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Leisnig ersetzt Rettungsgerät der Feuerwehr

Um Leben zu retten und das der eigenen Helfer zu schützen, geben die Stadträte jetzt Geld aus. Mehrere Feuerwehrleute sagten zuvor, wie nötig das ist.

Pascal Freyer und der stellvertretende Leisniger Wehrleiter Steve Rockstroh (rechts) haben an die Stadträte appelliert, Geld für die Erneuerung von Atemschutztechnik und hydraulischem Rettungsgerät zur Verfügung zu stellen.
Pascal Freyer und der stellvertretende Leisniger Wehrleiter Steve Rockstroh (rechts) haben an die Stadträte appelliert, Geld für die Erneuerung von Atemschutztechnik und hydraulischem Rettungsgerät zur Verfügung zu stellen. © Dietmar Thomas

Leisnig. Das kommt selten vor. Aber zu Beginn der zurückliegenden Stadtratssitzung haben mehrere Feuerwehrleute eine „brennende“ Rede gehalten. Die Wirkung ist nicht ausgeblieben.

Auf der Tagesordnung der Stadträte stand die Beschaffung von Atemschutzgeräten sowie von hydraulischem Rettungsgerät. Nichts davon wird aber zusätzlich angeschafft, sondern das Vorhandene soll ersetzt werden – weil es dafür mehr als Zeit ist, wie der zweite stellvertretende Wehrleiter Steve Rockstroh sowie Feuerwehrkamerad Pascal Freyer veranschaulichten.

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Rockstroh zufolge ist die Atemschutztechnik veraltet. „Doch diese Hilfsmittel sind für uns wichtig. Da hängt unser Leben dran“, sagte der Minkwitzer. Um das Leben anderer ist es bei einem Verkehrsunfall gegangen. Nach dem sei es Pascal Freyer beispielsweise nicht möglich gewesen, einen Verletzten aus dem verunfallten Auto zu befreien. „In der Autoindustrie werden mittlerweile hochfeste Stähle verwendet. Die zu zertrennen, das schafft unsere alte Technik nicht mehr“, schilderte er.

Freyer wollte außerdem wissen, wie es nach der Ersatzbeschaffung von Ausrüstungsgegenständen mit der von Fahrzeugtechnik weitergeht. „Unser neuestes Fahrzeug ist Baujahr 2003, also jetzt 17 Jahre alt. Wer von uns selbst fährt noch so ein altes Auto?“, fragte er in die Runde.

 Nicht nur, dass die Ersatzteilbeschaffung schwer sei. Für den Einsatzleitwagen sei letztens erst eine Kupplung aus Litauen besorgt worden. Es gehe ebenso um die Zuverlässigkeit. „Deshalb sollte es auch einen Plan geben, wie die Technik ohne hohe Förderungsquoten ausgetauscht werden kann.“

Grundsätzlich gebe es einen Plan, sagte Bürgermeister Tobias Goth (CDU). Der sehe vor, jedes Jahr ein Fahrzeug zu ersetzen. Insgesamt fünf seien soweit abgenutzt, dass ein Tausch in naher Zukunft notwendig ist. „Allerdings müssen wir sehen, wie das zu finanzieren ist“, räumte der Bürgermeister ein.

CDU-Fraktionschef Rüdiger Schulze versicherte, dass den Räten der Ernst der Lage bewusst ist. Gegebenenfalls müsse sich auch Leisnig an Sammelbestellungen beteiligen, wie das gegenwärtig Roßwein mit einem neuen Löschfahrzeug für die Ortswehr Gleisberg praktiziert.

Abstriche durch Corona denkbar

Hans-Hermann Schleußner, Chef der Fraktionsgemeinschaft von Freie Wähler und SPD im Leisniger Stadtrat, kennt selbstredend die Prioritätenliste. „Trotzdem warne ich davor, uns Stadträte jetzt darauf festzunageln, jedes Jahr ein Auto kaufen zu müssen. Der Wille dazu ist da“, so Schleußner.

 „Allerdings wissen wir im Moment noch gar nicht, welche finanziellen Ausfälle durch Corona auf uns zukommen“, sagte er. Die Feuerwehr müsse auch damit rechnen, dass der anspruchsvolle Beschaffungsplan nicht so umsetzbar ist. „So realistisch müsst ihr sein“, so Schleußner zu den ehrenamtlichen Helfern.

Elgine Tur de la Cruz (Die Linke) teile Schleußners Bedenken – vor allem vor dem Hintergrund, dass Bund, Land und Landkreis „keine vernünftigen Förderungen“ in Aussicht stellen. Danach sieht es zum Beispiel für den Ersatzkauf des Rüstwagens aus. Zwar gebe es eine Förderung für das Fahrzeug an sich. 

Allerdings müsste die Kommune die komplette Ausstattung selbst finanzieren. „Wir retten auf fast fünf Kilometern Autobahn und allen anderen Straßen in und um Leisnig“, so Uwe Dietrich, der im Ordnungsamt für den Bereich Löschwesen zuständig ist. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, bedürfe es einer zeitgemäßen Ausstattung. Das haben die Leisniger Räte in einer Art offenem Brief an die Staatsregierung geschrieben.

Für die nächsten Jahre sieht Dietrich die Ersatzbeschaffungen weniger als Kraftakt an. Schwierig werde es wahrscheinlich dann wieder, wenn es um eine Drehleiter geht. „Da reden wir über eine dreiviertel Million Euro. Die allein aufzubringen, das wird der Stadt nicht möglich sein“, prognostizierte er. Gleichwohl versicherte der Leiter des Bau- und Ordnungsamtes Thomas Schröder, dass bei der Mittelanmeldung für den nächsten Haushalt in seinem Amt die Feuerwehrtechnik Priorität hat.

Mit Zustimmung der Stadträte kann jetzt erst einmal neue Atemschutztechnik bestellt werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 42.000 Euro. Erwartet hat die Kommune eine Förderung von 75 Prozent, bekommen wird sie nicht mal die Hälfte, nämlich nur knapp 33 Prozent. Das heißt, der zunächst geplante Eigenanteil verdreifacht sich fast auf rund 28.000 Euro.

Nicht anders sieht es beim hydraulischen Rettungsgerät aus, das etwa 31.000 Euro kostet. Hier sinkt die Förderung von 75 auf 40 Prozent. Deshalb muss die Kommune auch dafür dreimal so viel dazugeben, wie geplant, nämlich 23.100 Euro. Rüdiger Schulze rät der Verwaltung, die Technik erst nach dem 1. Juli zu bestellen. Durch die Mehrwehrsteuersenkung ließen sich dann ein paar Tausend Euro sparen.

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