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Leidliche Gebühren

In der Region Freital ist das Parken kostenlos. Automaten und Verwaltung sind zu teuer. Es gibt aber Ausnahmen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Weiß, Matthias Weigel, Sebastian Martin und Annett Heyse

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Diese Anschaffung erhitzt die Gemüter. Der neue Parkautomat am Waldrand von Spechtshausen passt nicht nur manchen Anwohnern nicht, sondern scheint ihnen auch zu teuer. Abzocke betiteln einige Parkplatzbesucher die neue Gebührenfalle am Tharandter Wald (SZ berichtete). Mindestens zwei Euro müssen Besucher hier für eine Stellfläche auf dem schlammigen Waldboden zahlen. Ein Tagesticket für Pkws kostet 3,50 Euro, für Busse sogar vier Euro. Einer hat wohl angesichts dessen die Nerven verloren, zertrümmerte den Automaten und setzte ihn mit Bauschaum außer Betrieb. Das bedeutet nicht nur Ärger, sondern auch zusätzliche Kosten für Tharandt, die Stadt muss den ungeliebten Automaten nun wieder reparieren – und will.

Schließlich sollen mit den Gebühren, wie überall in Tharandt, die Parkflächen unterhalten werden, einschließlich Räumen und Streuen. Dies gelte auch für die Stellflächen am Platz Pienner Straße und Am Markt in Tharandts Stadtmitte, ebenso für den Zentralparkplatz an der Hauptstraße und die Seerenteichstraße in Grillenburg, die ebenfalls kostenpflichtig sind, heißt es. Abzocke oder notwendige Einnahmequelle? Insgesamt 21 500 Euro hat die Forststadt 2014 mit den Parkgebühren eingenommen, abgesehen vom zerstörten Automaten in Spechtshausen, der erst neu hinzugekommen ist. Außerdem würden von dem Geld auch die Erholungseinrichtungen im Tharandter Wald und Ortsteilen mitfinanziert. Dafür müssten jährlich von der Stadt 10 000 Euro aufgebracht werden.

Ein Blick auf die Nachbarkommunen aber verrät, dass Tharandt bei Parkgebühren die große Ausnahme ist. Die Stadt Rabenau hat nur einen Parkscheinautomaten, nämlich auf der Stellfläche hinter dem Rathaus. „Das war eine Auflage im Förderbescheid zur Parkplatzsanierung“, erklärt Bürgermeister Thomas Paul (CDU) die Anschaffung von 2001. Die kostete rund 5 000 Euro, die jährlichen Ausgaben betragen knapp 100 Euro. Rabenau ist im Vergleich zu Tharandt aber Billigpark-Terrain. Denn die erste halbe Stunde ist kostenlos, jede weitere halbe Stunde kostet 25 Cent. Dennoch kommt dabei noch ein bisschen was rum: 2014 lagen die Einnahmen bei 1 100 Euro. Dicker macht das Rabenaus Stadtsäckel aber nicht, denn das Geld fließt größtenteils in die Parkplatzbewirtschaftung und Pflege.

Anders in der Großen Kreisstadt. Freital hat die Parkgebühren im gesamten Stadtgebiet vor knapp 15 Jahren per Stadtratsbeschluss abgeschafft. „Wir sehen das als eine Art der Wirtschaftsförderung“, sagt Stadtsprecherin Inge Nestler. Bei der sowieso angespannten Lage des Einzelhandels im Stadtgebiet seien damit Hemmschwellen für Kunden abgebaut worden. An der Dresdner Straße zum Beispiel und anderswo wurden aber tagsüber Zeitbegrenzungen eingerichtet, um Dauerparken zu verhindern. Der Verzicht auf die Gebühren hat aber noch einen ganz anderen Hintergrund: Die Wartungs- und Reparaturkosten für die Automaten sind erfahrungsgemäß sehr hoch. „Das ist effektiv sehr teuer und rentiert sich am Ende nicht“, sagt Nestler. Trotz angespannter Haushaltslage will Freital wohl vorerst auch weiterhin auf Parkgebühren verzichten, heißt es.

Verzichtet wird darauf auch in Dorfhain, Wilsdruff, Bannewitz und Kreischa, vor allem der Kosten wegen. Laut Kreischas Bürgermeister Frank Schöning (FBK) wolle man auch vermeiden, dass Fahrzeuge aus Kostengründen dauerhaft woanders abgestellt werden. Mit dem Verzicht auf Parkgebühren sollen speziell im Stadtgebiet Wilsdruff die Händler unterstützt werden. Auch hier ist die Parkzeit im Innenstadtbereich sowie am Markt Kesselsdorf auf zwei Stunden beschränkt. „Damit konnten wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen sammeln“, sagt Bürgermeister Ralf Rother (CDU). Generell seien alle 155 Parkplätze im kommunalen Gebiet, also auch am Tharandter Wald, gebührenfrei.

Auch wenn man in Bannewitz gleichfalls auf Parkgebühren verzichtet, zeigt man im Rathaus Verständnis für Parkautomaten in anderen Kommunen. Gerade Orte, die touristisch stärker frequentiert sind, seien Gebühren fürs Parken nachvollziehbar, sagt Ordnungsamtschefin Sylvia Stiller. Dem Dauerparken will man in Bannewitz dagegen weiterhin nur mit Parkzeitbegrenzungen vorbeugen.

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