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Lernen vom Küchenmeister

Beim Schaukochen in Meißen für das Projekt Pausenbrot schauen alle auf Landtagsabgeordneten Sebastian Fischer. Er rettet verunglückte Suppen.

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© hübschmann

Von Anna Hoben

Meißen. Diesen Abend wird Sebastian Fischer von allen Chef genannt. Das hat seinen Grund darin, dass der CDU-Mann, der für den Wahlkreis Großenhain im sächsischen Landtag sitzt, im nichtpolitischen Leben selbstständiger Küchenmeister ist. Ausbildung im Hotel Hilton, Arbeitsaufenthalte in Frankreich und Norwegen – ein Profikoch also, von dem alle in dieser Küche noch etwas lernen können.

In dieser Küche, das heißt im Hauswirtschaftzentrum der Stiftung Soziale Projekte in Meißen (Sopro). Dort findet an diesem Freitagabend ein Schaukochen statt. Der Spendenerlös kommt dem Projekt Pausenbrot zugute. Damit unterstützt die Sopro Schüler, die morgens hungrig in die Schule kommen, weil ihre Eltern ihnen kein Pausenbrot mitgeben. Der Landkreis fördert die Aktion in diesem Jahr mit 10 000 Euro, drei Schulen sind bisher mit dabei: die Pestalozzi-Oberschule in Meißen, die Förderschule für geistig Behinderte in Meißen und die Schule für Erziehungshilfen in Priestewitz.

Internationales Menü für guten Zweck

Die Köche an diesem Tag neben Sebastian Fischer: Gerhard Rose, Dezernent für Arbeit und Bildung im Landratsamt, und die beiden Vorstandsvorsitzenden der Sopro, Jürgen Vater und Petra Hannß. Zur Seite haben sie drei Schülerinnen von der Pestalozzi-Oberschule.

17 Uhr: Fix hat Sebastian Fischer seine Kochjacke mit Sachsen-Wappen übergeworfen und sich eine grau-weiß gestreifte Schürze umgebunden. Er wirft zuerst einen kritischen Blick in einen Topf, darin schwimmen Möhrenstücke im Wasser. „Das entzieht den Möhren die Nährstoffe“, sagt er. Bevor es losgeht, stoßen die Köche mit Whisky an, „man muss sich ja Mut antrinken, um gegen Herrn Fischer etwas darstellen zu können“, sagt Jürgen Vater. Er bittet den Küchenmeister darum, ihm einfache Dinge beizubringen – zum Beispiel, wie man das Messer richtig hält. Das ist vermutlich nicht ganz ernst gemeint, Fischer nimmt ihn dennoch beim Wort.

Während Jürgen Vater Weißkraut schnipselt und Petra Hannß sich um die Meißner Quarktorte kümmert, schnappt Gerhard Rose sich zwei Schülerinnen, die ihm bei den Vorbereitungen für sein Gericht helfen sollen. Der Dezernent hat ein südafrikanisches Rezept mitgebracht: Als Hauptspeise soll es den süßlichen Hackfleisch-Auflauf Bobotie geben, danach ein Dessert aus Süßkartoffeln. Rose mag Aufläufe, auch weil sie einfach zuzubereiten sind: „In den Ofen, hinsetzen, fertig.“

Sebastian Fischer macht sich derweil an die Vorspeisen-Suppe. Die Brühe ist schon vorbereitet, inklusive Mehlschwitze. Fischer probiert einen kleinen Löffel. Er setzt einen Pokerblick auf, schweigt fünf Sekunden und sagt schließlich: „Okay, da werden wir ein bisschen reparieren müssen.“ Erst einmal verlangt Fischer mehr Milch und mehr Brühe – die vorbereitete Suppe war nicht nur angebrannt, sondern auch zu dickflüssig.

Zwei minus für die Suppe

„Moderne Suppen“, erklärt der Küchenchef, „sind nicht wie bei Oma, sodass der Löffel drinsteckt, sondern ein bisschen leger.“ Fischer verfeinert mit Muskat, „des Sachsen liebstes Gewürz“, und greift dann zu einer thailändischen Currywürzpaste mit Knoblauch, Ingwer und Chili. Nach dem Kochen folgt das Festmahl: Weißkrautsalat, Schweinebraten mit Möhren und Kartoffeln, Hackfleischauflauf, Zabaione mit Orangen, Meißner Quarktorte. Und auch aus der Suppe ist am Ende noch etwas geworden: „Eine thailändisch angehauchte Gemüsecremesuppe“, nennt Sebastian Fischer sie – und gibt sich und den anderen Köchen dafür die Schulnote zwei minus.