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Bautzen

Leergut wird knapp

Viele legen sich jetzt einen Vorrat an Getränken an. Das ist für die Hersteller einerseits erfreulich, sorgt aber auch für ein Problem.

Leergutkästen stapelt Marlen Wagner im Getränkemarkt Nuck an der Zeppelinstraße in Bautzen. Weil sich derzeit viele Kunden mehr als sonst mit Getränken bevorraten, fürchten Hersteller, dass ihnen das Leergut ausgeht.
Leergutkästen stapelt Marlen Wagner im Getränkemarkt Nuck an der Zeppelinstraße in Bautzen. Weil sich derzeit viele Kunden mehr als sonst mit Getränken bevorraten, fürchten Hersteller, dass ihnen das Leergut ausgeht. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Leergut gegen Toilettenpapier – mit diesem ungewöhnlichen Trick lockt ein Getränkehändler im Raum Heilbronn die Kundschaft. Wer leere Flaschen bringt, bekommt außer dem Pfand als Zugabe eine Rolle des begehrten Papiers. Not macht erfinderisch.

So weit wie im Schwabenland ist es in der Oberlausitz noch nicht, auch wenn viele Kunden das Toilettenpapier schon gern mitnehmen würden. Aber auch hier werden leere Flaschen langsam zur Mangelware. Der Grund: Außer mit Toilettenpapier, Nudeln und Konserven bevorraten sich Tausende mit Getränken, vor allem Wasser und Bier. Die so gehorteten Mehrwegflaschen aber fehlen im Kreislauf zwischen Hersteller, Handel und Verbraucher. Wobei derzeit vor allem die Hersteller Probleme haben, ergaben Recherchen der SZ.

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Bei den Oppacher Mineralquellen bezeichnet Unternehmenssprecher Norbert Rogge die Leergut-Situation als „angespannt“. Den Oppachern kommt zwar zugute, dass sie die richtigen Schlüsse aus den jüngsten heißen Sommern gezogen haben. Auch da war Leergut nach einiger Zeit knapp – weshalb das Unternehmen gezielt in diesem Bereich investierte und sich einen Vorrat an leeren Flaschen anlegte.

Kunden kaufen mehr Flaschenbier

Und die Versandabteilung achtet darauf, dass die Partner vom Getränkehandel nicht nur volle Kästen holen, sondern im Tausch auch leere bringen. „Trotzdem wird es langsam kritisch“, sagt Rogge und appelliert an die Kunden, leere Oppacher-Flaschen in den Handel zurückzubringen – sowohl die aus Glas als auch die aus Plaste.

Auch die Radeberger Brauerei verkauft jetzt mehr Flaschenbier als sonst im März, berichtet Pressesprecherin Jana Kreuziger. „Doch was sich mit Blick auf diesen Absatz vielleicht erst einmal positiv anfühlt, könnte sich als kurzzeitiger Effekt erweisen. Denn vermutlich steht nicht zwangsläufig erhöhter Konsum dahinter, vielmehr stapeln sich damit lediglich die Radeberger Pilsner-Vorräte in vielen Kellern.“ Und das hat zwei Effekte: Erstens ebbt die Nachfrage irgendwann ab, zweitens parken mit dem Bier auch die Flaschen in den Kellern und fehlen in der Brauerei.

Dabei ist das Hamstern von Getränken überhaupt nicht nötig, betont Karl Tack, der Vorsitzende des Verbandes Deutsche Mineralbrunnen. „Bei der Versorgung mit Wasser gibt es vonseiten der Mineralbrunnen keine Engpässe.“ Weil die Nachfrage sprunghaft gestiegen sei, arbeiten die rund 200 Betriebe der Branche in Deutschland auf Hochtouren. Aber überall im Lande fehle Leergut, sagt auch Tack.

Appell fruchtet

Bei den Kunden der Supermarktkette Kaufland scheint der Rückgabe-Appell schon zu fruchten. Unternehmenssprecherin Andrea Kübler sagt, es gebe auch in den Märkten im Landkreis Bautzen „keine Probleme mit fehlendem Leergut“. Und völlig sorgenfrei sind diesbezüglich Discounter, die überhaupt nicht mit Mehrwegflaschen handeln. Wie Lidl, wo Sprecherin Sonja Kling gleich abwinkt: „Leergutmangel ist überhaupt kein Thema für uns.“

Ein Umschlagplatz für täglich Zehntausende Getränkeflaschen ist die Firma Hubauer in Bautzen, die Abnehmer in ganz Ostsachsen und Südbrandenburg beliefert. „Der Abverkauf ist derzeit hoch, aber nicht extrem“, sagt Geschäftsführer Peter Hempel. Der Rücklauf von Leergut laufe aber normal. Ähnliches berichtet Kathleen Waurick vom Getränkevertrieb Nuck in Bautzen. Sowohl im Stammgeschäft in der Spreestadt als auch in den Filialen zwischen Pirna und Niesky sei „alles normal“.

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