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Leinen Los – Lausitzfloss!

Wie Huckleberry Finn über den Senftenberger und den Geierswalder See

Auf den Flößen, die Marcus Schmidt zum Verleih anbietet, können auch bis zu vier Personen übernachten.
Auf den Flößen, die Marcus Schmidt zum Verleih anbietet, können auch bis zu vier Personen übernachten. © Foto: Angela Donath

Von Angela Donath

Großkoschen. Na, dann mal los“, sagt Marcus Schmidt, der junge Inhaber des Unternehmens „Lausitzfloss“, und springt behände auf eines der Wasserfahrzeuge, die da im Hafencamp in Großkoschen am Steg liegen. „Marlies“, heißt das Gefährt, das ist der Name seiner Oma. Neben Marlies sind noch Mira, Alfons, Maik und Moni festgezurrt, diese Namen stehen für Töchterchen, Opa, den besten Kumpel und natürlich für seine Ehefrau.

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„So, nun Planen hoch, Sonne rein, Kisten auf, Kissen raus, Motorklappen runter, Tank ran – und ab.“ Wenn der Chef nicht selbst am Steuer wäre, würde jetzt eine kurze Einweisung folgen. Für uns gibt es die nebenbei, während der Fahrt. „Drehen Sie mal den Zündschlüssel rum“, weist Marcus Schmidt an. „So, jetzt diesen Hebel ganz langsam nach vorn“. Siehe da, das Floß fährt rückwärts aus der „Parklücke“. Jetzt Hebel nach hinten und das Steuerrad nach links, bissel mehr Speed – und ab geht´s. Hurra, ich kann ein Floß fahren! Ich fühle mich ein bisschen wie Huckleberry Finn auf dem Senftenberger See. Der liegt vor uns an einem Spätnachmittag Ende Juni. Noch ist Ruhe auf dem und um das Wasser. Das wird sich ändern, gleich beginnen die Ferien in Berlin und Brandenburg. Dann wird es lebendig. Im Hochsommer tummeln sich hier nicht nur Besucher aus Brandenburg und der Lausitz, der „Senftenberger“ gilt vor allem auch als Badewanne der Dresdner und Chemnitzer. Auch Familien aus Tschechien und Polen haben das Lausitzer Seenland und die Attraktionen auf dem Senftenberger See längst für sich entdeckt.

Aber noch ist himmlische Ruhe. Marcus Schmidt hat den Motor ein wenig gedrosselt, wir dümpeln so dahin, es ist einfach nur schön. Vorbei am Amphitheater, am FKK-Strand, an den bewaldeten Ufern. Links die Insel, vor uns in der Ferne das LMBV-Gebäude, neben uns vielerlei Wassergetier – und ach, da kommen schon Überleiter und Schleuse. Die Ampel steht auf Grün, wir könnten jetzt direkt durch den Koschener Kanal zum Geierswalder See fahren. Mit einer Länge von etwa 1.000 Metern unterquert der eine Bundesstraße und das Kanalbett der Schwarzen Elster. Im Kanal sind, auch für Floßfahrer, wichtige Verkehrszeichen, Ampeln und Texttafeln angebracht, die unbedingt zu beachten sind. Außerdem gilt es, aufgrund des Höhenunterschiedes der beiden Seen, die spannende Schleuse zu durchfahren. Sie arbeitet im automatischen Selbstbetrieb mit zeitweiser Überwachung und hat eine nutzbare Länge von 29 x 6 Metern. Die Schleusung an und für sich dauert ca. 15 Minuten, die gesamte Durchfahrt durch den Kanal dauert ca. 50 Minuten, dann wäre man am Geierswalder See, am bekannten Leuchtturm-Hotel, könnte dort anlegen, ein Eis essen und…

Allein: Wir tun das heute nicht, sondern zu Ferienbeginn mit den Enkeln; mit Mama, Papa, Oma, Opa und Cousinen. Die Kinder können dann von diesem Abenteuer berichten: Acht Leute passen auf so ein Flößchen. Gegrillt kann werden, auch Kindergeburtstage können auf dem Wasser gefeiert werden, Hochzeitsausfahrten gab es schon. Junggesellenabschiede auch, doch da muss man sich darüber im Klaren sein, dass Disziplin einzuhalten ist.

Später erzählt Marcus Schmidt, der im richtigen Arbeitsleben Industriekletterer im Tropical Island ist, wie er auf die Flößerei gestoßen ist. „Als ganz junger Mann habe ich ähnliche Flöße auf den Mecklenburger Seen gesehen, in der Nähe von Feldberg. Ich wollte immer was für das Lausitzer Seenland machen und wusste damals sofort: Das ist es.“

Anfangs wollte er noch selbst bauen, aber schnell wurde klar: Da gibt es immense Anforderungen an die Sicherheit. Die Flöße müssen schließlich TÜV-geprüft werden. Er suchte sich Partner für den Bau, das war sicherer und auch einen zuverlässigen Partner für die Ausleihe vor Ort. Den hat Schmidt mit „Expeditours“ im Hafencamp gefunden. Angefangen hat alles vor neun Jahren mit drei Flößen, jetzt sind es fünf. Seit Geschäftsbeginn haben sich die Vermietungszahlen verdreifacht, irgendwann müsste die Flotte erweitert werden.

Auf dem Rückweg, kurz vor der Einfahrt zum Hafencamp, erwartet uns noch eine „spektakuläre Rettungsaktion“. Ein Segelboot, ein Katamaran, ist gekentert, hilflos liegt er im Wind auf der Seite. Marcus Schmidt wirft dem erfahrenen Segler ein Seil zu und nimmt das Gefährt in Schlepp. So sind sie, die Wassersportler auf dem Senftenberger See. Man hilft sich, wo man kann. Das kann jedermann testen, es muss ja nicht unbedingt beim Kentern sein. Während der Tour sind Ansprechpartner telefonisch erreichbar, alle helfen, persönlichen Wünschen und Erwartungen gerecht zu werden. Man kann einen unvergesslichen Ausflug in die Natur erleben und das Lausitzer Seenland auf eindrucksvolle Art und Weise entdecken. Ahoi!

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