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Großenhain

Herausforderung für die Kirche liegt im Abstand 

Coronavirus verändert alles: Selbst in Kriegszeiten habe man sich Halt im gemeinsamen Gebet gegeben.

Pfarrer Sebastian Zehme macht keinen Hehl daraus, dass er momentan noch nicht weiß, wie sich das Wie des Miteinanders in den kommenden Wochen gestalten wird.
Pfarrer Sebastian Zehme macht keinen Hehl daraus, dass er momentan noch nicht weiß, wie sich das Wie des Miteinanders in den kommenden Wochen gestalten wird. ©  Kristin Richter

Lenz. Er hat noch immer Hoffnung. Denn noch glaubt Sebastian Zehme daran, dass er und Pfarrkollege Konrad Adolph die Mädchen und Jungen in der Gemeinde doch am Pfingstfest konfirmieren können. Pfingsten, immerhin mit Ende Mai noch weit entfernt und vielleicht so viele Wochen, dass die jetzige Situation nicht mehr die alte ist. Dass bis dahin wieder das normale öffentliche Leben in die Dörfer und Städte zurückgekehrt ist und Menschen sich wieder zusammen finden dürfen.

Die plötzlich fehlende Gemeinschaft sei zweifelsohne einer der größten Veränderungen für die Kirche. Wie der Lenzer Pfarrer betont, lebe das gemeindliche Miteinander - etwa in Gottesdiensten, Konfirmandenstunden, Kinder- oder Frauenkreisen - ja genau davon. Selbst in Kriegszeiten habe man sich im Gebet zusammen gefunden, sich durch die menschliche Nähe Halt gegeben.

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Nähe, die spätestens seit dieser Woche und den eindringlichen Worten von Kanzlerin Merkel am Mittwochabend aber nicht mehr erwünscht ist. Ganz im Gegenteil! „Das bedeutet für uns ein neues Denken! Wie können und dürfen wir mit unseren Gemeindemitgliedern in Kontakt treten? Welche Möglichkeiten eines alternativen Gottesdienstes jenseits des eng Beieinandersitzens auf der Kirchenbank kommen infrage“, gibt Sebastian Zehme zu bedenken.

Denn gerade jetzt, wo den Menschen die gewohnten Strukturen der Gesellschaft gewissermaßen um die Ohren fliegen würden, sie plötzlich ungeahnte Ängste bewältigen und mit nie da gewesenen Umständen klar kommen müssten, dürfe man sie nicht allein lassen. Deshalb seien Überlegungen auch wichtig, wie man älteren Bewohnern in den einzelnen Ortsteilen helfen könne. Kleine Besorgungen oder das Abarbeiten des Einkaufszettels, weil die eigenen Kinder zu weit weg wohnen beziehungsweise nicht mehr nach Sachsen reisen dürften.

Der engagierte und ebenso beherzte Pfarrer macht keinen Hehl daraus, dass er das Wie des eigentlich verbotenen Miteinanders in den kommenden Wochen selbst noch nicht kennt. Dennoch betrachte er diese Zeit als Chance. Und hoffe als Theologe natürlich darauf, dass sich die Leute letztlich nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der Frage nach Halt und Orientierung durch Gott stellen. „Die Umstände werden uns trotz des notwendigen Abstands wieder näher zusammenrücken lassen! Die Ablenkungen inmitten eines proppenvollen Alltags sind sicherlich geringer und es bleibt Gelegenheit, sich wieder mehr mit sich selbst zu beschäftigen“, vermutet Sebastian Zehme.

Gleichwohl ist dem vierfachen Familienvater durchaus bewusst, das gleichermaßen Herausforderungen lauern. Auch er und seine Frau - Sarah Zehme leitet seit Januar das Kirchspiel Großenhainer Land - wechseln sich mit der Betreuung der Kinder ab, schulische Aufgaben müssen ebenso bewältigt werden wie die Streicheleinheit für die Kleinsten.

Im Falle der sympathischen Zehmes ist der Kleinste drei Jahre alt und heißt Albert. Und Albert hört - während Papa gerade mit der Tante von der Zeitung spricht - die scheinst passende Geschichte. Denn es ist just eine über Delfine. Jenen sehr sozial veranlagten Tieren, die als regelrechte Großfamilien zusammen leben. Die aufeinander aufpassen und so etwas wie Gemeinschaftssinn und Freundschaft halten, auch wenn sie in ganz anderen wässrigen Regionen unterwegs sind. Alles, was es jetzt hier zulande braucht.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!