merken
PLUS Löbau

Das Drama um den Leineweber

Die Geschichte der gestohlenen Bronzestatue vom Neugersdorfer Friedhof ging durch die Medien. Hat das geholfen oder wird es Ersatz geben?

Da stand sie noch: Friedhofsmitarbeiter Michael Dießner zeigt die Leineweber-Figur vom Neugersdorfer Friedhof.
Da stand sie noch: Friedhofsmitarbeiter Michael Dießner zeigt die Leineweber-Figur vom Neugersdorfer Friedhof. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Es ist grauer Winter, als mehrere wertvolle Denkmale vom Neugersdorfer Friedhof verschwanden. Innerhalb weniger Wochen suchten Diebe um den Jahreswechsel herum mehrfach die Friedhofsanlage heim. Ihr Ziel: Kupferteile und Bronzestatuen von historischen Gräbern. Davon gibt es etliche auf dem Neugersdorfer Friedhof, der parkähnlich angelegt und sehr weitläufig ist. Unternehmerfamilien haben früher - in der Zeit um 1900 - prunkvolle Familiengrabstellen angelegt. 

Unter anderem verschwand eine Statue, die einen Leineweber mit seinem Stoffbündel darstellt. Bis heute ist das Diebesgut nicht wieder aufgetaucht. Dabei hatten Kirchgemeinde und Polizei viele Bemühungen angestellt und öffentlich danach gesucht. Neben der Sächsischen Zeitung berichteten verschiedene weitere Blätter, ebenso wie das MDR-Fernsehen in seiner Sendereihe "Kripo Live".  

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Die Polizei ermittelte, machte den Fall auch in Tschechien und Polen publik. In den jeweiligen Landessprachen wurden dort Hinweise zum Verbleib der Statue erbeten. Selbst vierstellige Geldbeträge wurden als Belohnung für Hinweise ausgelobt. Das alles brachte aber keine Hinweise zum Verbleib der 50 Kilogramm schweren Skulptur oder den Tatverdächtigen, teilt die Polizeidirektion Görlitz jetzt auf Nachfrage mit.

Wiederbeschaffung ist unerschwinglich

Abgesehen von der Dreistigkeit, auf einem Friedhof zu klauen, ist der Verlust des Leinewebers für die Kirchgemeinde und die Stadt besonders bitter. Ein wertvolles Denkmal ist damit verloren. "Das war ein Unikat", sagt Pfarrerin Brigitte Lammert. Die Bronzefigur wurde 1922 nach dem lebenden Vorbild eines Familienmitglieds der Textilhändlerfamilie Herzog erschaffen. Eine Vorlage gibt es nicht. Deshalb kann die Kirchgemeinde die Statue auch nicht ersetzen. "Das ist für uns unerschwinglich", so Pfarrerin Lammert. Die Polizei gab den Sachschaden damals mit rund 22.000 Euro an. Der reelle Wiederbeschaffungswert wäre aber um ein Vielfaches höher, weil ein Künstler ihn individuell anfertigen müsste. Und selbst dann wäre es natürlich nicht das Original.  

Erst vor Kurzem hat die Neugersdorfer Pfarrerin mit einer Mitarbeiterin vom Denkmalamt den Friedhof besichtigt. Dabei hat sich die Denkmalexpertin auch die Bronzefiguren auf den alten Gräbern angesehen. Und festgestellt: einige davon wurden seinerzeit in Serie produziert. Es gibt sie auch auf anderen Friedhöfen. In einem solchen Fall wäre die Wiederbeschaffung einfacher. Der Leineweber allerdings bleibt für immer verloren, sein Platz auf der Grabstelle leer. 

Weiterführende Artikel

Klickstark: Straßen stehen unter Wasser

Klickstark: Straßen stehen unter Wasser

In Bertsdorf-Hörnitz und Olbersdorf musste die Feuerwehr ausrücken. Einer der Beiträge aus Löbau-Zittau, über den wir am Freitag berichteten.

Repariert werden soll hingegen die Abdeckung einer Familiengruft, die ebenfalls gestohlen wurde. Eine Metallexpertin der Denkmalbehörde hat sich das angesehen. Schließlich muss das Grab auch denkmalgerecht wieder hergestellt werden. Pfarrerin Lammert hofft, dass wenigstens das nun bald instand gesetzt werden kann. Das ist auch aus Sicherheitsgründen nötig. Die fehlende Abdeckung birgt eine Sturzgefahr. 

Mehr Nachrichten aus Löbau und Oberland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau