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Leisnig feilt an Konzept für den Einzelhandel

An der Jahnstraße soll wieder ein Lebensmittelmarkt angesiedelt werden. Der Bürgermeister ist jedoch skeptisch.

Das Einzelhandelskonzept sieht vor, im derzeit leerstehenden Geschäft an der Jahnstraße wieder einen Lebensmittelhändler zu etablieren.
Das Einzelhandelskonzept sieht vor, im derzeit leerstehenden Geschäft an der Jahnstraße wieder einen Lebensmittelhändler zu etablieren. © Dietmar Thomas

Leisnig. Schon im vergangenen Jahr hatten die Leisniger Stadträte den Entwurf eines Einzelhandelskonzeptes für ihre Stadt gebilligt. Nachdem Bürger sowie Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange Anregungen und Stellungnahmen abgegeben haben, wurde nun ein neuer Entwurf vorgelegt. Der sieht Chancen für einen Lebensmittelmarkt an der Jahnstraße und stuft die Bedeutung der Geschäfte an der Colditzer Straße geringer ein als bisher.

Als zentraler Versorgungsbereich wird das Stadtzentrum definiert. Dieses zieht sich von der Kirchstraße über den Markt bis zur Kreuzung Chemnitzer Straße/Colditzer Straße. Sachsenweit sei die Auflösung familiär geführter Geschäfte zu beobachten, sagte Architekt Jan-Marco Grönert, der das Konzept vorstellte. Trotz der Werbung sei es schwer, leerstehende Geschäfte wiederzubeleben. Zum einen liege das an der Tendenz, größere Betriebseinheiten zu bilden und am Onlinehandel. Zum anderen daran, dass die Besitzer kaum noch Nachfolger finden.

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Aus Sicht der Planer spielt das Stadtzentrum mit 34 Einzelhandelsbetrieben und 2 135 Quadratmetern Verkaufsfläche eine untergeordnete Rolle. Dennoch sei es eine schutzwürdige Einkaufslage. Nach Möglichkeit soll die Neuansiedlung großflächiger Betriebe mit Flächen über 800 Quadratmetern auf diesen Bereich gelenkt werden. Allerdings biete die Marktlage einen sehr geringen Spielraum. Das Entwicklungspotenzial für die Altstadt sei vielmehr in der Kleinteiligkeit hinsichtlich Tourismus, Gastronomie und Wohnen zu suchen.

Den Standort Jahnstraße bezeichnet Grönert als Nahversorgungszentrum, das aber im Moment nicht als vollwertig angesehen werden kann. Derzeit gibt es dort eine Apotheke, ein Sanitätshaus, ein Schuhgeschäft sowie einen Sonderpostenmarkt. Ein Lebensmittelmarkt fehlt dagegen. In dem Konzept wird deshalb vorgeschlagen, wieder einen solchen anzusiedeln. Doch bei diesem Vorhaben ist Bürgermeister Tobias Goth (CDU) skeptisch. „Es ist fraglich, ob das funktioniert, zumal die Kaufhalle am Sachsenplatz ihr Angebot erweitert hat“, so Goth. Die Stadt wolle, dass sich wieder ein Einzelhändler am Standort Jahnstraße ansiedelt. „Der müsste sich aber mit dem zufriedengeben, was das Umfeld hergibt“, sagte der Bürgermeister.

Die Colditzer Straße, wo sich unter anderem ein Netto-Markt befindet, war bisher als Nahversorgungszentrum betrachtet worden, wird aber jetzt nur noch als Nahversorgungsstandort eingestuft. Das Gebiet habe Relevanz für die wohngebietsnahe Versorgung. Das Angebotsspektrum sei jedoch begrenzt und das Einzugsgebiet zu klein, heißt es in der Analyse. „Dennoch sollten diese Einkaufsmöglichkeiten erhalten bleiben.“

Eine besondere Rolle spielt der „Sonderstandort Grundversorgung“ an der Wilhelm-Ostwald-Straße. Dort hat sich ein Rewe-Markt angesiedelt, in naher Zukunft baut Aldi dort einen neuen Markt. Mit Rewe, Aldi und einem Drogeriemarkt, der dort ebenfalls entstehen könnte, würde dann ein großflächiges Einkaufszentrum am Stadtrand entstehen. „Es ist der einzige Standort in Leisnig, an dem die Einzelhandelsentwicklung im Bezug auf zeitgemäße und moderne Verkaufsflächen möglich ist“, heißt es im Konzept. Das Areal sei gut erreichbar und werde auch durch öffentliche Verkehrsmittel angefahren.