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Lernen mit und ohne Handicap: Es geht nur im Schritttempo voran

Im letzten Jahr haben noch immer drei Viertel der Kinder mit Förderbedarf die Schule ohne Abschluss verlassen.

© picture alliance / dpa

Von Carola Lauterbach

Große Sprünge waren nicht zu erwarten, als sich die Bundesrepublik vor fünf Jahren mit der Unterzeichnung einer Konvention der Vereinten Nationen verpflichtete, Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten. Tatsächlich sind heute eher kleine Schritte erkennbar. So besuchte im Schuljahr 2012/13 ein reichliches Viertel der knapp 500 000 Förderschüler in Deutschland eine Regelschule, das sind zehn Prozent mehr als fünf Jahre zuvor.

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„Von einem Systemwandel kann hier noch nicht die Rede sein, denn das Doppelsystem aus Regel- und Sonderschulen bleibt bestehen“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung anlässlich des gestern vorgestellten neuesten Datenreports der Stiftung, der den Entwicklungsstand auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem dokumentiert. Daraus geht auch hervor, dass der Anteil von Schülern mit besonderem Förderbedarf seit 2009 um zehn Prozent gestiegen ist. Und: Der Anteil der Mädchen und Jungen, die eine Förderschule besuchen, stagniert deutschlandweit bei 4,8 Prozent. Das Fatale daran: Fast drei Viertel von ihnen haben die Förderschule im letzten Schuljahr ohne Abschluss verlassen. Diese Schulart, schlussfolgert Dräger, bleibt damit für zu viele Betroffene eine Sackgasse. Denn ohne Schulabschluss verringerten sich ihre Chancen, gleichberechtigt am Leben teilzunehmen.

Dräger bezeichnet Inklusion als die aktuell größte Herausforderung im deutschen Schulsystem und fordert „konzeptionell wie finanziell eine nationale Kraftanstrengung von Bund und Ländern.“ Der Report weist auch große regionale Unterschiede aus. Sachsen hat demnach Fortschritte gemacht. Hier lernen unterdessen 26 Prozent der Förderschüler in einer Regelschule. Die Chancen derer, die eine Sonderschule besuchen, auf einen Schulabschluss seien im bundesweiten Vergleich „nach wie vor sehr schlecht“.

Die Fraktionen von SPD und Grünen im sächsischen Landtag forderten die Regierung gestern mit einem gemeinsamen Antrag zu einem Neustart in Sachen inklusiver Bildung auf. Wenn Eltern nicht frei wählen dürften, ob ihr Kind in einer Regel- oder Sonderschule lernt, würden Menschenrechte verletzt und Lebenschancen verbaut, heißt es. Nach Worten von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) muss Inklusion vom Kind her gedacht werden und mit Augenmaß erfolgen. Es bedürfe guter Rahmenbedingungen, und die brauchten Zeit. Kurth räumte kürzlich vor Gymnasiallehrern aber auch ein, dass etwa kleinere Klassenstärken wünschenswert, absehbar aber nicht zu realisieren seien.