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Hoyerswerda

Lehrreiche Wochen im Rathaus

Der Hoyerswerdaer Kommunalpolitiker Dirk Nasdala hat seinen Dienst in Ottendorf-Okrilla wieder quittiert.

Dirk Nasdala ist aktuell in Hoyerswerda Stadtrat sowie Freie-Wähler-Fraktionschef im Kreistag in Bautzen.
Dirk Nasdala ist aktuell in Hoyerswerda Stadtrat sowie Freie-Wähler-Fraktionschef im Kreistag in Bautzen. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Man kann selbst während eines Oberbürgermeister-Wahlkampfes noch so einiges lernen. Im September 2013 stand in Hoyerswerda als einer von fünf Kandidaten der Rechtsanwalt Dirk Nasdala auf dem Stimmzettel, holte im ersten Wahlgang immerhin 20,6 Prozent der Stimmen, im zweiten dann 33,1 Prozent und wurde so für die Freien Wähler ganz knapp Zweiter hinter Stefan Skora von der CDU.

Nasdala ist Verwaltungsrechtler. „Aber das ist die Theorie. Das Leben ist mitunter anders“, meint er. Und so ging ihm schon damals im Wahlkampf auf, dass ein direkter Einblick ins Leben einer Verwaltung vielleicht ganz hilfreich sein könnte, bevor man als Oberbürgermeister unter anderem der Chef einer Stadtverwaltung wird. Also ging Dirk Nasdala seine für dieses Jahr geplante zweite Kandidatur strategisch an. Er stieg aus der Kanzlei Kossow und Nasdala aus und bewarb sich als Hauptamtsleiter in Ottendorf-Okrilla. „Es war mir schon ein bisschen unheimlich, dass sie mich auch gleich genommen haben“, sagt er.

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Organisation ineffektiv

Der 53-Jährige hat seinen Job in der Verwaltung der 10.000-Einwohner-Gemeinde, den er im September antrat, inzwischen wieder beendet. Man hat ihn nicht etwa rausgeworfen, wie die Gerüchteküche wissen will. Sondern er hat der Gemeinde selbst einen Aufhebungsvertrag angeboten und mit ihr abgeschlossen. „Das Arbeitsverhältnis endete im besten beiderseitigen Einvernehmen“, hat Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) ins Arbeitszeugnis geschrieben. Dirk Nasdala wusste schon vor seiner Bewerbung, dass Ottendorf-Okrilla kein Zuckerschlecken werden wird. Er sagt, er habe sich bewusst für eine schwierige Aufgabe entschieden: „Ich dachte: Da stürzt du dich jetzt rein, auch mit der Gefahr, dass es schiefgeht.“

Nasdala ist durchaus nicht unzufrieden. Er erzählt, er habe die eine oder andere Veränderung anschieben können, unter anderem, was die Organisationsstruktur der Verwaltung angeht: „Sie kann in ihrer bisherigen Form gar nicht effektiv arbeiten.“ Mit Bürgermeister, Bauamtsleiter und Kämmerer habe er gut kooperiert. Nur mit einer Person, sagt Nasdala, habe es Schwierigkeiten gegeben. Er sei zum Beispiel von wichtigen Informationen abgeschnitten gewesen, schildert der Jurist. Als er es schließlich herausgefunden habe, hätte er eigentlich eine Kündigung aussprechen müssen, erzählt er weiter – jedoch mit der Gefahr eines größeren Aderlasses im Ottendorfer Rathaus. Ein Problem lösen, indem er ein größeres kreiert, wollte er dann aber nicht und zog die Reißleine.

Könnte es nicht sein, dass ein Oberbürgermeister ähnliche Schwierigkeiten in deutlich größerer Frequenz auf den Schreibtisch bekommt als ein Hauptamtsleiter? Dirk Nasdala nickt: „Ja, aber in diesem Falle ist man ein Wahlbeamter und nicht ein Angestellter in der Probezeit.“ Die Wochen im Rathaus waren im Zusammenhang mit dem Ziel der Lernens aber nicht umsonst. Der Kandidat in spe bekam unter anderem tiefere Einblicke in Fragen der Verwaltungs-EDV, der Feuerwehr, der Gewerbeangelegenheiten, des Meldeamtes oder auch des Bibliotheks- und Archivwesens. Er sei, sagt Nasdala, sogar von Einheimischen gefragt worden, warum er denn nicht in Ottendorf-Okrilla zur Bürgermeisterwahl antreten wolle, die auch in diesem Jahr stattfindet. „Mit den Menschen in Hoyerswerda und auch mit dem Sorbischen verbindet mich aber doch mehr“, sagt er.

Kandidatur als Unabhängiger

Vor sieben Jahren schrieb Dirk Nasdala in sein Wahlprogramm an erster Stelle, er stehe für Bürgerbeteiligung. Und so will der Stadt- und Kreisrat den Wahlkampf des Jahres 2020 nicht nur mit ein paar zusätzlichen Verwaltungserfahrungen bestreiten, sondern auch ohne die direkte Unterstützung der Freien Wähler, deren Mitglied er freilich bleibt. Geplant ist seinerseits eine Bewerbung als unabhängiger Kandidat.

Er könnte es leichter haben. Da die Freien Wähler im Stadtrat sitzen, könnten sie ihn einfach vorschlagen. Als Einzelkandidat dagegen muss er hundert Bürger davon überzeugen, ins Rathaus zu gehen, um dort Unterstützungs-Unterschriften abzugeben. „Ich will meine Unabhängigkeit unter Beweis stellen“, sagt Dirk Nasdala dazu. Er freue sich auf viele Gespräche mit Vertretern von Vereinen und Institutionen. Auch dabei lässt sich einiges lernen.