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Letzte Chance für Seifhennersdorfer Kino

Trotz Stadtratsbeschluss für den Abriss des Lichtspieltheaters kommt jetzt ein Kaufantrag für das Haus auf die Tagesordnung.

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Von Holger Gutte

Die Genossenschaft „Zukunft Seifhennersdorf“ gibt nicht auf. Knapp zwei Monate ist es her, als ihr Bestreben, dass Kino in ihrer Stadt zu retten, einen derben Dämpfer erhielt. Mehrheitlich haben sich die Stadträte damals gegen den Erhalt des Gebäudes entschieden. Sie glauben nicht daran, dass sich die Ziele der Genossenschaft umsetzen lassen. Vielmehr wollen sie einen Schandfleck in der Stadt loswerden. Die Genossenschaftler hatten noch bei ihrer Gründung im Juni gehofft, mit ihrem Konzept den bereits im März schon einmal gefassten Abrissbeschluss kippen zu können. Doch auch nachdem sich die Stadträte ein zweites Mal für einen Abriss des Kinos ausgesprochen haben, sieht die Genossenschaft jetzt noch eine Mini-Chance für ihr Anliegen. Denn auf ihren am 21. Mai dieses Jahres gestellten Kaufantrag für das Gebäude wartet sie immer noch auf eine Antwort von der Stadtverwaltung.

„Leider hält die Mehrheit im Stadtrat stur und steif am Abrissbeschluss fest“, sagt Dieter Winkler. Er gehört mit den Seifhennersdorfern Frank Fischer und Gert Birn zu den drei Kaufinteressenten und sitzt selber für die UBS im Stadtrat. So, wie auf der Gründungsversammlung geplant, treffen sich die Mitglieder der Genossenschaft „Zukunft Seifhennersdorf“ am 21. August zu ihrer Vollversammlung. Dabei sind ab 19 Uhr in der Windmühle auch interessierte Einwohner willkommen.

Das Kino wird dabei eine große Rolle spielen. Aber nicht nur das: „Wir wollen auch andere Probleme in der Stadt ansprechen. Schließlich gibt es hier noch mehr zu tun, und wir heißen nun mal Zukunft Seifhennersdorf“, sagt Gert Birn.

Einen Tag nach ihrer Vollversammlung ist die nächste Stadtratssitzung. Dann steht auch der Kaufantrag der drei Bürger und Genossenschaftsmitbegründer auf der Tagesordnung des Gremiums, erfuhr die SZ gestern von Bürgermeisterin Karin Berndt (parteilos). Allerdings kann das Kino für den symbolischen Preis von einem Euro nur dann verkauft werden, wenn der Abrissbeschluss aufgehoben wird.

215 000 Euro sind im Haushalt der Stadt für den Kinoabriss eingeplant. Dieses Geld könnte man woanders in der Stadt besser verwenden, sagt Gert Birn. Möglichkeiten dafür gebe es viele in Seifhennersdorf. 90 000 Euro fließen dafür aus den Ausgleichsbeiträgen für die Innenstadtsanierung ein. Das Geld könnte hier beispielsweise für neue energiesparende Straßenleuchten verwendet werden. Die Möglichkeit wäre zu prüfen, gesteht auch Karin Berndt. Mit den restlichen 125 000 Euro wären auch Leuchten im übrigen Stadtgebiet möglich.

Wegen der drastisch gestiegenen Energiekosten in Seifhennersdorf haben die Stadträte erst auf ihrer Sitzung im Juli beschlossen, die Straßenbeleuchtung im Ort von 0 bis 4 Uhr abzuschalten. Denn 45 000 Euro muss die Stadt in diesem Jahr an Stromkosten bezahlen.

2009 sind es noch 30 000 gewesen. „Seit der Abschaltung habe ich etwa ein Viertel meiner Arbeitszeit mit Beleuchtungsdiskussionen zu tun“, sagt die Bürgermeisterin. Sie verweist auf die Gemeinde Großschönau. Die setzt auf eine energiesparende Straßenbeleuchtung und spart damit viel Geld ein. Peu á peu verschwinden dort die alten Stromfresser.

„Wenn der Stadtrat umdenkt, werden wir wie geplant im Kino Ende August zum Stadtfest einen Tag der offenen Tür ermöglichen“, sagt Birn. Auch so kurzfristig wollen die Mitglieder bis dahin die Treppe begehbar machen. An ein großes Kino, so wie einst, glauben sie auch nicht. Aber ein kleines digitales – eine Art Clubkino – halten sie im Haus schon für möglich, ebenso ein Café und ein Fitnesscenter.