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Leistungslohn in Rathäusern

Prämien. Mitarbeiter in der Verwaltung sollen ab 2007 Zulagen erhalten. Das Problem dabei: Wie ist gute Arbeit zu messen?

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Von G. Naß, H.Koch, H. Engel

In vielen Branchen werden Beschäftigte bereits nach Leistung bezahlt, in Behörden soll dies im nächsten Jahr eingeführt werden. Für die Verwaltungen im Landkreis keine leichte Aufgabe.

Die Bautzener Stadtverwaltung diskutiere in Personalversammlungen über den Leistungslohn, so Pressesprecherin Elke Lorenz. Bislang ohne Ergebnis. „Der Klärungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.“ Ziel sei, mit dem Personalrat eine Vereinbarung für die 390 städtischen Angestellten abzuschließen. Weiter sind die Verwaltungskollegen in Schirgiswalde. Bürgermeister Patric Jung will im ersten Halbjahr 2007 erstmals bei 90 Prozent der 60 Mitarbeiter einen Teil des Gehalts mit Leistungszulage auszahlen. Für sie gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Jungs Problem beim Leistungslohn: „Wir müssen Kriterien finden, und das ist schwierig.“ Denn diese müssten so objektiv wie möglich sein, um Unfrieden zu vermeiden. Zusammen mit dem Personalrat soll dies gelingen. Maßstäbe könnten beispielsweise der Umgang mit städtischem Geld oder die Bürgerfreundlichkeit sein, so Jung. – Gisela Kalauch, Leiterin des Sachgebietes Personal im Rathaus Bischofswerda, ist sicher: „Wenn das Zulagensystem gut gemacht wird, kann es motivieren.“ Um Beurteilungskriterien zu erarbeiten, werde noch dieses Jahr eine Kommission aus Belegschafts-Vertretern und Rathaus-Spitze gebildet. Amtsleiter sind für Mitarbeitergespräche bereits geschult. „Wie und wann die leistungsabhängigen Zulagen ausgezahlt werden, ist allerdings noch offen“, sagte Gisela Kalauch.

Forscher: „Hoher Aufwand“

Von einem „Riesenproblem für die Kommunen“ spricht Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße. Er halte die Idee für sinnvoll, doch sei das in kleineren Verwaltungen kaum umsetzbar. „Wer will das objektiv entscheiden und beurteilen“, fragt er und verweist auf vergleichbare Kommunen, wo das eine Prozent voraussichtlich pauschal an alle gezahlt werde. – Professor Andreas Knorr von der Deutschen Hochschule für Verwaltung in Speyer sieht Leistungszulagen hingegen kritisch. „Es ist generell sehr schwer, Leistung zu messen.“ Der Wissenschaftler warnt vor hohem bürokratischen Aufwand.

Verwaltungen hätten kaum Erfahrung mit der Leistungsbewertung, deshalb seien Schulungen nötig. Sie schaffe zudem jede Menge Probleme zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, ist Knorr überzeugt. Am Ende bleibe weniger Zeit für Bürgeranliegen, und die Kosten eines Zulagensystems könnten höher als der Nutzen sein. Das Disziplinarrecht biete schon jetzt Möglichkeiten, gegen Leistungsschwäche vorzugehen, Knorr: „Der Vorgesetzte muss nur wollen.“