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Leitwolf noch ohne Rudel

Je erfolgreicher die Lausitzer Füchse spielen, desto schneller leert sich der Fuchsbau. Warum?

© Thomas Heide

Von Berthold Neumann

Ein Luxusproblem kenne er nicht, sagte Dirk Rohrbach. Der Trainer der Lausitzer Füchse weiß, wovon er spricht. „In Weißwasser gab es so etwas noch nicht. Wir sind immer darauf angewiesen, dass die Spieler zu uns passen und können uns keine kostspieligen Alternativen leisten“, charakterisierte Rohrbach die Befindlichkeiten des am weitesten östlich gelegenen Standortes der Deutschen Eishockey-Liga 2.

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Zum Beispiel, wie entstandene Lücken von Stammspielern wieder geschlossen werden können. Denn das vermeintliche Luxusproblem, wie in der kommenden Saison zwei herausragende Torhüter bei Laune gehalten werden können, klärte sich auf branchentypische Art und Weise: von selbst. Dustin Strahlmeier, der junge Senkrechtstarter in der zurückliegenden Saison, hat Weißwasser verlassen. Vor ihm meldete sich bereits Christoffer Kjaergaard ab. Ausgerechnet ihren Torjäger verloren die Lausitzer. Ihn zog es wieder in die dänische Heimat. „Aus familiären Gründen“, wie Kjaergaard betonte.

Auch auf Außenstürmer Mike Mieszkowski werden die Fans künftig verzichten müssen. Das große Talent der Füchse folgte dem Lockruf der Krefeld Pinguins in die oberste Spielklasse DEL. Damit verloren die Füchse wieder wichtige Leistungsträger – wie in allen Jahren zuvor. Erinnert sei nur an die Verluste von Top-Scorer Matt McKnight im Vorjahr oder von Marcus Sommerfeld, einem der offensivstärksten Verteidiger der Liga, eine Saison zuvor. Beide wechselten zum Zweitliga-Meister SC Bietigheim.

„Es hat keinen Zweck, darüber zu lamentieren. In Weißwasser müssen wir damit leben“, erklärte Sportdirektor Ralf Hantschke. „Wir können mit unserem begrenzten Budget Angebote von finanziell besser gestellten Konkurrenten nicht toppen“, fügte der frühere Klassestürmer von DDR-Rekordmeister Dynamo Weißwasser hinzu und glaubt: „Das wird immer so sein.“ Da löste wenigstens Scott Kings Bekenntnis zu den Füchsen Freude aus. „Darauf sind wir richtig stolz“, freute sich Hantschke. Mit 61 Scorerpunkten war der Kanadier nicht nur Topscorer, sondern auch bester Stürmer der Lausitzer in der zurückliegenden Saison. „Es ist auch eine Auszeichnung für den Eishockey-Standort Weißwasser, dass ein Spieler mit seiner Qualität bei den Füchsen verlängert“, meinte der Sportchef. Dass die Lausitzer in den zurückliegenden fünf Jahren viermal die Play-offs erreichten und dort zuletzt zweimal am späteren Meister scheiterten, zeugt von fachkundiger und zugleich leidenschaftlicher Arbeit in der 18 000 Einwohner zählenden Stadt.

Doch King, der Leitwolf, hat derzeit kein Rudel. Neben ihm stehen nur sieben Spieler bei den Füchsen unter Vertrag. Für Hantschke jedoch kein Grund, jetzt unruhig zu werden. „Wir beginnen mit der detaillierten Vorbereitung auf die neue Saison“, sagte er. Dass er nach Kings Verlängerung Stürmer Kevin Lavallee vom Ligarivalen Bad Nauheim wieder in die Lausitz zurückholte, gehört zu den Erfolgen. Doch es gibt auch die Kehrseite. „Ja, wir haben uns auch schon einige Absagen eingehandelt“, räumte er ein. Nicht nur wegen des engen finanziellen Limits. „Eine attraktive sportliche Perspektive, sich bis ins Play-off-Finale zu spielen und dort für die DEL zu präsentieren, können wir unseren Spielern nicht bieten“, meinte Hantschke.

Und Strahlmeier? Mit einer deutschlandweit beachteten Leistungsexplosion hatte der erst 20-Jährige den über drei Monate erkrankten Stammtorhüter Jonathan Boutin nicht nur ausgezeichnet vertreten. Er brachte auch Trainer Rohrbach ins Grübeln, als nach Boutins Genesung plötzlich zwei exzellente Torhüter ins Füchse-Gehäuse drängten. „Ich schätze die gute Atmosphäre in Weißwasser sehr. Aber ich möchte gern weiterspielen und damit auch Geld verdienen“, hatte Strahlmeier unmittelbar nach Meisterschaftsende erklärt. Und so holte Straubing das vielversprechende Talent in die DEL.

Nun suchen die Füchse auch wieder einen Ersatztorwart. Also wieder die typischen Probleme beim Neuaufbau. Trainer Rohrbach, der in der vorigen Woche am Knie operiert wurde, hat auf dem Krankenbett bereits die ersten Varianten durchgespielt. Ihm bleibt nichts anderes übrig.