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Lernen mit Skype, LernSax und WhatsApp

Trotz Schließung der Schulen wegen des Coronavirus wird in der Region Döbeln fleißig gelernt. Kritik an den Methoden gibt es aber auch.

Über den Dienst WhatsApp hat Roxy Posselt von ihrer Klassenlehrerin die Aufgaben für die Zeit der Schulschließungen erhalten. Zu Hause in Steina kann Mutter Susan Posselt hin und wieder helfen. Ihren Kosmetiksalon musste sie schließen.
Über den Dienst WhatsApp hat Roxy Posselt von ihrer Klassenlehrerin die Aufgaben für die Zeit der Schulschließungen erhalten. Zu Hause in Steina kann Mutter Susan Posselt hin und wieder helfen. Ihren Kosmetiksalon musste sie schließen. © Lars Halbauer

Jede Woche gibt es neue Aufgaben von der Klassenlehrerin für Roxy Posselt. Die Zehnjährige besucht die vierte Klasse der Pestalozzi-Grundschule in Hartha. Doch die ist zurzeit, wie alle anderen Schulen auch, geschlossen. Der Schülerin aus Steina bleibt nur das Lernen zu Hause. Und das funktioniert ganz gut, sagt Mutter Susan Posselt. Kommen Roxy und die Eltern mal nicht weiter, dann ist die Klassenlehrerin als Ansprechpartnerin erreichbar. „Auch das Pensum ist machbar“, sagt Susan Posselt. 

Doch das ist längst nicht überall so. Einige Schulen haben gerade in dem Punkt erst Erfahrungen sammeln müssen. Der DA hat sich einmal umgehört. Wie läuft das Homeschooling in der Region?

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In den Grundschulen heißt es: Üben statt Neues lernen

„Bei uns steht die Übung und Festigung im Vordergrund“, sagt Schulleiterin Elvira Flaschin von der Grundschule Am Holländer in Döbeln. Neuer Stoff wird mit den Aufgaben, die die Lehrer den Schülern gegeben haben, nicht vermittelt. „In der Grundschule ist es unsinnig, neuen Stoff in Eltern- oder Kinderhände zu geben. Die Vermittlung bedarf eines gewissen Maßes an Didaktik durch die Lehrer“, sagt die Schulleiterin. 

So sieht es auch Sachsens Kultusminister Christian Piwarz. Und so wird es auch an der Grundschule Hartha gehandhabt. „Neuen Stoff haben wir nicht dabei, aber manches, was das Wissen erweitert“, sagt Wilfried Trumpold. In Hartha haben die Klassenlehrer die Aufgaben über WhatsApp verteilt. Über die App halten sie auch den Kontakt zu den Schülern.„Bisher scheint alles so weit zu laufen. Es gab noch keine Rückmeldungen, dass jemand nicht zurechtkommt“, sagt Flaschin. 

Für besonders ehrgeizige Schüler haben die Lehrer zusätzliches Übungsmaterial auf die Homepage der Schule gestellt. Noten für die Aufgaben gibt es an den Grundschulen nicht. „Eine Kontrolle erfolgt, wenn die Kinder wieder da sind“, sagt Flaschin. Fristen zwischendurch gebe es nicht. 

„Die Kinder arbeiten frei bis Ostern“, sagt auch Trumpold. Dann seien Lernzielkontrollen ohne Noten möglich, um den Wissenstand zu erfassen. Einige können ihre Aufgaben in den Schulen erfüllen. Ihre Familien haben Anspruch auf Notbetreuung. Diese wird von Lehrkräften abgesichert.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

In den Oberschulen sollte auf Noten verzichtet werden

Die Schüler der Oberschule Roßwein finden ihre Aufgaben auf der Internetseite der Schule, dazu einen Brief von Schulleiter Thomas Winter. Eine Lernplattform nutzt die Schule nicht. In der vergangenen Woche ist in Sachen Kontakt zu den Lehrern nachgebessert worden. Es wurde ein Mailsystem für die Schule eingerichtet, sodass die Schüler über diesen Weg mit den Lehrern kommunizieren können. „Das System kann auch nach der Zeit weiter genutzt werden“, so der Schulleiter. 

Eine Kontrolle der Aufgaben zwischendurch erfolgt laut Winter nicht. „Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Aufgaben per Mail zuzuschicken.“ Eine Kontrolle des häuslichen Fleißes durch den Fachlehrer werde aber sicher geschehen, kündigt er in seinem Brief an. Eine Benotung der Leistung oder eine Abfrage des Lernstoffs in schriftlichen Kontrollen werde es nicht geben. Den Abschlussklassen habe er als Mathelehrer zum Beispiel alte Prüfungsaufgaben zur Übung mitgegeben. 

Am 25. Mai beginnen die schriftlichen Abschlussprüfungen an den Oberschulen. Nachholtermin ist der 22. Juni. Ob die Termine bleiben, steht zurzeit noch nicht fest. Die meisten Lehrer der Schule sind zu Hause und für Anfragen zu erreichen. Die Informatiker haben die Zeit genutzt, um das System umzustellen.

