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Leserbriefe

Kerstin Lauterbach und Harald Kühne (Die Linke) äußern sich zum Informationsabend in der Marienkirche am 21. November: Tolerantes, solidarisches Klima schaffen Wenn es nur die Informationspolitik der Verantwortlichen gewesen wäre.

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Kerstin Lauterbach und Harald Kühne (Die Linke) äußern sich zum Informationsabend in der Marienkirche am 21. November:

Tolerantes, solidarisches Klima schaffen

Wenn es nur die Informationspolitik der Verantwortlichen gewesen wäre. Aber nach dem gestrigen Kirchenabend sind wir uns nicht sicher, ob eine Information vier Wochen vorher ein anderes Ergebnis gebracht hätte. Die Gegner des Asylbewerberheimes waren nicht bereit, den Argumenten der Befürworter zu folgen, sie wollten ihre Argumente, denen zum größten Teil Vorurteile zugrunde liegen, bestätigt haben. Wir als Befürworter nehmen die Sorgen der Anwohner sehr ernst und werden gemeinsam mit allen demokratischen Kräften dafür sorgen, dass ein friedliches Miteinander möglich wird. Nur so lassen sich die verhärteten Fronten auflösen und in Großenhain ein weltoffenes, tolerantes und solidarisches Klima schaffen, das dem bisherigen Ansehen unserer Stadt gerecht wird.

Karl-Heinz Rutsch schreibt zum Beitrag „Wir waren nichts“, SZ vom 20. November:

Umsiedler kamen

nicht freiwillig

Die Siegermächte des zweiten Weltkrieges hatten auf ihrer Potsdamer Konferenz 1945 die Oder-Neiße-Linie festgelegt und die Deportation von circa zehn Millionen Deutschen aus Ostdeutschland (nicht aus Polen) beschlossen. Ostdeutschland wurde bis zur Friedenskonferenz nur unter polnische Verwaltung gestellt. Auf den Friedensvertrag warten wir ja bis heute! Die riesigen Gebietsgewinne von Schlesien, Ostpreußen und Hinterpommern genügten den Polen jedoch nicht, weshalb sie sich bei Stalin sogar westlich der Oder gelegene Orte erbettelten: Stettin, Swinemünde. Diese Annexion führte in den 1980er Jahren sogar zu Spannungen mit der DDR um Fischereirechte bis zu Schusswechseln. Die circa 15 Millionen Heimatvertriebenen waren natürlich in dem Nachkriegschaos nicht willkommen. Als genau so schlimm empfanden sie hier die von der SED verordnete Bezeichnung Umsiedler, denn sie kamen ja nicht freiwillig. Heute wollen alle Asylbewerber sein, obwohl die meisten Wirtschaftsflüchtlinge sind.