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Leon und seine Schöne an der Wand

Ein junger Künstler verschönert die Hauswand seiner Schule mit einem Riesen-Porträt.

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© André Wirsig

Von Laura Catoni

Zart lächelt sie mit ihren strahlend blauen Augen – das Haar teils zerzaust, teils elegant geschwungen. Ihr Gesicht ist getaucht in Make-up aus Graffiti-Spray und Fassadenfarbe. Seit Kurzem ist die Dame an der Hauswand der Berufsschule für Dienstleistung und Gestaltung in der Chemnitzer Straße zu bewundern. Geschaffen hat sie Leon Schmidt. „Ich wollte eine schöne Frau malen“, sagt der Berufsschüler aus Heidenau. Das überdimensionale Porträt ist seine Abschlussarbeit.

Für Schmidt geht es jedoch um mehr als nur um eine hübsche Frau. „Das Bild soll die Vielfältigkeit unserer Schule darstellen“, sagt der 18-Jährige. Deshalb nutzte er auch verschiedene Materialien und Maltechniken. Der junge Künstler liebt es, auf großen Flächen zu arbeiten. Sein Motto ist „Je größer, desto besser“.

Allerdings musste er für sein Riesen-Porträt erst die Erlaubnis bekommen. Auch wenn der Schulleiter anfangs skeptisch war, wie das Bild am Ende aussehen wird, überzeugte ihn Schmidts Entwurf. Fünf Tage dauerte es dann vom ersten Pinselstrich bis zum Endergebnis. „Das war körperlich ziemlich anstrengend, vor allem die Höhe war für mich eine Herausforderung“, sagt Schmidt. Bis zu acht Stunden am Tag malte der Hobby-Künstler auf dem Gerüst. Bei den großen Flächen konnte er allerdings auf die Hilfe seiner Freunde setzen. Auch sein Lehrer für Gestaltung, Torsten Friebel, betreute ihn während des ganzen Projekts. Bereits seit 18 Jahren unterrichtet er an der Schule. Eine Arbeit dieser Größenordnung habe es allerdings noch nie gegeben, sagt der 45-Jährige.

Mit seinem Kunstwerk will Leon Schmidt die Menschen für Graffiti begeistern. „Viele kennen sie nur als etwas Illegales und Schmutziges“, sagt er. Sein Porträt soll beweisen, dass Graffiti auch etwas Schönes sein können. Sein Faible für die Sprühkunst und Malerei begann schon in Kinderjahren. „Das ist bei mir nicht nur eine Laune“, sagt er. Seine Mutter unterstützt die Leidenschaft ihres Sohns, wo sie nur kann. Gute Pinsel und Farben sind schließlich teuer.

Schmidt meint es ernst mit der Kunst. Nach seinem Abschluss im Sommer will er an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste studieren und später von seiner Arbeit als freischaffender Künstler leben. Zurzeit wohnt er noch in Heidenau mit seiner Mutter und seiner Schwester. Bald will Leon Schmidt jedoch in eine ganz andere Ecke ziehen – natürlich ins Dresdner Künstlerviertel Neustadt.