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Starkes Zeichen von Sachsens Stärkstem

Der zweifache Kugelstoß-Weltmeister David Storl organisiert in Leipzig ein kleines Meeting. Im Interview erklärt er, wie damit auch anderen geholfen wird.

David Storl stößt die Kugel am Freitag in Leipzig beim Trainingswettkampf auch für einen guten Zweck.
David Storl stößt die Kugel am Freitag in Leipzig beim Trainingswettkampf auch für einen guten Zweck. © dpa/Hendrik Schmidt

Der Weltmeister wird zum Wettkampf-Organisator. David Storl und das mitteldeutsche Kugelstoßteam, deren bekanntester und bester Athlet der 29-Jährige ist, veranstalten am Freitag in Leipzig ein Training unter Wettbewerbsbedingungen, aufgrund der aktuell noch gültigen Corona-Bestimmungen jedoch ohne Zuschauer. Übertragen wird der Wettkampf aber im Livestream auf dem Youtube-Channel des gebürtigen Rochlitzers.

Er führt das zehnköpfige Starterfeld mit Teilnehmern aus Chemnitz, Halle an der Saale und Leipzig an, und er managt auch alles. Im SZ-Interview spricht Storl über die Gründe für das Mini-Sportfest und den Zweck, den es erfüllen soll.

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Herr Storl, warum veranstalten Sie diesen Übungswettkampf?

Wir alle durchleben eine schwierige Zeit mit dem Virus. Erstens habe ich ein Interesse an diesem kleinen Meeting, weil ich mich endlich mal wieder in einem Wettbewerb mit anderen messen möchte. Zweitens bieten wir Unternehmen, die von der Krise betroffen sind, eine Plattform. Sie können online für sich werben. Drittens gehen die Einnahmen aus dieser Aktion an den Leichtathletik-Nachwuchs dreier großer Leipziger Vereine, und wir möchten den Talenten auch mit Spenden helfen.

Was bringt Ihnen dieses Training unter Wettbewerbsbedingungen?

Es nützt mir sportlich was. So, wie die Lage sich entwickelt, haben wir doch noch eine Sommersaison vor uns. Dafür will ich ein Startsignal geben. Außerdem brauche ich neben Übungseinheiten auch kleine Meetings wie dieses, um mich bestens vorzubereiten. Finanziell weiß ich nicht, was dieses Sportfest bringt. Wir überlassen den Firmen, wie viel ihnen die Möglichkeit des Marketings wert ist. 42 Unternehmen machen bisher mit. Das ist schon mal eine Hausnummer und beweist, dass Interesse am Sport da ist.

Wie sieht denn Ihr provisorischer Wettkampfkalender aus?

Stand jetzt soll die eigentlich für dieses Wochenende geplante deutsche Meisterschaft Anfang August stattfinden. Anschließend plant der Weltverband bis Mitte Oktober seine Diamond-League-Meetings. Dann haben wir also Höhepunkte im Wochenrhythmus. Auf diese Dichte müssen wir uns körperlich und mental vorbereiten und motiviert bleiben. Darauf arbeiten wir hin. Im Training bringen wir höchstens 90 Prozent Leistung, im Wettkampf 100. Auch deshalb machen wir das Sportfest.

Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Ich bin als Olympiakader in der luxuriösen Position, uneingeschränkten Zugang zu den Sportanlagen zu haben. Ich durfte immer trainieren. Ich brauchte die Zeit auch, konnte sie gut nutzen und etwas entwickeln. Jetzt darf ein Großteil wieder trainieren, auch der Nachwuchs. Es ist deutlich mehr Betrieb auf den Sportstätten. Doch noch immer können nicht alle drauf. Deshalb wollen wir Klubs mit dem Minimeeting unterstützen. Es soll ein Anfang sein.

Und wie wirkte sich Corona auf Sie als Ehemann und Familienvater aus?

Da waren die Folgen am größten. Ein normales, unbeschwertes Leben war unmöglich – und das nicht, weil Ausflugsziele und Restaurants geschlossen waren. Meine Frau arbeitet als Lehrerin und sollte zur Notbetreuung in die Schule. Andererseits waren die Kindertagesstätte unseres Sohnes und die Schule unserer Tochter geschlossen. Meine Frau und ich mussten Arbeits- und Trainingszeiten aufeinander abstimmen. Das funktionierte gut. Ich bin da als Leistungssportler ein bisschen flexibler als andere.

2019 stoppte Sie Ihr Rücken. 2020 ist es ein Virus. Wie viel Praxis fehlt Ihnen?

Die vergangene Freiluftsaison war eine Katastrophe. Ich hatte keinen Wettbewerb mit einem relevanten Ergebnis. Die Hallensaison war mit zwei Wettkämpfen auch sehr kurz. Ich möchte nicht noch einen Sommer ohne Wettbewerb mit zufriedenstellendem Resultat und brauche einige Sportfeste auf hohem Niveau, um mich wieder in die Abläufe rein zu finden.

Welche Ziele verfolgen Sie angesichts der ungewissen Situation?

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Das Interview führte Maik Schwert.

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