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Leipziger bringt Deutschland auf EM-Kurs

Marcel Halstenberg erlöst eine verunsicherte Fußball-Nationalelf. Er ist der Dosenöffner und der Erfolg in Nordirland dennoch mühevoll.

RB-Profi Marcel Halstenberg trifft erstmals - und wie.
RB-Profi Marcel Halstenberg trifft erstmals - und wie. © dpa/Peter Morrison

Belfast. Marcel Halstenberg ging als einer der Ersten in Richtung der Fankurve. Joachim Löw herzte den Matchwinner nach dem erlösenden Abpfiff mit einem Grinsen im Gesicht. Nach Fußball-Schwerstarbeit in Belfast ist die deutsche Nationalmannschaft wieder auf Kurs zur EM 2020. Drei Tage nach dem 2:4 gegen die Niederlande erfüllte das junge Team beim 2:0 (0:0) gegen Nordirland den Drei-Punkte-Auftrag des Bundestrainers aber nur mit größter Mühe und einem prächtigen Volleytor von Halstenberg in der 48. Minute. Für die späte Entscheidung sorgte Serge Gnabry in der Nachspielzeit (90.+3).

"Ich treffe ihn überragend, und er fliegt rein. Das hat so ein bisschen die Dose geöffnet", sagte Halstenberg. Löw räumte ein, dass seine Mannschaft "nicht so gut ins Spiel gekommen" war. "Die Nordiren waren mutig und haben uns früh attackiert. Es war ein bisschen viel durcheinander." Das Team sei "in einer Phase des Lernens. Da müssen die Spieler noch ein bisschen zulegen."

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Nach dem vierten Sieg im fünften Qualifikationsspiel übernahm die deutsche Auswahl die Tabellenführung in Gruppe C von den punktgleichen Nordiren. Vor 18.326 Zuschauern im ausverkauften Windsor Park wackelte die deutsche Mannschaft mehrmals bedenklich. Manuel Neuer war als Rückhalt im Tor erstaunlich oft gefordert.

"Wir wollten eine Reaktion zeigen. Das haben wir in der ersten Halbzeit nicht so getan", sagte Marco Reus. "In der zweiten Halbzeit war es besser." Die Nordiren "haben uns hoch angegriffen. Sie sind auf die zweiten Bälle gegangen. Unser Spiel kam da nicht zustande. Das war schwierig für uns. Das haben wir in der zweiten Halbzeit besser gemacht."

Löw stellte nach der Niederlage gegen die Niederlande auf eine Viererkette um und ließ deutlich offensiver spielen. Für den am Freitag glücklosen Jonathan Tah und den verletzt fehlenden Nico Schulz kamen Julian Brandt und Halstenberg in die Mannschaft.

Nach einer von vielen Unsicherheiten und Fehlpässen geprägten ersten Halbzeit erwies sich die Umstellung im zweiten Durchgang als richtige Entscheidung. Halstenberg war nicht nur durch sein Führungstor ein Gewinn im deutschen Spiel, das nur langsam auf Touren kam. Brandt unterliefen zwar einige Fehler. Der Neu-Dortmunder hatte aber viele Ballkontakte und versuchte immer wieder, für Überraschungsmomente zu sorgen.

Die Gäste tun sich in der ersten Halbzeit schwer

Die Partie begann allerdings nicht so, wie sich das der Bundestrainer vorstellte. Die Nordiren pressten, angetrieben von ihren lautstarken Fans, aggressiv schon am deutschen Strafraum und kamen gegen ein zunächst fahrig auftretendes deutsches Team früh zu Chancen. Kapitän Neuer musste nach einem schweren Fehler von Toni Kroos in der siebenten Minute gegen Conor Washington den Rückstand verhindern.

Das fehlende Selbstvertrauen der vergangenen zwei Tage war den jungen Nationalspielern teils deutlich anzumerken. In der eigentlich breiter aufgestellten Offensive, in der neben Gnabry, Reus und Timo Werner auch noch Brandt für Gefahr sorgen sollten, leistete sich die deutsche Elf unerklärliche Fehlpässe, die einige sich bietende Gelegenheiten zunichte machten. In der Verteidigung hatte Deutschland große Mühe, die Bedingungen gegen die nach vier Siegen in vier Qualifikationsspielen mit großer Motivation und Leidenschaft kämpfenden Nordiren anzunehmen.

Brandt gab in der 22. Minute den ersten Torschuss ab. Kurz darauf wurde ein Schuss von Werner abgefälscht (27.). Craig Cathcart berührte den Ball dabei mit der Hand. Knapp zehn Minuten vor der Pause musste Löw den Ausfall von Matthias Ginter verkraften, der nach einem Zweikampf ausgewechselt wurde. Beim Verlassen des Platzes hielt sich der Mönchengladbacher die Rippen. Für ihn in die Partie kam Tah, dem gegen die Niederlande ein Eigentor unterlaufen war.

Bis zur Pause musste erneut Neuer nach einer scharfen Hereingabe von Stuart Dallas retten (45.). Auf der Gegenseite scheiterte Werner nach gutem Zuspiel von Gnabry an Nordirlands Torwart Bailey Peacock-Farrell (45.+1). In der Kabine fand Löw dann offenbar die richtigen Worte. Erst verpasste Lukas Klostermann nach Vorlage seines Leipziger Klubgefährten Halstenberg die Führung (47.), bevor es dieser eine Minute später mit einem starken Volley-Schuss zu seinem ersten Länderspieltor besser machte.

Den sich jetzt bietenden Raum nutzte die deutsche Auswahl immer wieder für schnelle Angriffe. Gnabry (52.), Werner (53.) und der für den im Abschluss glücklosen RB-Stürmer eingewechselte Kai Havertz (69. und 84.) vergaben aus aussichtsreichen Positionen. Einen Freistoß von Reus parierte der immer stärker geforderte Peacock-Farrell (56.), der sein Team mit seinen Paraden im Spiel hielt. In der Abwehr blieben aber die Probleme gegen die weiter kämpferisch überzeugenden Nordiren bestehen. Stuart Dallas vergab eine Riesenchance in der 63. Minute. Gnabry traf zu seinem neunten Länderspieltor im zehnten Spiel in der Nachspielzeit. (dpa)

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