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Legionellen im Trinkwasser entdeckt

In einem Mietshaus in der Leisniger Straße wurden bei einer Routinekontrolle Bakterien festgestellt. Die Mieter haben nun Sorge um ihre Gesundheit.

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Von Kathrin Kupka-Hahn

Die Bewohner des Mietshauses in der Leisniger Straße sind schockiert. Am 10. August haben die zwölf Mietparteien ein Schreiben von der Hausverwaltung erhalten, dass in der Wasserleitung Legionellen aufgetreten sind. Festgestellt worden ist dies bei einer am 30. Juli durchgeführten Untersuchung. Eine von acht Entnahmestellen hat einen hohen Wert aufgewiesen. „Um eine Gesundheitsgefährdung zu vermeiden, müssen wir leider bis auf Weiteres ein Duschverbot aussprechen“, heißt es in dem Schreiben der Hausverwaltung weiter, das der SZ vorliegt.

Legionellen sind Bakterien, die sich besonders im stehenden Warmwasser vermehren. Sie finden dafür bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celcius ideale Bedingungen vor. Eine Infektion mit den Bakterien wird über das Einatmen feiner Wassertröpfchen möglich, die beispielsweise beim Duschen entstehen. Die Folge können schwere Entzündungen der Atmungsorgane oder fieberhafte Erkrankungen sein. „In unserem Mietshaus wohnen zwei Familien mit Babys und Kleinkindern, aber auch Senioren“, sagt Anwohnerin Angelika Liu. „Der Älteste ist 90 Jahre alt.“ Im Gespräch mit den Nachbarn ist sie auf deren Sorgen und Bedenken aufmerksam geworden. Das Duschverbot stellte für einige Bewohner ein zusätzliches, gesundheitliches Problem dar. Eine ältere Dame etwa sei chronisch am Rücken erkrankt und brauche regelmäßig die morgendliche Warmwasserdusche. „Wie sind die Legionellen in unser Haus gekommen?“, fragt Angelika Liu. Das konnte bisher noch nicht beantwortet werden. Die Hausverwaltung des Mietshauses wollte sich auf Nachfrage der SZ nicht zu dem Fall äußern.

Dass Legionellen in einem Pieschener Mietshaus aufgetreten sind, ist beim Gesundheitsamt momentan nicht bekannt, teilt Rathaussprecher Karl Schuricht mit. „Die Verunreinigung mit Legionellen kann sowohl in einem sanierten oder unsanierten Altbau als auch in einem Neubau auftreten“, sagt er. Die tägliche Erwärmung des Trinkwassers auf über 60 Grad Celsius würde einer Legionellenvermehrung vorbeugen. Ob das Wasser ausreichend erhitzt wurde, ist in diesem Fall nicht geklärt. Der Mieterbund Dresden räumt ein, dass es zuvor auch schon Fälle gegeben haben könnte. Die wären aber mangels entsprechender Prüfung nicht festgestellt worden. „Uns ist zumindest in Dresden kein Fall bekannt“, so Sprecher Mathias Wagner. Aus mietrechtlicher Sicht würde ein Legionellenbefall einen Mangel darstellen, der dem Mieter bestimmte Gewährleistungsrechte einräumt. Es müsse im Einzelfall geprüft werden, ob und in welcher Höhe eine Mietminderung sowie gegebenenfalls Schaden- und Aufwendungsersatz von den Mietern gefordert werden kann.

Inzwischen wurde in dem Pieschener Mietshaus eine thermische Desinfektion der Wasserleitungen vorgenommen. Dafür wurde die Wassertemperatur auf über 70 Grad Celcius erhöht. Anschließend wurden in allen zwölf Wohnungen nacheinander alle Warmwasserhähne drei Minuten geöffnet. Noch in dieser Woche soll die Nachuntersuchung durch eine Spezialfirma erfolgen, teilt die Hausverwaltung in einem neuen Schreiben mit.