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Leerer Wahlkampfsaal im AfD-Kernland

Landtagskandidat Mario Kumpf spricht in Dürrhennersdorf - und träumt von einer neuen Zuwanderungs-Welle. 

Mario Kumpf ist Landtagskandidat der AfD für den Wahlkreis Löbau.
Mario Kumpf ist Landtagskandidat der AfD für den Wahlkreis Löbau. ©  Matthias Weber

Nein, die große Garde hatte die AfD am Donnerstagabend im Dürrhennersdorfer Schützenhaus nicht aufgeboten. Vielleicht lag das daran, weil Dürrhennersdorf politisch ohnehin so tiefblau ist wie der Atlantik derzeit unter Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Nein, das war jetzt kein bemühter Scherz. Die junge Neo-Nautikerin schaffte es tatsächlich auf die Themenliste des Abends.

Dürrhennersdorf ist so eine Art Oberlausitzer Kernland der AfD. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 erreichte die Partei hier einen Zweitstimmen-Anteil von über 45 Prozent. Und bei der jüngsten Europawahl gleich noch mal so viel, wie der stellvertretende Kreisvorsitzende Hajo Exner zu Beginn des Abends betonte. Das Publikum bestand aber offenbar nur aus dem ganz harten Wählerkern - nicht mal die Hälfte der Plätze im Saal waren besetzt. Es waren auch keine großen Namen aus der Spitze der Bundespartei angekündigt. 

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Wahlkämper Mario Kumpf hatte seine Hörerschaft quasi für sich allein. Der gelernte Koch wurde jüngst in den Stadtrat seiner Heimatstadt Ebersbach-Neugersdorf und in den Kreistag gewählt. Als Direktkandidat der AfD für den Wahlkreis Löbau will er nun auch noch in den Sächsischen Landtag einziehen. Assistiert wurde Kumpf noch vom thüringischen AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner. Der aus Nordrhein-Westfalen stammende Rechtsanwalt gab den hemdsärmligen Kumpel-Typ mit Ruhrpott-Witz. Dabei gilt er als einer der Scharfmacher um den Thüringer Parteichef Björn Höcke.

Die Reihen fest geschlossen - das galt im Saal des Schützenhauses nur moralisch, nicht aber, was die Größe des Publikums anbetraf.
Die Reihen fest geschlossen - das galt im Saal des Schützenhauses nur moralisch, nicht aber, was die Größe des Publikums anbetraf. ©  Matthias Weber

Als Scharfmacher wollte sich auch der 33-jährige Mario Kumpf in Dürrhennersdorf präsentieren. Er lobte den Ort als "Perle der Wahlquote" und lieferte seine Erklärung für das spärliche Publikum: "Ein Teil von euch hat bestimmt überlegt, überhaupt zu so einer Veranstaltung zu erscheinen", sagte er. Denn als AfD-Anhänger müsse man sich von "Scheindemokraten" als Nazi diffamieren lassen. "Wahrheit kann keine Hetze sein", sagte er, und erklärte, sich unter diesen Umständen sehr gut damit arrangieren zu können, als rechtsradikal tituliert zu werden. Kumpf beschwor "unsere Natur, unsere Heimat, unsere Tugenden", als Mittelpunkt seiner Politik. Die herrschende "rot-grün verblendete" Politik der "Kartell-Parteien" sei dagegen ein "Wertevernichtungsbetrieb".

Große Politikthemen streifte er im Phrasen-Schnelldurchlauf, auch in Anlehnung an aktuelle Ereignisse. Zur Klimapolitik ätzte er: "Ein Gör namens Greta Thunberg, deren Aktien durch die Decke schießen und das Schule schwänzen legitimiert." Zur Migrationspolitik: "Ein Freibadbesuch wird zum Besuch im Völkerkundemuseum. Der Muezzin-Ruf ersetzt den krähenden Hahn." Die "Masseneinwanderung" sei ein "moralisches Diktat". ""Unsere moralische Pflicht besteht in unserer Familie", sagte Kumpf.

Dabei skizzierte Mario Kumpf auch seine Vision von einer kurz bevorstehenden Zuwanderungswelle nach Sachsen: "Ab Herbst diesen Jahres wird ein Raunen durch Deutschland gehen. Es wird uns Zuwanderung bringen aus dem Westen", prophezeite er einen nahen Wahlsieg der AfD in Sachsen. Dann würden all jene kommen, die "die Schnauze voll haben vom Westen, wo No-go-Areas schneller entstehen, als Politessen einen Strafzettel ausstellen können", rief Kumpf und beschwor: "Unsere Reihen sind geschlossen gegen die Einheitsfront."

In seinem Parteifreund Stephan Brandner dürfte Kumpf mit diesem Wahlkampfauftritt einen Gönner gefunden haben. "Ich freue mich auf seine erste Rede im Landtag. Das hat Potential für Ordnungsrufe", schwärmte Brandner und erklärte, zu wissen, wovon er spreche. In seiner dreijährigen Zeit als Landtagsabgeorneter der AfD in Thüringen kassierte Brandner 32 Ordnungsrufe, die er alle auf seiner Internetseite auflistet. Laut Internet-Lexikon Wikipedia bezeichnete er sich in seiner Abschiedsrede dort auch selbst als den "Pöbler aus dem Landtag".  

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