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Leise surrt der Trabi – mit Akkus unter der Haube

Pirnaer Ingenieure entwickelten nach der Wende einen elektrisch angetriebenen Trabant.Er fährt nun fast 15 Jahre.

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Von Christian Eißner

Kein Motorknattern, keine blaue Abgaswolke, kein Auspuff. Und trotzdem fährt dieser metallic-blaue Trabi leise surrend – elektrisch. Besitzer Alf Reinhard ist staunende Blicke gewöhnt, bewegt er doch einen ganz besonderen 601er durch Dresden und Umgebung.

Weil die Geschichte des Elektro-Trabants vor 15 Jahren in Pirna begann und weil er jetzt mit der neuesten Batterietechnik ausgerüstet wurde, trafen sich seine Fans dieser Tage auf dem Gelände der Fahrzeugelektrik – um zu fachsimpeln und sich zu erinnern. Denn konstruiert und gebaut wurde das Auto ab 1994 auf Initiative der Pirnaer Ortsgruppe des Verbandes der Ingenieure (VDI). Bis heute ist es 138000 Kilometer elektrisch gefahren.

„Unser Ziel war es damals, der darnieder liegenden Pirnaer Fahrzeugindustrie mit der Entwicklung alternativer Antriebskonzepte neue Chancen zu eröffnen“, erzählt Günter Krauße, ehemaliger Vorsitzender der VDI-Bezirksgruppe. „Dieser Trabant hat 2002 als erstes Elektrofahrzeug überhaupt den Erzgebirgskamm überquert.“

Einer von dreien überlebte

Die Pirnaer Konstruktion genoss in Fachkreisen höchste Aufmerksamkeit, vor allem wegen der Langzeit-Erfahrungen, die die Ingenieure sammeln konnten. Der VDI hatte eigens den „Solar- und Hybridmobilverein Pirna“ gegründet und Pläne für insgesamt drei Fahrzeuge entwickelt – darunter auch ein Hybrid-Auto, das aufgrund der hohen Kosten aber nicht fertig gestellt werden konnte.

Es habe einfach der letzte Kick gefehlt, bedauert Krauße. Für die VDI-Initiative, die insgesamt rund 300000 Mark kostete, gab es zwar eine Förderung und Hilfe durch ABM-Kräfte, aber der Zuschuss versiegte irgendwann. „Man war der Meinung, die Privatwirtschaft könne Elektroautos besser entwickeln als unser Verein.“ Der löste sich schließlich auf. „Jammerschade“ findet das der Ingenieur, zumal heute jeder von alternativen Antriebskonzepten redet. Pirna war diesbezüglich schon mal weit vorn.

Von den drei Versuchsfahrzeugen hat nur der Trabant mit dem Kennzeichen DD-EL673 überlebt. Inzwischen gehört er dem Dresdner Alf Reinhard, der ihn liebevoll pflegt, ungefähr 10000 Kilometer pro Jahr damit fährt – und die alten Blei-Säure-Akkus gerade durch modernste Lithium-Eisenphosphat-Batterien ersetzt hat. Die wiegen nur ein Fünftel der bisherigen Batterien und haben eine deutlich längere Lebensdauer. Der metallic-blaue Elektrotrabi wird dem Straßenbild also noch eine Weile erhalten bleiben.