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Schuljahr startet mit Lehrermangel

An den Schulen der Oberlausitz fehlen Dutzende Pädagogen - und dem ohnehin schon massiven Unterrichtsausfall in der Corona-Krise folgen weitere Kürzungen.

© Armin Weigel/dpa

Ingo Elmenthaler kann die Stundentafel drehen und wenden, wie er will: Es bleiben mehr Unterrichtsstunden, als der Schulleiter des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums Lehrer zur Verfügung hat. Die einzige Möglichkeit, die ihm bleibt, ist es, den Mangel möglichst gleichmäßig zu verteilen. 

So werden nun alle 9. und 10. Klassen bis auf Weiteres nur noch eine statt zwei Wochenstunden Gemeinschaftskunde haben. Sämtlicher Profilunterricht in den Klassen 8 bis 10 wird ebenfalls von zwei auf eine Stunde pro Woche gekürzt. "Planmäßiger Unterrichtsausfall" nennt man das im Sächsischen Kultusministerium, wenn Stunden gleich von vornherein vom Lehrplan gestrichen werden.

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An den Schulen in der Oberlausitz ist ein solches Vorgehen keine Ausnahme mehr, bestätigt Jens Drummer, der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) in Bautzen. Verabredet sei aber, dass zumindest die Abschlussklassen von planmäßigen Unterrichts-Kürzungen ausgenommen sind.

42 Lehrerstellen sind unbesetzt

An den Schulen im Bautzener Amtsbereich ist die Personalnot besonders groß. Von den 130 offenen Stellen in den Kreisen Bautzen und Görlitz konnten bis jetzt nur 88 besetzt werden. Zum Schuljahresbeginn am Montag fehlen noch acht Lehrer an Grundschulen, 15 an Oberschulen, zehn an Gymnasien, zwei an beruflichen Schulen und sieben an Förderschulen - nicht eingerechnet eine Zahl von Lehrkräften, die beispielsweise aus Krankheitsgründen fehlen.

"Die Personalsituation ist nach wie vor angespannt", sagt Jens Drummer. Petra Müller, die Vorsitzende des Lehrerkreisverbandes Löbau-Zittau, spricht in diesem Zusammenhang auch die massenweisen Abordnungen von Lehrern an. "Die abgeordneten Kollegen unterrichten tage- oder stundenweise an verschiedenen Schulen und helfen damit, überall ein paar Löcher zu stopfen", sagt sie. Ohne diesen Einsatz wäre die Unterrichtsversorgung an den Schulen noch schwieriger.

Nach wie vor sei es schwierig, junge Lehrer und Absolventen für den ländlichen Raum zu gewinnen, sagt Jens Drummer. Während sich an einem Gymnasium in Leipzig 65 Bewerber auf eine Stelle gemeldet hätten, habe es an Gymnasien im Raum Löbau-Zittau Stellenausschreibungen gegeben, auf die keine einzige Bewerbung eingegangen sei.

Ein junger Sportlehrer, der sich entschieden hat, aus Bayern wieder zurück in die Oberlausitz zu kommen, und der am Montag an einem Gymnasium in Bautzen anfängt, ist hier noch immer die große Ausnahme, weiß Drummer. "Es ist uns bisher kaum gelungen, Bewerber aus anderen Bundesländern zu uns in die Oberlausitz zu locken", gibt er zu. Ein ganzes Paket an Maßnahmen wie Beamtenstatus oder finanzielle Zulagen für eine Anstellung im ländlichen Raum hätten noch nicht den erhofften Erfolg.

Positiver Trend an Grundschulen

Nur an den Grundschulen scheint sich die Situation langsam zu verbessern. "Wir konnten wieder mehr grundständig ausgebildete Grundschullehrer einstellen als in den Vorjahren", sagt Petra Müller vom Lehrerverband. "Das ist sehr erfreulich." Die Kreisvorsitzende hofft, dass sich dieser Trend jetzt fortsetzt, weil Grundschullehrer seit Kurzem wieder einen Teil ihrer Ausbildung in Löbau absolvieren - und so bereits während des Studiums einen engen Bezug zur Region bekommen. 

Jeder fünfte der neu eingestellten Lehrer hat allerdings keine grundständige pädagogische Ausbildung. Wenn die Seiteneinsteiger am Montag das erste Mal vor einer Schulklasse stehen, haben sie lediglich einen dreimonatigen Crash-Kurs zu den wichtigsten pädagogischen Grundlagen hinter sich.

Schwierig wird der Schuljahresstart in diesem Jahr auch noch in anderer Hinsicht: Nach den monatelangen Schulschließungen in der Corona-Krise fehlt den Schülern Unterrichtsstoff in Größenordnungen aus dem vergangenen Schuljahr. Der muss nun neben dem neuen Lehrstoff nachgeholt werden. Beim Landesamt geht man davon aus, dass dafür ein Schuljahr gar nicht in jedem Fall ausreichen wird. 

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Und schon planen die Schulen den Fall einer erneuten Schließung, um diesmal besser vorbereitet zu sein. "Es ist ein beklemmendes Gefühl", sagt Petra Müller, die an der Oberschule in Neusalza-Spremberg unterrichtet. "Jedem von uns graut im Grunde davor, dass dieser Fall wieder eintreten könnte."

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