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Lessings Fabeln in russischem Mund

Austauschschüler aus Rostov am Don haben derzeit viel Spaß in Kamenz. Allerdings frieren sie. Daheim sind nämlich 35 Grad und drei Monate Ferien.

Von Ina Förster

Dicker Pullover und darüber am besten noch eine Jacke. Die popeligen 18 Grad, die Kamenz am Dienstag zu bieten hatte, reichten nun wirklich nicht für eine Hitzewelle. Diese kommt erst am Wochenende. Aber dann sind die 13 Austauschschüler aus Rostov am Don längst auf dem Weg zurück in die Heimat.

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Dort werden sie von steten 35 Grad empfangen. „Deshalb gibt es da über den Sommer auch drei Monate lang Ferien“, weiß Steffi Kronenberg. „Anders wäre es nicht ertragbar.“ Die Kamenzerin begleitet die gemischte Jungs-Mädels-Gruppe seit Tagen durch die Lessingstadt, wo sie zu Besuch weilen. An ihrer Seite natürlich die Freunde der russischen Jugendlichen – zwölf Lessingschüler. Diese sind gerade vor ein paar Wochen selbst zurück aus dem fernen Rostov am Don gekommen. Die Eindrücke sind noch ganz frisch.

Seit April 2013 gibt es den Schüleraustausch des Kamenzer Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums mit dem Gymnasium Nr. 36. Möglich wird er durch die Unterstützung der Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch. Eine feine Sache! Denn die Schüler lernen nicht nur miteinander und voneinander, sondern sie leben in dieser einen Woche auch ganz intensiv in den Familien des jeweiligen Gastgebers. Natürlich geht es dabei in erster Linie darum, die Sprache des anderen alltagstauglich zu verstehen. Früh gehen sie deshalb die ersten Stunden gemeinsam zum Unterricht ins Gymnasium am Flugplatz. Das kann für manchen Russen schon sehr gewöhnungsbedürftig sein – zumindest der Weg dahin.

Ricardo aus Schmorkau zum Beispiel muss morgens schon 6.35 Uhr am Bus stehen, sonst kommt er nicht pünktlich nach Kamenz. Sein russischer Besuch muss da logischerweise mit. Und das ist ziemlich hart. Denn in Rostov beginnt der Unterricht 9 Uhr. Traumhafte Zustände möchte man meinen. „Einiges könnten die Deutschen durchaus übernehmen“, schmunzelt Steffi Kronenberg. „Aber wegen der langen Ferien zum Beispiel müssen die Schüler jeden Samstag zur Schule. Das ist auch nicht besser!“ Solche und viele andere Dinge erfahren die Jugendlichen nun aus erster Hand. Eine gelöste Atmosphäre herrscht zwischen ihnen. Obwohl die Russen erst in der achten Klasse und die Kamenzer in der neunten lernen. Der kleine Altersunterschied stört kaum. Auch das Geschlechterverhältnis ist recht ausgewogen. Nach ihren zwei gemeinsamen Unterrichtsstunden am Morgen bekommen dann alle frei für schöne Unternehmungen. Man muss schließlich zeigen, was man zu bieten hat. In Kamenz selbst standen das Sammelsurium samt Gespräch mit der Präparationsabteilung auf dem Programm. Und das Lessingmuseum war ein absolutes Muss. „Der Dichter ist in Russland bekannt, vor allem seinen Fabeln“, so Steffi Kronenberg. Die wurden dann kurzerhand gleich vor Ort auf Deutsch nachgespielt. Ein Spaß! Außerdem schaute man bei der Probe bei Kamenz can Dance vorbei und einige tanzten gleich mit. „Die Russen sind immer in Bewegung, in jeder Pause wird dort Sport gemacht“, erklärt Steffi Kronenberg. Gestern besuchte man noch die Müllverbrennungsanlage Lauta und nachmittags Pulsnitz und seine Pfefferkuchen. Heute geht es nach Dresden. Morgen ist schon Abschlussparty in Deutschbaselitz. Dann geht‘s zurück – in die Hitze, die hier auch langsam ankommt …