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Meißen

Leipziger gewinnt Karikaturenpreis in Radeburg

Der Cartoonist Beck wurde mit dem Heinrich-Zille-Preis ausgezeichnet. Über 60 Künstler hatten ihre Arbeit eingereicht.

Der Preisträger Beck (re.) gemeinsam mit Peter Ufer von der Galerie Komische Meister Dresden .
Der Preisträger Beck (re.) gemeinsam mit Peter Ufer von der Galerie Komische Meister Dresden . © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Radeburg. Dass der Radeburger Ratssaal nachbestuhlt werden muss, ist nicht bei jeder Veranstaltung der Fall. Es gab aber auch einen besonderen Anlass für das enorme Interesse. Zwei Tage nach dem 162. Geburtstag des Radeburger Fotografen, Malers und Grafikers Heinrich Zille wurde der nach ihm benannte Karikaturenpreis vergeben. Empfangen durfte ihn diesmal der Leipziger Cartoonist Beck, und das tat er mit großer Freude.

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Aus über 300 eingereichten Werken ermittelte eine Jury den Sieger. Insgesamt 63 Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich an dem deutschlandweiten Wettbewerb. Dotiert ist der Preis mit 1.000 Euro. Das Preisgericht wählte mehrheitlich die Beck-Zeichnung mit dem Titel „Landversorgung“ aus.

Auf der Siegerkarikatur ist ein mobiler Verkaufsstand auf dem Land zu sehen. „Ich hab’s am Knie“, klagt eine ältere Kundin. Darauf antwortet die Verkäuferin: „Entschuldigung, das ist der Bäckerwagen. Der Arzt kommt übermorgen.“ Das Bild, so die Juryvorsitzende und Radeburger Bürgermeisterin Michaela Ritter, überzeuge mit treffender Genauigkeit. Der Humor, die handwerkliche Qualität und die satirische Kritik an medizinischer Unterversorgung auf dem Land treffe exakt das Motto des Wettbewerbes. Das Thema des Preises lautete „Der Nächste, bitte!“

„Ich freue mich sehr, den heutigen Preis entgegennehmen zu dürfen. Ich bin begeistert, gerade weil Heinrich Zille für mich eine große Rolle in meinem Leben spielt und er einer meiner Vorbilder ist. Ich erinnere mich an einen Band mit Zille-Werken, die meine Eltern zu Hause hatten. Es freut mich, dass ihnen meine Karikatur gefällt. Es ist eine wunderbare Veranstaltung. Die Atmosphäre in Radeburg gefällt mir“, teilt der Künstler Beck mit, dessen Motivation „Ich tu irgendwas Sinnloses und kann über den Sinn des Lebens nachdenken“ immer noch dieselbe zu sein scheint.

Die Siegerkarikatur von Detlef Beck.
Die Siegerkarikatur von Detlef Beck. © Beck/H.Zille-Preis

Beck studierte zunächst einmal Architektur an der Weimarer Hochschule für Architektur und Bauwesen – heute die Bauhaus-Universität in Weimar – und wechselte danach an die Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Beide Studien blieben ohne Abschluss. Er arbeitete ein Jahr lang als Werbegestalter bei Konsum-Werbung in Berlin und ist seit 1987 freiberuflich als Grafiker, Cartoonist und Illustrator tätig. Seine Cartoons erscheinen unter anderem im Magazin „Reader’s Digest“, „Gesundheit und Gesellschaft“, „Die Zeit“, Eulenspiegel, im Espresso Verlag und bei „inkognito Berlin“. Dreimal wurde der Künstler mit dem ersten Platz des Deutschen Karikaturenpreises ausgezeichnet und belegte zweimal Platz zwei beim Deutschen Cartoonpreis. Das war ihm unangenehm. Von den vielen Auszeichnungen fühlte sich Beck peinlich berührt, lieferte über einen langen Zeitraum keine Zeichnungen mehr ab. 2013 kam er zurück und ist bislang der Karikaturist mit den meisten Deutschen Karikaturenpreisen.

Ein Grund für seinen Erfolg kann in der Reinheit seiner Arbeit liegen. Beck malt nach wie vor auf Papier, er benötigt den Widerstand des Bleistiftes, muss die Niederkunft seiner Ideen fühlen. „Das geht nicht auf der Glasfläche eines Computers“, teilte Beck der Sächsischen Zeitung mit. Allerdings nutzt der 61-Jährige stündlich das Internet: „Nur so bekomme ich Reaktionen auf meine Karikaturen. Diese Rückmeldungen sind mir wichtig, weil ich so schnell mitbekomme, ob etwas gut oder schlecht ist.“ Eine ganz positive Rückmeldung für sein Werk hat Beck bereits in diesem Jahr schon bekommen. 

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