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Leisnig und die neue Sicht auf General Olbricht

Am Wochenende jährt sich das Hitler-Attentat zum 70. Mal. Zur Gedenkveranstaltung kommen prominente Gäste.

Von Christian Dittmar

Lange Zeit war Friedrich Olbricht ein Unbekannter in Leisnig. Der Wehrmachtsgeneral war am Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war und wurde dafür einen Tag später hingerichtet. Doch obwohl er in der Muldestadt geboren wurde, hier die ersten fünf Lebensjahre verbrachte und danach immer mal wiederkehrte, wurde dem Widerstandskämpfer in Leisnig kaum gedacht. 1989 wurde eine Tafel an seinem Geburtshaus in der Friedrich-Naumann-Straße angebracht, zwei Jahre später der Karl-Marx-Platz in Olbrichtplatz umbenannt. So richtig ins Rollen kam das Gedenken aber erst zum 60. Jahrestag des Attentats im Jahre 2004. Olbrichts Neffe Heinz Koeppel hatte eine Ausstellung erarbeitet, die umfassend über seinen berühmten Onkel informierte. Nun, weitere zehn Jahre später, jährt sich das Attentat zum 70. Mal und diesmal soll in angemessener Weise an den Leisniger Sohn Friedrich Olbricht erinnert werden.

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Bereits zu Beginn der Woche trugen die Schüler der Peter-Apian-Oberschule während eines Projekttages Daten zu Olbricht zusammen. Sie befragten dabei die Einwohner Leisnigs zu ihren Kenntnissen über den General, untersuchten die mediale Verarbeitung des Attentats und recherchierten zu den unterschiedlichen Sichtweisen auf die Verschwörer. Dabei entdeckten sie, dass sich die Bewertung des Putschversuchs über die Jahre stark verändert hat – auch in Leisnig selbst.

So kommt es, dass an diesem Wochenende, wichtige Personen in die Muldestadt reisen, um an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Der bekannte Militärhistoriker Romedio Graf von Thun-Hohenstein etwa wird morgen in der Aula der Oberschule die Feierlichkeiten mit einem Vortrag über Olbricht eröffnen. Danach wird eine neue Ausstellung über den General und das Attentat vom 20. Juli 1944 eröffnet.

Am Sonntag folgt die traditionelle Kranzniederlegung am Olbrichtschen Geburtshaus, die vom Blechbläserquintett der Bundeswehr begleitet wird. Grußworte sprechen Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) aus sowie Generalmajor Walter Spindler, der sonst in der Olbrichtkaserne in Leipzig junge Rekruten ausbildet. Auch Heinz Koeppel wird seinen Onkel abermals ehren, dazu äußert der Erfurter Pastoralreferent Franz Eisend von der katholischen Militärseelsorge nachdenkliche Worte.

Auch Lehrer an der Oberschule

Der Leisniger Geschichts- und Heimatverein (LGHV), der sich seit Jahren um die Suche nach den Spuren Friedrich Olbrichts in seiner Heimatstadt bemüht, ist ebenfalls zugegen und wird dem Attentäter eine Rotbuche widmen. „Auch wenn Olbricht eine nicht vielschichtige Person der Geschichte ist, so ist doch seine Bedeutung für Leisnig unumstritten“, sagt Siegfried Bretsch. Der Vorsitzende des LGHV hat erst vor Kurzem herausgefunden, dass Olbricht auch an der Leisniger Schule als Lehrer tätig war. Für den 70. Jahrestag hat sein Verein in Zusammenarbeit mit Heinz Koeppel drei neue Gedenktafeln angefertigt, auf denen der aktuelle Stand der Forschung dargestellt wird.

„Uns fehlt aber immer noch viel Material“, sagt Bretsch. Seine Mitstreiter sind derzeit noch auf der Suche nach Räumlichkeiten, in denen die Tafeln nach dem Ende der Feierlichkeiten dauerhaft ausgestellt werden können. Bürgermeister Goth könnte sich durchaus vorstellen, dass diese im Leisniger Rathaus angebracht werden. „Auch wir als Stadtverwaltung wollen das Gedenken an Olbricht weiter befördern“, sagt Goth.

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Doch von den Leisnigern selbst sind nicht nur positive Töne zu dem Thema zu hören. Einige verstehen nicht, warum an einen General der Wehrmacht überhaupt erinnert wird. „Es sind so viele Widerstandskämpfer vor Olbricht im Stillen gestorben“, sagte eine Bürgerin in der Umfrage der Oberschüler. „Da muss man nicht eines Soldaten gedenken.“