merken

Leiser für die Nachbarn

Der Studentenclub Maus muss nach Beschwerden bis März ruhig sein. Jetzt gibt es Ideen, wie das funktionieren kann.

Von Ingo Kramer

Anzeige
Das haben die Filmnächte zu bieten

Deutschlands größtes Freilicht-Kino ist zurück! In der 29. Saison finden vor der schönen Kulisse Dresdens zahlreiche Veranstaltungen für Jung und Alt statt. 

Eine Kopfhörer-Party gab es in Görlitz wohl noch nie. Doch was in Großstädten längst läuft, könnte nun auch nach Görlitz schwappen. Dabei legen DJs ihre Platten auf wie bei jeder gewöhnlichen Party, aber im Raum ist es trotzdem still. Das Publikum bekommt die Musik auf Kopfhörern eingespielt – und tanzt dann ausgelassen mit den Geräten auf den Ohren.

„Wir überlegen ernsthaft, ob wir so etwas nächsten Sonnabend veranstalten“, sagt Stefan Steingräber vom Studentenclub Maus. Vorher muss aber noch geprüft werden, ob es technisch und finanziell überhaupt auf die Schnelle möglich ist. Der Hintergrund: Nach Beschwerden von zwei Bewohnern im Vogtshof-Wohnheim darf der Studentenclub bis Ende März keine lauten Veranstaltungen organisieren. So musste vorige Woche auch der traditionelle Semester-Abtakt ausfallen. Er könnte nun als Kopfhörer-Party nachgeholt werden.

Thomas Neumann würde das unterstützen. Er ist Geschäftsbereichsleiter Zittau/Görlitz beim Studentenwerk Dresden und hatte das Lärm-Verbot bis März ausgesprochen. „Wir arbeiten gerne mit der Maus zusammen und wollen sie unbedingt als Mieter behalten“, sagt er. Allerdings habe es zwischen Oktober und Dezember wiederholt Beschwerden wegen Ruhestörung gegeben. „Da haben wir die Notbremse gezogen“, sagt Neumann.

Er bestätigt, dass die Beschwerden nur von zwei Bewohnern kamen. Der eine habe mehrfach die Polizei gerufen, die andere nur ein einziges Mal. Das habe das Fass dann aber zum Überlaufen gebracht.

Der regelmäßige Anrufer heißt Alexander Kliche, studiert Informatik im ersten Semester und wohnt seit Oktober schräg über der Maus. „Anfangs hat es mich sehr gestört und teilweise die gesamte Nacht wachgehalten“, sagt der 25-Jährige. So habe er sowohl mit den Betreibern der Maus geredet als auch die Polizei gerufen. Beides habe aber überhaupt nichts gebracht. „Da fühlt man sich völlig hilflos und weiß nicht, was man noch machen soll“, sagt er. Inzwischen habe sich die Situation aber beruhigt. Dafür gebe es drei Gründe: Absprachen mit der Maus, Gewöhnung und Ohropax. „Die Partys in den anderen WGs stören mich inzwischen viel mehr, die gehen teilweise bis früh um fünf“, sagt er. Auch deshalb habe er schon die Polizei gerufen. Ausziehen will er aber nicht. Die andere Anruferin, die sich nur einmal beschwert hat, zieht hingegen zum 31. Januar aus. Das bestätigt auch Thomas Neumann.

Die Studenten haben sich am Montagabend zur Ideensammlung getroffen, wie es weitergehen soll. Die Kopfhörer-Party war dabei nur ein Schlagwort. Auch Improtheater, Poetry Slams, Liedermacher-Konzerte, Quizabende und politische Diskussionen sind denkbar. Entschieden ist aber noch nichts. Und noch eine ganz andere Idee kam bei der Diskussion auf: Das Studentenwerk könnte alle Bewerber für einen Wohnheim-Platz vorab ankreuzen lassen, warum sie ins Wohnheim wollen. Wer sein Kreuz bei „Weil ich hoffe, dass dort etwas los ist“ setzt, bekommt ein Zimmer in Maus-Nähe, wer in Ruhe lernen will, im anderen Gebäudeflügel. Thomas Neumann kann sich spontan vorstellen, eine solche Frage tatsächlich vorab zu stellen. Ob die entsprechende Zuordnung zu den Zimmern dann immer gelingt, kann er aber nicht versprechen. Es gibt schließlich noch andere Kriterien. Kleine WGs zum Beispiel existieren nur da, wo auch die Maus ist.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.