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Marko Rost aus Freital zum Beitrag „Abrissbagger bekommen Arbeit in Altburgk“(SZ vom 8. November): Freitaler werden ihrer Werte beraubt Mit Schrecken musste ich lesen, dass die städtische WGF unter Herrn...

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Marko Rost aus Freital zum Beitrag

„Abrissbagger bekommen Arbeit in

Altburgk“(SZ vom 8. November):

Freitaler werden ihrer Werte beraubt

Mit Schrecken musste ich lesen, dass die städtische WGF unter Herrn Uwe Rumberg plant, das Huthaus der Burgker Steinkohlenwerke zu liquidieren, um Platz für gesichts- und geschichtslose Eigenheime zu schaffen. Dass die WGF Wohnraum vom Markt nehmen muss und nicht alle alten Gebäude saniert und erhalten werden können, ist wohl jedem verständlich. Aber man kann nicht wie bisher im Rundumschlag alles ohne Sinn und Verstand abreißen, sondern muss vorab sondieren, was für die Identität der Stadt und ihrer Bürger unverzichtbar ist.

Merkwürdigerweise wird im Heimatstadtteil unseres OB Mättig mit anderem Maß gemessen und sehr viel Engagement und Geld in die Sanierung von historischer Bausubstanz investiert, während die Bürger im Tal ihrer Geschichte und Werte beraubt werden. Die Zilleschule, die Gewerbeschule, das Potschappler Rittergut, der „Quirl“ und Teile der Bergmannssiedlung in Döhlen sind bereits unwiederbringlich verloren. Und jetzt soll das Burgker Huthaus folgen.

Es wurde 1834 durch die Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke errichtet und stellte neben dem Schloss eines der größten und ortsbildprägendsten Gebäude in der Gemeinde Burgk dar. Es war der zentrale Sammelpunkt der Burgker Knappschaft vor Schichtbeginn.

Es verfügte über einen Betsaal, Unterrichts- und Expeditionsräume. Hier traf sich die Burgker Knappschaft vor Schichtbeginn zum Vollzähligkeitsappell, zum gemeinsamen Gebet und Gesang, bevor man den Weg zu den einzelnen Schächten antrat. Kein anderes Gebäude war für die einfachen Bergleute in Burgk von größerer Bedeutung als eben dieses Huthaus. Und jetzt der Abriss zugunsten von Eigenheimen? Da wohl fast alle Freitaler Vorfahren hier in den Schächten unter härtesten Bedingungen und Einsatz ihres Lebens ihre Familien ernährt haben, glaube ich, sind wir es ihnen schuldig, ihr Vermächtnis und ihr Gedenken gerade mit dem Erhalt dieses wichtigen Gebäudes zu wahren.

Wolfgang Semmann aus Freital schreibt zur Diskussion um die Windbergbahn:

Straße erinnert an

Semmeringbahn

Die Windbergbahn ist die Sächsische Semmeringbahn, 1856 eingeweiht zwischen Freital-Birkigt und Hänichen zur Erschließung der dortigen Kohlevorkommen. Der erste Zug fuhr am 1. April 1857, 1908 wurde die Strecke um 14 km bis Possendorf verlängert. König Johann bezeichnete die Bahn als Sächsische Semmeringbahn. In Freital gibt es noch eine Straße, die heißt An der Semmeringbahn.

Marlis Köhler schickt per Mail folgende Zeilen ebenfalls zur Windbergbahn:

Ein Blick ins Archiv

hätte genügt

Warum kann man nicht einmal in das Archiv der DB (DRB) in Dresden schauen? In den 60er Jahren war ich im Schülereinsatz dort und glaube, den Namen „Königlich Sächsische Semmeringbahn“ auf den Bauplänen vom Streckenverlauf/Brücken/Tunnel erblickt zu haben. Übrigens, es war ’ne schöne Zeit – im Archiv. Hätte der VVO mal dort eher reingeschaut… Ich bin überzeugt, die Unterlagen sind noch nicht verschwunden.

Auch Günter Petermann aus Freital bricht für die Windbergbahn eine Lanze:

Der Name gehört

nach Freital

Ich bin gebürtiger Freitaler und kenne daher schon von Kindesbeinen an die Windbergbahn. Unlängst fand ich in meinen Unterlagen eine Karte, und zwar die Reproduktion einer historischen Ansichtskarte aus der Sammlung Haus der Heimat Freital, auf der sich ein Zug über Birkigt, Leisnitz, Geiersgraben nach Gittersee und weiter über Kleinnaundorf, Bannewitz bis Possendorf bewegt. Auf der Leisnitz war ein Spielplatz. Um diesen Platz herum führte die Bahnstrecke.

Ich hatte in den vergangenen Tagen Zeit und Gelegenheit, einige hundert Meter auf dem alten Bahndamm in Richtung Kleinnaundorf zu spazieren. Der Anblick dort oben war so herrlich wie auf der gesamten Fahrt vor einigen Jahren von Birkigt nach Gittersee. Vor einigen Jahren bin ich mit dem Zug von Bad Schandau nach Sebnitz und wieder zurück gefahren. Eine sehr schöne Fahrt über einige Viadukte und durch viele Tunnel. Auch landschaftlich sehr reizvoll. Aber die Streckenführung hält der Bezeichnung Semmeringbahn nicht Stand. Außer ein paar kleinen Bögen verläuft die Strecke ziemlich geradlinig (eine Streckenkarte liegt mir vor). Obwohl – bedauerlicherweise – zurzeit kein Zug mehr in Richtung Gittersee fährt, gehört der Name Sächsische Semmeringbahn zu Recht nur der Windbergbahn.

Das Schicksal der Weißeritztalbahn beschäftigt wiederum Familie Menzer aus Rabenau:

Die Angst ist

berechtigt

Unser Familie sind Eisenbahnfreunde und inzwischen der Überzeugung, dass die Angst um die Bahn berechtigt ist. Mit viel Interesse verfolgen wir seit der Flut 2002 den Zirkus um den Wiederaufbau und waren auch zum feierlichen Spatenstich anwesend. Vor 125 Jahren wurde die Bahn mit einfachen Hilfsmitteln und vieler kräftiger Hände Arbeit mühsam, aber trotzdem schneller erbaut als heute zu Zeiten des „Fortschritts“. Wenn die Generationen vor uns damals so gearbeitet hätten, wie heute geplant, gerechnet und diskutiert wird, würden wir heute noch mit dem Pferdewagen durch die Wildnis fahren. Schade um die Bimmel. Armes, bürokratisches Deutschland!