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Görlitz

Leipziger Platz bekommt ein neues Gesicht

Kommwohnen saniert drei Häuser am Stück über die Seniorenwohnrichtlinie. Einziehen dürfen aber alle Altersgruppen.

Kommwohnen-Chef Arne Myckert (links) und sein Bauingenieur Joachim Wätzig stehen vor den Wohnhäusern am Leipziger Platz.
Kommwohnen-Chef Arne Myckert (links) und sein Bauingenieur Joachim Wätzig stehen vor den Wohnhäusern am Leipziger Platz. ©  Nikolai Schmidt

Wie sich die Bilder doch ähneln: Andreas Lauer vom gleichnamigen Immobilienbüro saniert für verschiedene Eigentümer drei benachbarte Häuser in der Bahnhofstraße, der städtische Großvermieter Kommwohnen drei eigene Häuser am sogenannten Leipziger Platz. Beides liegt in der Innenstadt West und gilt nicht als bevorzugte Wohnlage. Und beide eint das Ziel: Das Viertel deutlich aufzuwerten.

Der Unterschied: Kommwohnen nutzt in den Häusern Leipziger Straße 19, 20 und 20 a die Seniorenwohnrichtlinie der SAB und kann so auf eine Förderung von maximal 510 000 Euro hoffen. „Um das Geld zu bekommen, müssen die Wohnungen die Aspekte für altersgerechtes Wohnen erfüllen“, sagt Geschäftsführer Arne Myckert. Das heißt unter anderem: Aufzug, ebenerdige Duschen und ausreichende Bewegungsradien – zum Beispiel genug Platz, um sich mit Rollator umzudrehen. 42 von 44 Wohnungen sollen diese Bedingungen erfüllen, die anderen zwei sind über den Aufzug nicht erreichbar. Für sie erhält Kommwohnen deshalb keine Fördermittel.

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Eine Zweckbindung ist in der Richtlinie nicht festgeschrieben. Anders gesagt: Jeder kann einziehen, nicht nur Senioren. Und Kommwohnen hofft auch auf eine große Vielfalt, auf echtes Mehrgenerationenwohnen. „Wir schaffen Ein-, Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen mit Größen zwischen 35 und 88 Quadratmetern“, sagt Kommwohnen-Bauingenieur Joachim Wätzig. Auch viele junge Leute würden Aufzüge sehr schätzen, sagt er. Das hatte auch Lauer kürzlich im SZ-Gespräch erklärt. Er baut ebenfalls Aufzüge ein – und hat neben vielen älteren auch junge Mieter.

So weit ist es bei Kommwohnen noch längst nicht: Die Sanierung der drei Häuser hat im Frühling gerade erst begonnen. Bis zum späten Frühling des Jahres 2021 soll alles fertig sein – alle Häuser gleichzeitig. „Abschnittsweise geht es auch gar nicht“, sagt Myckert. Hintergrund: Alle drei Häuser erhalten einen gemeinsamen Aufzug im mittleren Gebäude. Von da führt ein Mittelgang zu den Wohnungen. Dafür sind massive Grundrissänderungen nötig. Da der Gang in der Mitte liegt, haben einige Wohnungen alle Fenster an der Straßenseite, andere alle Fenster zum Hof. Nur die großen Wohnungen am Ende der Gänge sind zur Straße und zum Hof ausgerichtet. Überall wird es Fußbodenheizungen geben und fast alle Wohnungen werden einen Balkon haben, einige auch offene Küchen.

Alle drei Häuser stammen aus der Zeit um 1900, kamen aber ganz unterschiedlich zu Kommwohnen. Nur das Eckhaus Leipziger Straße 20 a gehört dem Unternehmen schon immer, die Nummer 20 hingegen kaufte Kommwohnen 2010 von privat. Die Nummer 19 kam im gleichen Jahr hinzu: das Vorderhaus von der Stadt, das inzwischen abgerissene Hinterhaus von privat. In einem sehr schlechten Zustand sind alle drei. „Das mittlere ist noch begehbar, aber bei den anderen beiden waren alle Decken durchgebrochen“, sagt Wätzig. Das Eckhaus wurde bereits mit Stahlbetondecken gesichert, die Nummer 19 erhält derzeit ebenfalls neue Stahlbetondecken.

Die Kommwohnen-Häuser Leipziger Straße 19, 20 und 20 a nehmen fast die gesamte Platzseite ein. Nur das sanierte Gebäude links außen gehört nicht dazu.
Die Kommwohnen-Häuser Leipziger Straße 19, 20 und 20 a nehmen fast die gesamte Platzseite ein. Nur das sanierte Gebäude links außen gehört nicht dazu. ©  Nikolai Schmidt

Erst wenn das geschafft ist, geht es an die Außen- und schließlich die Innensanierung. Dabei wird auch das bereits gesicherte Dach des Eckhauses noch einmal geöffnet, um Gauben einzubauen. Einen konkreten Bauablaufplan für die einzelnen Schritte gibt es noch nicht. Auch die Gestaltung des gemeinsamen großen Innenhofes ist noch völlig offen. Nachdem 2010/2011 alle Hinterhäuser abgerissen wurden, ist dort derzeit nichts als Wiese vorhanden.

Die Sanierung der drei Häuser kostet 4,2 Millionen, davon maximal 510 000 Euro von der SAB. „Aktuell schauen wir, ob weitere Fördermittel möglich sind, zum Beispiel aus der Städtebauförderung oder über die KfW“, sagt Myckert. Da das aber ungewiss sei, gehe er derzeit von 3,7 Millionen Euro Eigenmitteln aus. „Damit kämen wir am Ende auf eine schwarze Null und würden im Quartier eine neuralgische Stelle entschärfen“, sagt er. Die Mietpreise stehen noch nicht fest. Sie werden aber – wie bei Lauer in der Bahnhofstraße – um die sechs Euro pro Quadratmeter schwanken.

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