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Leider nur zu Besuch

Für das großen Jubiläum rollte zum ersten Mal der modernste Zug der Bahn, ein ICE 3, nach Dresden. Sobald wird er aber nicht wiederkommen.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Jana Mundus

Ob die Schaulustigen am 7. April 1839 auch auf Abstand gehalten wurden, wusste Frank Rose gestern nicht. Blöd findet der Dresdner Eisenbahnfan es trotzdem, dass er die Einfahrt des neuen ICE 3 in den Dresdner Hauptbahnhof nur vom gegenüberliegenden Gleis aus beobachten darf. Gleis 3, auf dem der modernste Zug der Deutschen Bahn halten soll, ist für Zuschauer gesperrt. Dabei warten am Nachmittag Hunderte auf die Ankunft der Jubiläumsbahn anlässlich des 175. Geburtstags der Fernbahnstrecke Leipzig–Dresden.

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Die Bahnsteigkante gleicht einem Meer aus Fotoapparaten. Die Bahnhofsmitarbeiter haben ihre liebe Not mit der dichten Menschenmenge. „Bitte treten Sie hinter die Sicherheitslinie, die ist ja nicht umsonst da“, meint einer zu den Wartenden. Die machen einen Schritt zurück – um gleich wieder einen vor zu machen, als der Bahnbedienstete ihnen den Rücken kehrt. Auch Frank Rose wagt sich weit vor an die Kante. Schließlich will er ein gutes Foto vom ICE 3 haben. Die Liebe zur Eisenbahn liegt bei ihm in der Familie. „Mein Vater war Lokführer“, erzählt der 74-Jährige. Ehrensache, dass er beim Jubiläum dabei ist. „Das 150. war aber viel besser organisiert“, erinnert er sich. Damals gab es Andenken an das Ereignis zu kaufen. „Diesmal gibt es nichts. Das ist schon peinlich für die Bahn.“

Zumindest die Einfahrt des ICE 3 gelingt pompös. Für Bahnverhältnisse überpünktlich rollt der Zug um 16.39 Uhr ein, begleitet von funkelnden Feuerwerksfontänen und einer Bläsergruppe auf dem Bahnsteig, deren Spiel im Quietschen der Bremsen untergeht. Einer der Ersten, der aussteigt, ist Bahnchef Rüdiger Grube. Schön sei die Fahrt von Leipzig nach Dresden gewesen, lässt er wissen und posiert am Triebwagen für die Fotografen.

Orientiert an den Fahrzeiten des Originals aus dem Jahr 1839 startete der Sonderzug um 13.34 Uhr in Leipzig. Da der ICE 3 aber deutlich schneller fährt, war die gewonnene Zeit für längere Zwischenstopps in Wurzen, Oschatz und Riesa genutzt worden. Deren Bahnhöfe kennt jetzt auch ein kleiner Schweizer. Der siebenjährige Sven Hantke saß mit seinen Eltern im Zug. Sein Vater Stefan arbeitet bei der Matterhorn Gotthard Bahn, die in diesem Jahr ebenfalls Jubiläum feiert und Gast der Festwoche ist. Sven will selbst mal als Eisenbahner arbeiten und erzählte gestern während der Fahrt gleich Rüdiger Grube von seinem Traum. „Schreib’ mir, wie es in der Schule ist. Wir bleiben in Kontakt“, ruft der Vorstandschef der Bahn, als er nach der Ankunft den Bahnsteig in Richtung Bühne in der Kuppelhalle verlässt. Sven winkt zum Abschied und klettert dann ins Zugcockpit, um sich alles genau anzuschauen.

Wenige Minuten später lobt Grube am Rednerpult die Entwicklung der Bahn, die mit dem ICE 3 der Baureihe 407 einen neuen Höhepunkt gefunden hat. Was er nicht sagt: Die Lieferung der hochmodernen Züge durch die Firma Siemens verzögerte sich um mehrere Jahre, in Sachsen ist ihr Einsatz derzeit nicht geplant und gerade um Dresden herum gar nicht möglich. Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (CDU) und Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) finden da deutlichere Worte. „Es wäre schön, wenn wir den ICE 3 bald regulär sehen könnten, wenn der Streckenausbau nach Dresden weiter forciert wird“, so Hilbert. Morlok überreicht Grube einen Scheck in Höhe von zehn Millionen Euro für die Vorplanungen zur Elektrifizierung der Strecke Dresden–Bautzen–Görlitz. Auch auf die wartet Sachsen schon länger.