Förderschule organisiert Lernen mit E-Mails und per Post

„Wir sind der Plattform LernSax hinterhergelaufen, weil wir mit so einer Situation nicht gerechnet haben“, sagt Heiko Felgener, Schulleiter der Förderschule Waldheim. Das Einrichten hätte mehrere Wochen Vorlauf gebraucht. Also haben die Lehrer ihre Aufgaben vor allem via E-Mail verteilt. Dort, wo das nicht möglich ist, werden sie per Post zugestellt. 

„Die Aufgaben sind so angelegt, dass die Schüler einen hohen Übungsanteil haben“, schildert Felgener. Neuer Stoff werde nicht vermittelt. Mit dem Pensum würden die Schüler bislang auch zurechtkommen. Ein bis zwei Klassen würden hin und wieder auch mit dem Lehrer skypen, also über das Internet telefonieren, weiß der Schulleiter. Die Aufgaben sind gestaffelt worden. 

Im Schulgebäude wird die Zeit genutzt, um „die Schule vom Mief der vergangenen 20 Jahre zu befreien“. Zwei Kollegen kümmern sich um die wenigen Kinder in der Notbetreuung. Andere seien im Home Office tätig. „Ich habe es den Kollegen freigestellt, ob sie vor Ort arbeiten wollen“, so Felgener.

Gymnasien arbeiten mit Plattform LernSax

Das Döbelner Lessing-Gymnasium hat bereits vor der Corona-Krise mit LernSax, der Lernplattform des Freistaates, gearbeitet. Trotzdem war es für einige Lehrer noch Neuland. Um diese im Umgang mit dem System zu schulen, wurden die Tage vor der Schließung der Schule, der 16. und 17. März, genutzt. Die Multiplikatoren für digitales Lernen haben die Fortbildungen durchgeführt. 

Ähnlich sah es auch am Martin-Luther-Gymnasium in Hartha aus. Mit dem Unterschied, dass dort vorher noch nicht mit dem System gearbeitet worden ist. Mit den Informatiklehrern hat sich das Lehrpersonal am 16. und 17. März in das Programm eingearbeitet, berichtet Schulleiterin Heike Geißler. Inzwischen habe sich alles „zurecht geruckelt“. Das Kollegium überlege nun, einheitliche Tage für das Einstellen neuer Aufgaben sowie die Kontrolle festzulegen. 

Auch sei das Aufgabenpensum reduziert worden. „Das war zum Teil nicht zu bewältigen, da haben wir nachgebessert“, so Geißler. Auf Videounterricht, wie er teilweise in kleinem Rahmen bei einer fünften Klasse praktiziert wird, zurückgreifen, will Geißler generell aber nicht. „Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder Schüler die technischen Voraussetzungen dafür hat.“

Geißler hofft, dass der Schulbetrieb am 20. April wieder aufgenommen wird. Dann sind für die Abiturienten Prüfungsvorbereitungen geplant. Am 22. April ist die erste Abiturprüfung in Sachsen angesetzt. Die Nachholtermine beginnen am 13. Mai. Michael Höhme hat seine Zwölfer vom Döbelner Gymnasium per Videobotschaft auf YouTube animiert. „Zwar fehlt der direkte Ansprechpartner, aber ihr habt jetzt viel Zeit, die ihr zur Prüfungsvorbereitung nutzen könnt.“ 

In den ersten Tagen habe es noch einige technische Probleme mit der Plattform LernSax gegeben, doch diese seien inzwischen behoben. Für die fünften und sechsten Klassen nutzt das Gymnasium das LGD-FächerPortal. „LernSax eignet sich eher für die älteren Schüler.“ Die Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern funktioniere, sagt Höhme. 

Die Kontrolle der Aufgaben, die in den höheren Stufen auch benotet werden, geschehen in Döbeln in Eigenregie der Lehrer. Sicherlich gebe es auch hier und da technische Probleme. Aber die Schüler hätten in Eigenverantwortung gehandelt, sich die Aufgaben von Kumpels geholt. Vereinzelt gab es auch Kritik am Umfang der Aufgaben. „Aber die meisten Lehrer gehen sehr verantwortungsbewusst mit der Situation um.“

Berufsschüler pendeln zwischen Aufgaben und Arbeit

Rund 300 bis 350 Vollzeitschüler sind von den Lehrern des Beruflichen Schulzentrums Döbeln-Mittweida über die Homepage mit Aufgaben versorgt worden. Schwieriger war das bei den Lehrlingen, die entweder nur wochenweise oder wenige Tage pro Woche in der Berufsschule sind. 

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„Einige von ihnen sind auf Arbeit eingespannt, einige sind zu Hause, weil sie nicht arbeiten können“, sagt Michael Winkler, der stellvertretende Schulleiter. Somit musste zunächst mit jedem Betrieb über die Situation der Lehrlinge gesprochen werden. Unklar ist der Verlauf der Prüfungen. Einige wären bereits in der vergangenen Woche gewesen. „Sie sind auf einen Sommertermin verlegt worden“, sagt Winkler. Auch die IHK hat die Prüfungen verschoben.

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