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Letzte Chance für die Banken zum Aufräumen

Nächste Stufe der Prüfung: Die Zentralbank schaut sich riskante Kredite an, zum Beispiel für Immobilien und Schiffe.

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Von Rolf Obertreis

Frankfurt am Main. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den 128 größten Banken der Eurozone in den nächsten Monaten noch intensiver als bisher auf die Finger schauen. 24 deutsche Geldinstitute sind dabei. Der Bilanz-Check hat schon Ende vorigen Jahres begonnen, doch gestern veröffentlichte die Notenbank ein annährend 300 Seiten dickes Handbuch für die zweite Phase der laufenden Prüfung.

Die Zentralbanker werden Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro bis August genauer unter die Lupe nehmen. Das sind fast 60 Prozent aller mit Risiken belegten Kredite – zum Beispiel für Immobilien und Schiffe. Im Schnitt werden der EZB zufolge in jeder Bank 1 250 Kreditakten geprüft. Geschaut wird, ob dafür ausreichende Sicherheiten vorhanden sind. 

Auf die bisherige Risikoanalyse mit Blick auf die Hauptrisiken der Banken folgt jetzt die Prüfung der Aktiva (Asset Quality Review), im Wesentlichen der ausgereichten Kredite. Anschließend kommt es zum Stresstest: Dabei werden Wirtschaftskrise, ein Verfall der Immobilienpreise und der Aktienkurse angenommen. All das soll zeigen, ob die Banken solide aufgestellt und mit genügend Eigenkapital ausgestattet sind – oder ob weitere Kapitalmaßnahmen notwendig sind, damit ausreichend Schutz gegen neue Krisen besteht. Oder ob eine Bank möglicherweise gar nicht mehr überlebensfähig ist.

Im Oktober sollen die Ergebnisse vorliegen, bevor die neue Europäische Bankenaufsicht Anfang November unter dem Dach der EZB ihre Arbeit aufnimmt. Sie wird aber nur gesunde Banken unter ihre Fittiche nehmen. EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger, zugleich künftige Vize-Chefin der neuen Aufsicht, hat mehrfach auf die große Bedeutung der derzeit laufenden Analyse hingewiesen. Sie sagte: „Das ist die letzte Chance zum Aufräumen. Ich denke schon, dass einige Banken ihre Kapitalausstattung verbessern müssen.“ Eine Zahl wolle sie aber nicht nennen, sie sei ihr auch gar nicht bekannt. Schätzungen von Experten zufolge könnten sich die Lücken bei den 128 Banken auf bis zu 700 Milliarden Euro belaufen. Sie müssten von Anteilseignern und Aktionären, möglicherweise aber auch von den jeweiligen Staaten geschlossen werden.