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Leipzig

CDU-Kandidat gewinnt erste Wahlrunde in Leipzig

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow schlägt den SPD-Amtsinhaber mit knapp zwei Prozentpunkten. Die Entscheidung fällt am 1. März.

Bei der Oberbürgermeister-Wahl in Leipzig hat der CDU-Kandidat Sebastian Gemkow (l.) überraschend den ersten Wahlgang gewonnen. Gemkow holte am Sonntag 31,6 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) kam lediglich auf 29,8 Prozent.
Bei der Oberbürgermeister-Wahl in Leipzig hat der CDU-Kandidat Sebastian Gemkow (l.) überraschend den ersten Wahlgang gewonnen. Gemkow holte am Sonntag 31,6 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) kam lediglich auf 29,8 Prozent. © dpa-Zentralbild

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Als Sonntagabend bald nach 18 Uhr die ersten Zahlen aus den Wahllokalen über die Großbildleinwand im Leipziger Rathaus flimmern, geht ein Raunen durch die große Wandelhalle. Der CDU-Herausforderer, Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, liegt bei der Oberbürgermeister-Wahl von Beginn an vor SPD-Amtsinhaber Burkhard Jung. 

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Das Bild wandelt sich nach Auszählung aller 477 Wahlbezirke nicht mehr: CDU-Kandidat Gemkow gewinnt überraschend den ersten Wahlgang knapp mit 31,6 Prozent. Jung, der Leipzig seit 2006 regiert, kam nur auf 29,8 Prozent. Es ist ein historischer Etappensieg in der sozialdemokratischen Hochburg, die seit 1990 von der SPD regiert wird.

Im Laufe dieser Woche müssen die Parteien nun festlegen, wie sie mit dem Ergebnis umgehen: Ob sie ihre Kandidaten noch einmal ins Rennen schicken – oder es auf einen Zweikampf Gemkow gegen Jung hinausläuft. Bis Freitag müssen alle Bewerber feststehen. Am 1. März ist der entscheidende zweite Wahltag, dann genügt die einfache Mehrheit.

Die Gremien von Grünen, Linken, AfD und FDP werden bis Donnerstag über ihr weiteres Vorgehen befinden. Dabei gilt als durchaus denkbar, dass Grüne und Linke ihre Kandidatinnen zurückziehen, um einen CDU-Oberbürgermeister zu verhindern – und Jung somit erneut zum Sieg zu verhelfen. Für die Linke war am Wahlabend Franziska Riekewald mit 13,5 Prozent Dritte geworden. Für die Grünen bekam Stadtrats-Fraktionschefin Katharina Krefft 12 Prozent. AfD-Kandidat Christoph Neumann erhielt 8,7 Prozent, FDP-Mann Marcus Viefeld nur 1,2 Prozent.

Burkhard Jung (SPD), amtierender Oberbürgermeister, spricht am Wahlabend im Neuen Rathaus zu seinen Parteifreunden. 
Burkhard Jung (SPD), amtierender Oberbürgermeister, spricht am Wahlabend im Neuen Rathaus zu seinen Parteifreunden.  © dpa-Zentralbild

Jung erklärte, er habe mit dem Kopf-an-Kopf-Duell gerechnet. Das Thema Sicherheit habe die zentrale Rolle im Wahlkampf gespielt. Tatsächlich hatten seit Silvester die Krawalle in Connewitz und andere linksextremistische Ausschreitungen den Wahlkampf beherrscht. Leipzig gilt heute als ein „Brennpunkt der autonomen Szene“. Schon am Wahlabend schlug Jung nun eine härtere Gangart gegen seinen Herausforderer an: Bei dem Zweikampf gehe es jetzt um ein modernes, weltoffenes, internationales und buntes Leipzig oder eine konservative, homogene Stadt. „Jetzt geht’s um die Wurst: Vorwärts oder Rolle rückwärts“, so Jung, der zurzeit auch Präsident des Deutschen Städtetages ist. „Ich bin sicher: Die Leipzigerinnen und Leipziger wollen einen Leuchtturm für ein weltoffenes Deutschland.“

Gemkow betonte dagegen, es gehe neben den zentralen Sicherheitsfragen in der wachsenden Stadt auch um bezahlbares Wohnen und die Zukunft der Mobilität. „Das Rennen ist offen“. Er gehe demütig in den zweiten Wahlgang und wolle noch mehr Leipzigerinnen und Leipziger von seinen Ideen überzeugen. Einige führende Christdemokraten meinen, dass in der Bevölkerung eine Wechselstimmung herrsche. In der AfD wurde zudem kolportiert, dass sich viele ihrer Anhänger dieses Mal taktisch für Gemkow entschieden hätten.

Sebastian Gemkow (CDU,M), Wissenschaftsminister von Sachsen und Kandidat der CDU für die Oberbürgermeisterwahl.
Sebastian Gemkow (CDU,M), Wissenschaftsminister von Sachsen und Kandidat der CDU für die Oberbürgermeisterwahl. © dpa-Zentralbild

Jung hatte beim ersten Wahlgang 2013 noch 40,2 Prozent Zustimmung bekommen ¬– ein Absturz gegenüber diesem Jahr um gut zehn Prozentpunkte. Seine Kritiker machen dafür gleich mehrere Punkte verantwortlich: Jung habe sich in der Sicherheitsdebatte um den zunehmend gewaltbereiten Linksextremismus um klare Antworten herumgedrückt. Sein Argument: Die Polizei liegt in der Verantwortung des Freistaates. Auch seine zwischenzeitliche Absicht, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes in Berlin zu werden, habe ihn viel Vertrauen gekostet. Zudem ist Jung mit 61 Jahren rund 20 Jahre älter als die meisten Gegenkandidaten. Die Verwaltung im Rathaus sei mittlerweile verkrustet und selbstherrlich geworden, monieren unter anderem CDU- und FDP-Anhänger.

Auch für die Grünen blieb das Zwölf-Prozent-Ergebnis ihrer Kandidatin Katharina Krefft hinter Wahlerfolgen im vorigen Jahr zurück. Die Parteispitze machte dafür eine angebliche mediale Zuspitzung auf die beiden Kandidaten von CDU und SPD verantwortlich. „Es gilt, die Lücke zwischen Partei- und Personenwahlergebnissen zu schließen“, sagte Landesvorstandssprecher Norman Volger.

Bei den taktischen Personalentscheidungen dieser Woche dürfte auch eine ganz andere Frage wichtig werden: Im Laufe dieses Jahres sind vier Bürgermeisterposten wieder zu besetzen, darunter für Bau, für Schule und Soziales, für Ordnung und Umwelt sowie für Wirtschaft und Arbeit. Manche bisherige Oberbürgermeister-Kandidaten könnten dabei eine Rolle spielen.

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Insgesamt waren gut 470.000 Leipzigerinnen und Leipziger zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag mit 49,1 Prozent höher als bei der Wahl 2013. In den äußeren und ländlicheren Stadtbezirken stimmten die Wähler mehrheitlich für CDU-Mann Gemkow. Jung war eher in innenstädtischen Bereichen stärker.

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