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Leere Stühle bei der Suchttherapie in der JVA

Gefangene beschweren sich über den massiven Ausfall von Therapiestunden. Die Anstaltsleitung gelobt baldige Besserung.

Die Suchttherapie-Station in der JVA Zeithain, hier im Jahr 2014 fotografiert, gilt sachsenweit als Vorzeigeobjekt der Anstalt. Doch zuletzt blieben die Stühle laut Aussagen einiger Insassen häufiger leer. Grund dafür soll ein Personalmangel sein.
Die Suchttherapie-Station in der JVA Zeithain, hier im Jahr 2014 fotografiert, gilt sachsenweit als Vorzeigeobjekt der Anstalt. Doch zuletzt blieben die Stühle laut Aussagen einiger Insassen häufiger leer. Grund dafür soll ein Personalmangel sein. © Archiv/A. Schröter

Glaubitz. Die Suchttherapie-Station in der JVA Zeithain gilt schon seit ihrer Eröffnung im Jahr 2014 als Vorzeigeobjekt des sächsischen Strafvollzugs. Regelmäßig gingen für die acht bis zehn Plätze mehr als dreimal so viele Bewerbungen aus sächsischen Gefängnissen ein. Schließlich sind die Aussichten gut: Die Gefangenen können nicht nur Abstand von den Drogen gewinnen, sondern auch mit einigen Lockerungen rechnen. 

Schon nach dem dritten Monat ist ein Einkauf in einem nahegelegenen Supermarkt möglich, nach neun Monaten wartet der Umzug in den offenen Vollzug. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer schließen die Therapie nach früheren Aussagen der hiesigen JVA erfolgreich ab.

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Doch daran ist momentan nicht zu denken. Das zumindest behauptet ein Gefangener der JVA Zeithain, der sich per Leserbrief an die Sächsische Zeitung gewandt hat. Das Schreiben ist von sechs anderen Insassen der hiesigen Justizvollzugsanstalt unterzeichnet und wirft einen dunklen Fleck auf das Renommee der Suchttherapie-Station. Bereits seit acht Wochen würden 50 bis 100 Prozent der Therapiestunden ausfallen, heißt es in dem Brief. Betroffen seien vor allem Einzelgespräche und Gruppentherapien. „Somit besteht kein ordentliches Therapieangebot“, meinen die Gefangenen.

Grund für die Ausfälle sei laut Angaben der Betroffenen die Versetzung der bisherigen Stationsleiterin. Die habe die gewünschte Belegung der Station mit 16 Gefangenen nicht mittragen wollen. Deshalb müsse nun die letzte verbliebene Psychologin, der die Gefangenen eine hohe Fachkompetenz bescheinigen, nebenher noch Verwaltungsaufgaben erledigen. „Die auf der Strecke bleiben, sind wir. Denn ein Suchtkranker, der Hilfe will, aber sie nicht bekommt, der leidet! Und das tun wir“, heißt es in dem Brief der Gefangenen.

Station bekommt neues Konzept

Dass es auf der Suchttherapie-Station momentan Probleme gibt, ist auch in der Führungsetage der hiesigen Justizvollzugsanstalt bekannt. Dies sei jedoch mit gerade stattfindenden Veränderungen zu begründen. „Die Suchttherapiestation der JVA Zeithain befindet sich derzeit in einer Übergangsphase“, erklärt JVA-Sprecher Benno Kretzschmar. „Die Station soll in absehbarer Zeit mit verbessertem Konzept mehr Gefangene therapeutisch versorgen als bislang.“ Dies führe zu vorübergehenden Einschränkungen.

Geht es nach der Anstaltsleitung, soll sich die Situation schon bald ändern. „Es wird davon ausgegangen, dass noch im Juli 2019 wieder deutlich mehr therapeutische Angebote für die Gefangenen, die derzeit auf der Therapiestation untergebracht sind, verfügbar sein werden“, sagt JVA-Sprecher Benno Kretzschmar.

 Dass diese Änderungen momentan noch nicht wirksam werden können, habe auch mit rechtlichen Gegebenheiten zu tun. So müsste das neue Konzept laut Kretzschmar beispielsweise noch fachlich geprüft und bestätigt werden. Anschließend könne der für die Umsetzung notwendige Personalbedarf festgelegt werden. 

Erst dann werde entschieden, welche Personen die einzelnen Dienstposten übernehmen. Ob die bisherige Leiterin der Suchttherapie-Station wegen des bevorstehenden Umbruchs versetzt worden ist, will man in der JVA nicht bestätigen. Zu konkreten Personalfragen könne keine Auskunft gegeben werden, heißt es.

Die Zahl der Teilnehmer an der diesjährigen Suchttherapie habe sich indes von neun auf fünf verkleinert, schreiben die Gefangenen. Sie hoffen, dass die Therapie bald ohne Ausfälle weitergehen kann.