgebet sprechen. Aus Geburtstagsbesuchen sollen Geburtstagstelefonate werden. Vielleicht, überlegt er, könne er auch kleine theologische Gedanken verschicken. Aufgabe der Kirche sei es, das Miteinander der Menschen im Blick zu behalten. "Wir sollten aus der Katastrophe durchaus etwas Positives ziehen: Neues angehen, bisher Unbekanntes auch im Umgang miteinander entdecken."

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