merken
PLUS Leipzig

Linksextreme greifen Immobilien-Mitarbeiterin an

In Leipzig-Connewitz wehren sich Linke brutal gegen ein Neubau-Vorhaben. Eine Frau wird mit Faustschlägen in ihrer Wohnung verletzt.

Im linken Leipziger Stadtteil Connewitz werden an mehreren Stellen neue Wohnhäuser errichtet. Vermutlich Linksextreme griffen jetzt die Prokuristin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung an.
Im linken Leipziger Stadtteil Connewitz werden an mehreren Stellen neue Wohnhäuser errichtet. Vermutlich Linksextreme griffen jetzt die Prokuristin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung an. © Sven Heitkamp

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Die leitende Mitarbeiterin einer Immobilienfirma in Leipzig ist am Sonntagabend zu Hause von Linksextremisten attackiert und massiv ins Gesicht geschlagen worden. 

Die zwei vermummten Täter seien gegen 19.10 Uhr bei der 34-jährigen Prokuristin im Stadtteil Leipzig-Wahren in ihre Wohnung eingedrungen, berichtet der Sprecher des Landeskriminalamts Tom Bernhard. „Sie schlugen der Frau mehrmals mit der Faust ins Gesicht, danach flüchteten beide Täter.“ Die Frau habe Verletzungen erlitten und sei ambulant behandelt worden. 

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes Sachsen habe Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen und suche Zeugen der Tat, so Bernhard weiter. Es werde ein linksextremistisch motivierter Hintergrund der Tat angenommen.

Die Firma „Wassermühle Immobilien“ bereitet derzeit in der Wolfgang-Heinze-Straße im Szenestadtteil Connewitz den Bau von drei Wohnhäusern mit 40 Eigentumswohnungen im sogenannten „Südcarré“ vor. In Leipzig gibt es seit einigen Wochen immer wieder Krawalle, Brände und Demonstrationen gegen Neubau-Vorhaben und gegen eine Aufwertung von Stadtteilen. So wurden am Tag der Deutschen Einheit Anfang Oktober mehrere große Kräne auf der Baustelle eines Immobilien-Unternehmens angezündet.

Oberbürgermeister Burkhards Jung (SPD) kritisierte gleich nach Bekanntwerden des Überfalls die Angreifer äußerst scharf: „Die Grenze ist überschritten: die militante linke Szene schreckt auch vor Überfällen auf wehrlose Frauen nicht mehr zurück“, so Jung. Die von der linksextremen Szene verbreitete Legende, dass man nur gegen Sachen und staatliche Institutionen gewalttätig vorgehe, nicht aber gegen Personen, sei endgültig als Lüge entlarvt. „Erst brennen Barrikaden und Mülltonnen, dann werden Wehrlose angegriffen – der Weg zum politischen Mord ist nicht mehr weit, wenn der Rechtsstaat nicht mit allen Mitteln und aller Konsequenz eingreift“, so Jung. In der aktuellen Debatte um rechten Terror dürfe man den Linksextremismus und seine Menschenverachtung nicht aus dem Blick verlieren.

Kurze Zeit nach der Tat war auf der linken Plattform indymedia.org ein Schreiben mit dem Titel „Grüße aus Connewitz“ aufgetaucht. Darin heißt es: „Wir haben uns entschieden, die Verantwortliche für den Bau eines problematischen Projekts im Leipziger Süden da zu treffen wo es ihr auch wirklich weh tut: in ihrem Gesicht.“ 

Sie sei verantwortlich für das Errichten von Luxuswohnungen auf der Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz. Die Firma „erdreiste sich, eine bereits vorher durch Stadtteilbewohner genutzte Fläche zur Profitmaximierung zu nutzen“ hieß es. Connewitz sei „ein Ort des Widerstandes gegen kapitalistische Verwertung, rassistische Ausgrenzung und staatlichen Terror“. Projekte wie das „Südcarré" seien eine Bedrohung für Connewitz als politischer Raum. Jegliche Beteiligung daran sei ein Angriff auf den Stadtteil und seine Bewohner. In dem Beitrag wurden sogar der vollständige Name, die Adresse und ein Foto des Opfers veröffentlicht.

Justizminister Sebastian Gemkow (CDU), der in zwei Wochen zum Leipziger OB-Kandidaten nominiert werden soll, rief zu einem Ende der Gewalt auf. „Aus Worten des Hasses sind schon lange Taten geworden. Mittlerweile schrecken die Täter auch nicht davor zurück, Menschenleben zu gefährden.“ Die Menschenfeindlichkeit sei durch nichts zu rechtfertigen. Die Strafverfolgungsbehörden würden ihren Kampf gegen diese Form des Extremismus verstärken und alles daran setzen, dieser Entwicklung ein Ende zu bereiten. „Unsere Stadt muss sich gegen linksextremistische Gewalt wehren.“ Seine Gedanken seien bei der angegriffenen Mitarbeiterin und ihrer Familie, so Gemkow. „Ich wünsche ihr, das Erlebte schnell verarbeiten zu können und gute Besserung.“

Weiterführende Artikel

Anschläge auf Baufirmen: LKA setzt Belohnungen aus

Anschläge auf Baufirmen: LKA setzt Belohnungen aus

Nach den Anschlägen in Leipzig lobt das Landeskriminalamt nun auch hohe Geldbeträge für Hinweise auf die Täter von Bautzen und Rodewisch aus.

Sachsen richtet "Soko LinX" ein

Sachsen richtet "Soko LinX" ein

Polizei und Justiz verschärfen den Kurs gegen die linksextreme Szene. Anlass ist eine besonders menschenverachtende Tat gegen eine Frau.

Wer steckt hinter der "Kiezmiliz"?

Wer steckt hinter der "Kiezmiliz"?

Das LKA geht ersten Hinweisen zum Angriff auf die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma in Leipzig nach.

Leipzig knackt die magische 600.000

Leipzig knackt die magische 600.000

Sachsens größte Stadt hat eine wichtige Marke bei der Einwohnerzahl geknackt. Doch das Wachstum ist aber auch mit Schmerzen verbunden.

Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller äußerte sich zu dem Vorfall: „Ein Angriff auf eine Frau in der eigenen Wohnung, wegen ihrer beruflichen Tätigkeit, ist an Perfidie kaum zu überbieten." Man gehe davon aus, dass es sich bei den Tätern um Linksextremisten handle. Am kommenden Freitag soll in Dresden ein Krisengespräch zu dem Thema mit OB Jung und der Leipziger Polizeiführung stattfinden. „Wir werden in Sachsen und insbesondere in Leipzig keine rechtsfreien Räume dulden und den Rechtsstaat weiter konsequent durchsetzen“, so Wöller.

Mehr zum Thema Leipzig