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Leichter Test mit schweren Folgen

Neue Tests für Corona-Antikörper sind der erste große Schritt, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Aber sie schaffen auch Ungleichheit. Ein Kommentar.

© Peter Kneffel/dpa / SZ

Also, geht doch. Endlich mal eine gute Nachricht. Endlich haben wir den ersten allgemein zugelassenen Test, der Antikörper im Blut nachweisen kann. Und er wird in Deutschland hergestellt. Solche Tests sind der erste große Schritt, um die Pandemie irgendwie, irgendwann in den Griff zu bekommen. Ein paar Tropfen Blut reichen aus für den Nachweis der Antikörper. Sie sind nach jetzigem Wissen der Garant dafür, eben nicht mehr an Covid-19 zu erkranken. Eben weil man das Virus schon einmal hatte – bemerkt oder unbemerkt.

Was solche Tests möglich machen, zeigt eine ebenfalls gestern vorgestellte Heinsberg-Studie. In der am stärksten betroffenen Gemeinde Deutschlands wurden vorab Hunderte Menschen untersucht. Etwa zehnmal mehr Menschen sind demnach mit Corona infiziert, als bekannt. Das ist ziemlich gefährlich, weil diese Menschen damit auch unbemerkt die Krankheit verbreiten können. Diese hohe Dunkelziffer ist aber auch eine richtig gute Nachricht, weil damit die Sterberate von derzeit noch gut drei Prozent auf etwa 0,3 Prozent sinken würde.

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Dieser Test beweist erstmals: Ich hatte das Virus, und kann also keinen anderen Menschen mehr infizieren. Ich bin völlig ungefährlich für die Menschen um mich herum, mit und ohne Maske. Ganz nah oder fern. Oder der Test zeigt eben: Ich hatte das Virus noch nicht und bin ein potenziell gefährlicher Virenverbreiter. Der Antikörpertest wäre dann eine Grüne Karte für die Freiheit. Die Rote Karte gäbe es für Gefährder und Gefährdete. Eine wohlsortierte Gesellschaft würde entstehen, wie sie sich manch Science-Fiction nicht hätte besser vorstellen können. 

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Wer bekommt den neuen Freiheitsschein als Erster? Wer als Letztes? Ärzte, Pflegekräfte sicherlich sind vorn, doch dann fangen die Fragen an: alleinerziehende Mütter, Feuerwehrleute, Busfahrer, Verkäuferinnen? Oder bekommt jeder das gleiche Recht? – Nein, das sicher nicht. Es gibt in der Pandemie keine Gleichheit, so viel steht fest. Und das Virus kennt auch keine Gerechtigkeit. Wir werden uns damit abfinden müssen, dass die Re-Normalisierung ungerechter wird als die Schließung des Landes, die alle gleich traf. 

E-Mail an Stephan Schön

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