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leserbriefe

Zu „Schulämter versprechen: Alles wird gut“, 23. 6., S. 8, schreiben Sabine und Gregor Schubert aus Bautzen: Streichungen auf Kosten der Schüler Irgendwie vertrug sich die Überschrift dieses Artikels nicht mit dem Inhalt.

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Zu „Schulämter versprechen: Alles wird gut“, 23. 6., S. 8, schreiben Sabine und Gregor Schubert aus Bautzen:

Streichungen auf Kosten der Schüler

Irgendwie vertrug sich die Überschrift dieses Artikels nicht mit dem Inhalt. Aber bekanntlich ist es oft ein Unterschied, was Behörden oder Politik versprechen und wie man die Lage an der Basis sieht.

Wenn der Schulleiter eines Gymnasiums zitiert wird, man werde stärker an Vorgaben gebunden sein und die Schülerzahlen in Grund- und Leistungskursen betragen in Zukunft 20 bzw. 18 Schüler, dann klingt das zunächst harmlos. Mancher Lehrer wünscht sich solche Klassenstärke. Ob sie allerdings für eine fordernde Arbeit in der Abiturstufe günstig ist, sei dahingestellt.

Prüft man nun genauer, ist zu erkennen, dass viele Kurse, z. B. Spanisch, Französisch oder Chemie, gar nicht mehr zustande kommen werden, weil z. B. in einer Schule mit einer bisherigen Spanischklasse vielleicht nur 15 Schüler einen Kurs wählen. Warum haben dann diese Schüler drei Jahre diese Sprache gelernt, um sie – wie anderes in diesem Schulsystem – wieder abzuwählen, diesmal unfreiwillig!? Warum wird ständig von Bildungsqualität gesprochen, wenn den Schülern die Möglichkeiten genommen werden, ihren Neigungen nachzugehen? Wir haben den Eindruck, dass es den sächsischen Bildungspolitikern vordergründig darum geht, den Überhang an Lehrern zu demonstrieren. Wenn Kurse in der Sekundarstufe II gestrichen bzw. zusammengelegt werden, wird das auf Kosten der Abiturienten gelingen. Im Übrigen wird auch die Motivation junger Lehrer, in Sachsen zu bleiben, nicht besser werden, wenn die derzeit angedachten „Lösungen“ die Arbeitsbedingungen verschlechtern – und das alles nach sieben Jahren Ausbildung zu Teilzeitkonditionen. Aber wozu aufregen – alles wird ja gut !

Zu „Straßenbau bei Cölln ist überflüssig“, 24. 6., S. 18, schreibt Olaf Mierwaldt aus Bautzen:

Einziges Ziel sind hohe Fördermittel

Der neue Autobahnzubringer bei Cölln ist vom Sachverhalt her nichts anderes als das Debakel um die B 156-Neubautrasse in Bautzen. Außer, dass es die Anwohner der Hegel- und Müntzerstraße vielleicht etwas ruhiger haben, ist kein weiterer nennenswerter Effekt feststellbar. Auch bei der B 156 ging es wie hier im neuen Fall nur um eines – es fließen massig Fördermittel, Baufirmen bekommen wieder zu tun. Ob eine neue Trasse verkehrstechnisch wirklich nötig ist, ist (fast) Nebensache. Geplant ist geplant. Schließlich will doch der Autofahrer wissen, wozu er Mineralölsteuer und bald endlich höhere Mehrwertsteuer zahlt.

Nächstes Beispiel: Für Dresden wurde der Bau der Waldschlösschenbrücke durchgedrückt. Begründung? Für kein anderes Projekt gibt es so viel Fördermittel. Lieber will man eine Kulturstadt ohne Kultur. Kultur kostet einfach zu viel und ist verzichtbar.

Und noch ganz aktuell: Die unbedacht im Landtag losgelassene Idee vom Atomkraftwerk an der Neiße sorgte für Aufruhr. Die umso erstaunlichere Reaktion folgte auf dem Fuße. Gut sei es, das Atomkraftwerk. Arbeitsplätze werden geschaffen, um es zu bauen. Arbeiter werden gebraucht, um das Kraftwerk wieder abzureißen. Es muss nicht einmal in Betrieb genommen werden! Und das Schlimme ist: Solcherart Denkweise ist sogar fatal real. Das ist Perversion mit System. Und wir alle zahlen die Zeche.

Meinungsäußerungen an: Sächsische Zeitung, 02625 Bautzen, Lauengraben 18. Im Interesse der Wiedergabe möglichst vieler Leserbriefe behält sich die Redaktion das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor. Bei E-Mails an [email protected] bitte stets die vollständige Adresse angeben.