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Leidenschaftlicher Ahnenforscher

Gottfried Göbel beschäftigt sich mit Stammbäumen und Besitzverhältnissen und hat dabei eine Menge an Material bearbeitet.

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Von Marcus Sachse

Nur ein paar kurze Mausklicks am Computer und schon öffnet sich vor Gottfried Göbel das, was er die personifizierte Anlage zur Ortschronik von Höckendorf mit all seinen Ortsteilen nennt. In seiner Datenbank hat der Ahnenforscher an die 25000 Personen gespeichert, die in den letzten gut 450 Jahren entweder aus den einzelnen Orten stammten, dorthin einheirateten oder etwa ein Grundstück erwarben. Außerdem hat er allen Grundstücken die Besitzer zugeordnet und zu welchem Preis sie in früheren Zeiten den Eigentümer wechselten.

„Seine Forschungen sind für uns als Gemeinde unbezahlbar“, zeigt sich daher der Höckendorfer Amtsleiter Carlo Schütze dankbar. „Er hat ja die Dinge nicht nur erfasst, sondern richtig aufgearbeitet.“

Mit der Familie beschäftigt

Am Anfang seiner Forschungen stand aber für Gottfried Göbel nicht die Gemeinde Höckendorf, sondern vielmehr die eigene Familie. „Vor 20 Jahren machte mich meine Mutter darauf aufmerksam, dass von unserer Göbel-Familie ein Stammbaum aus dem Jahre 1937 existiert“, erinnert sich der 74-Jährige.

Auf seiner Suche wurde er schließlich in Pretzschendorf fündig. Hier hatte ein Verwandter ein Exemplar des gesuchten Stammbaums als Porzellanmalerei an der Wand hängen. „Da hatte es mich dann endgültig gepackt. Ich wollte den Stammbaum weiterführen und habe mich auf die Socken gemacht“, erzählt der studierte Diplom-Ingenieur. Irgendwann kam dann aber der Punkt, an dem auch ein so leidenschaftlicher Genealoge wie Gottfried Göbel nicht mehr weiterkam. Doch anstatt sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, machte er sich an ein noch größeres Projekt: ein „Ortsfamilienbuch“ für die Gemeinde Höckendorf. „Ich selbst bin in Borlas geboren, und viele meiner Verwandten wohnen auch heute noch im Gemeindegebiet“, erklärt der in Dresden-Laubegast lebende Rentner seinen Entschluss. Außerdem stammte sein Urahne aus Ruppendorf, sodass er auf bereits gesammelte Daten aus seinem Familienstammbuch zurückgreifen konnte.

Stammgast im Archiv

Im Höckendorfer Pfarramt und in der Gemeindeverwaltung wurde Gottfried Göbel nun ebenso zum Stammgast wie im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden. Er untersuchte unzählige Taufregister, arbeitete sich durch 400 Jahre alte Gerichtsbücher und vor allem, er archivierte sein Wissen gleich auf einer modernen Computerdatenbank. Diese stellte er dem Gemeindeamt in Höckendorf zur Verfügung und aktualisiert sie bis heute regelmäßig.

Für die Gemeinde selbst hat seine Arbeit auch eine praktische Bewandtnis. So konnte Gottfried Göbel für den sogenannten Wirtezug an der Kegelbahn des Erbgerichts alle Erbrichter und ehemaligen Schankwirte bis zum Anfang des 16.Jahrhunderts ermitteln. Und auch für die 775-Jahr-Feier von Höckendorf will man seine Hilfe in Anspruch nehmen.

Er hilft natürlich gern. Dennoch verliert Gottfried Göbel sein eigentliches Anliegen nicht aus den Augen. „Bis zu meinem Lebensende will ich das Ortsfamilienbuch in einen möglichst abgeschlossenen Zustand bringen. Schließlich gilt es, noch viele Lücken zu füllen“, steckt er sich weiter große Ziele. Für ihn und natürlich für die Gemeinde Höckendorf kann man nur hoffen, dass ihm dies gelingt.