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Lehrerstreik an fast allen Schulen

In den meisten Einrichtungen im Altkreis Döbeln fällt morgen der Unterricht aus. Das gilt allerdings nicht automatisch für alle Schüler.

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Von Peggy Zill

Sachsens Lehrer werden heute bis Freitag regional gestaffelt wieder in den Warnstreik treten. Die meisten Schulen im Altkreis Döbeln beteiligen sich morgen daran. Das ergab eine Umfrage des Döbelner Anzeigers.

Welche Schulen werden bestreikt?

An fast allen Schulen streiken die Lehrer. Ausnahmen sind drei Grundschulen. Leisnig hat nach eigenen Angaben noch nie mitgestreikt. In Technitz und Großbauchlitz findet ebenfalls normaler Unterricht statt. Die Eltern müssten alle über den Streik informiert sein. „Wenn Eltern keine anderen Betreuungsmöglichkeiten haben, ist eine Notbesetzung da, die Kinder werden betreut“, sagte Elvira Flaschin von der Grundschule „Am Holländer“ in Döbeln. Die gibt es an allen Schulen. Beim Warnstreik im September haben die wenigsten Eltern dieses Angebot genutzt. „15 Kinder waren damals da“, sagte Heidemarie Egerer von der Kunzemannschule. Über den erneuten Streik sei sie nicht glücklich. „Das wird kein Schulleiter sein.“ Auch an der Förderschule in Waldheim sind fast alle Pädagogen im Sächsischen Lehrerverband oder in der Gewerkschaft organisiert, wie Heiko Felgener erklärt. „Beim letzten Streik sind nur eine Handvoll Kinder zur Schule gekommen“, so der Schulleiter. Trotzdem wird auch morgen die Betreuung abgesichert. Die Mochauer Grundschule hat den Eltern geraten, die Kinder Zuhause zu lassen, wenn sie die Möglichkeit haben.

Wer muss trotzdem in die Schule?

Obwohl das Harthaer Martin-Luther-Gymnasium bestreikt wird, werden die 5., 6., 11. und 12. Klassen normal unterrichtet. Einige Lehrer vom Döbelner Lessing-Gymnasium beteiligen sich zwar am Streik, aber es soll dennoch einen relativ normalen Unterrichtstag geben. „Der Unterricht ist für die meisten Klassen bis zur Mittagspause abgesichert und in vielen Fällen auch darüber hinaus“, sagte Schulleiter Michael Höhme.

Auch an der Regenbogenschule in Döbeln fahren sechs bis acht Kollegen mit zur Kundgebung nach Chemnitz. Teilweise kann aber auch unterrichtet werden. Ähnlich sieht es am Beruflichen Schulzentrum in Döbeln aus. Laut Schulleiter Günther Oertelt wird ein Notdienstplan erstellt und so weit wie möglich Unterricht stattfinden. Welche Klassen das betrifft, konnte er gestern noch nichts sagen, weil die Lehrer bis heute 8.30 Uhr melden sollten, wenn sie sich am Streik beteiligen. Beim Warnstreik im September habe jedenfalls Unterricht stattfinden können. An der Gersdorfer Grundschule wird der Unterricht zwar ausfallen, aber die geplanten Einschulungsuntersuchungen findet trotzdem statt. An der Mittelschule in Mügeln stand gestern noch nicht fest, ob und in welchem Umfang gestreikt wird. Für den Bezirk Leipzig, zu dem Mügeln gehört, wird für Freitag zum Streik aufgerufen. Wie Axel Boldt erklärte, wird versucht, für die 5. und die Abgangsklassen den Unterricht abzusichern. Eine komplette Schließung soll es nicht geben.

Warum streiken die Lehrer schon wieder?

Die Gewerkschaften GEW und dbb Tarifunion haben vergangene Woche dazu aufgerufen. Hintergrund sei die Weigerung der Staatsregierung, Verhandlungen für einen Demografie-Tarifvertrag aufzunehmen. „Die Verweigerung von Altersteilzeit wird nicht zu einer kontinuierlichen Unterrichtsabsicherung führen – mit einer Lehrerschaft, die in zwei Jahren zu einem Viertel über 60 Jahre alt sein wird“, sagte Jens Weichelt, Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes. Altersteilzeit sei die notwendige Anerkennung der Arbeitsleistung der älteren Generation und biete zugleich die Möglichkeit zusätzlicher Neueinstellungen. Das Durchschnittsalter der Pädagogen in Sachsen liegt oberhalb von 50 Jahren. Und die meisten würden sich nicht in der Lage sehen, bis zum Erreichen des Rentenalters vor einer Klasse zu stehen.