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Letzte Klappe im Polizeirevier

„Wolfsland“ ist wieder fort. Bei der Oscarverleihung am Sonntag bekommt Görliwood trotzdem viel Aufmerksamkeit.

Sie gehören zum „Wolfsland“-Team: Produzentin Jutta Müller, Yvonne Catterfeld und Götz Schubert, die die Polizisten Viola Delbrück und Burkhard „Butsch“ Schulz spielen sowie Regisseurin Francis Meletzky und Adrian Paul von der Redaktion des MDR.
Sie gehören zum „Wolfsland“-Team: Produzentin Jutta Müller, Yvonne Catterfeld und Götz Schubert, die die Polizisten Viola Delbrück und Burkhard „Butsch“ Schulz spielen sowie Regisseurin Francis Meletzky und Adrian Paul von der Redaktion des MDR. © MDR/ Steffen Junghans

Es heißt schon wieder Adieu. Am Donnerstag war der letzte Drehtag für das Filmteam von „Wolfsland“ um die beiden Hauptdarsteller Yvonne Catterfeld und Götz Schubert. Einen knappen Monat lang wurde der sechste Teil der Krimireihe gedreht, unter dem Arbeitstitel „Heimsuchung“. Zuletzt waren die Filmwagen am Stadtpark zu sehen. Die letzte Klappe fiel im Motiv „Polizeirevier“, erzählt Gitta Deutz von der gleichnamigen Agentur, die die Pressearbeit für „Wolfsland“ übernimmt. Die Reihe laufe sehr gut, sagt sie. Es spricht also nichts dagegen, dass das Filmteam bald zurückkehrt – für Teil sieben.

Bis dahin verabschiedet sich „Wolfsland“ aber. Stellt sich die Frage: Wie geht es dieses Jahr weiter in Görliwood? Erst mal mit den Oscars, die in der Nacht zum Montag verliehen werden. Mit im Rennen um einen der begehrten Goldjungen ist der Film „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck, der dafür 2016 in der Oberlausitz drehte. Ob auch dieses Jahr nach „Wolfsland“ noch weitere Filmteams nach Görlitz kommen? Eine Frage, bei der viel Diskretion herrscht bei der Stadt.

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Das gehöre auch dazu bei der Arbeit mit Filmschaffenden, sagt Kerstin Gosewisch, in Görlitz die Ansprechpartnerin für alle Filmbelange. Voriges Jahr gab es diverse Anfragen, „die wir unterstützt haben“. Bis aber tatsächlich ein neuer Film gedreht wird, gehe oft noch Zeit ins Land: Motive müssen gesucht, Verträge mit Motivgebern ausgehandelt, Schauspieler verpflichtet, das Produktionsteam gebildet werden. Szenenbilder müssen erarbeitet, Unterkünfte gebucht, Drehpläne erstellt werden, erzählt Kerstin Gosewisch. Eine ihrer Aufgaben sieht sie darin, Unterstützung bei den Vorbereitungen und dann in der Drehzeit zu bieten. Zum Beispiel durch Erfahrungsschatz und Netzwerke, „da ist Görlitz wirklich gut aufgestellt“. Eine Garantie, dass Filmproduktionen nach Görlitz kommen, gebe es aber nicht. Am Ende komme es auf viele Faktoren an, und einige seien nicht zu beeinflussen, wie die Finanzierung und die entsprechenden Förderungen.

Ein wichtiger Ansprechpartner ist dabei die MDM, die Mitteldeutsche Medienförderung. Mit ihr im Kontakt zu bleiben, ist eine Aufgabe der Europastadt Görlitz/Zgorzelec (EGZ). „Wir arbeiten viel mit der MDM zusammen“, erklärt EGZ-Geschäftsführerin Andrea Behr. „Wir versuchen, den Standort nach außen zu vermarkten, Aufmerksamkeit für Görlitz zu generieren“. Zum Beispiel, indem die EGZ Görlitz als guten Drehort auf Messen, über Medien und im Internet zeigt. Über konkrete Filmvorhaben dieses Jahr möchte sich auch Andrea Behr nicht auslassen, außer: „Ich blicke positiv für dieses Jahr in die Zukunft.“

Zu anderen Görliwood-Projekten wird sie konkreter. „Vor Kurzem war ein Blogger aus Neuseeland bei uns, ihm haben wir Görliwood gezeigt.“ Bei diesem Blogger handelt es sich um Stefan Roesch, der gemeinsam mit Filmemacherin Penny Hunt den Filmtourismus-Blog Film-Quest betreibt. Dort werden zahlreiche bekannte Drehorte weltweit vorgestellt, darunter von Game of Thrones, Harry Potter, Star Wars. Inzwischen sind es 50 internationale Drehorte, seit ein paar Tagen auch Görliwood.

Außerdem soll es eine Neuauflage der Görliwood-Verkaufsartikel geben, Bestehendes soll überarbeitet werden und Neues dazukommen. Eine Aufgabe der EGZ ist es auch, die Stadt selber als Görliwood erlebbar zu machen. In der Vergangenheit wurde dabei immer wieder über ein Filmmuseum diskutiert. Als Gebäude war zum Beispiel die Waage am Untermarkt im Gespräch. Eine Idee, die auch dem Görlitzer Steffen Wollstein sehr gefällt. Aus vielen Gründen: Es wäre ein neuer Erlebnisort in Görlitz, würde alle Altersgruppen ansprechen, wäre ein interessantes Angebot mehr für Touristen. Und damit auch eines, das den Görlitzer Bekanntheitsgrad weiter steigern könnte. Außerdem hätte wieder ein Gebäude mehr eine Nutzung gefunden. Er könnte sich vorstellen, dass in einem solchen Museum nicht nur Requisiten gezeigt werden, sondern auch Gespräche mit Darstellern oder anderen Filmakteuren stattfinden, Kinoabende und anderes.

Andrea Behr ist auch ein Freund der Idee, „aber im Moment übersteigt das einfach unsere Kräfte“, sagt sie, „es ist derzeit noch zu hoch gegriffen“. Für alle Zukunft will sie dieses Projekt aber nicht ausschließen. „Man sieht in Moritzburg, wie gut so etwas wirken kann“, sagt sie. Im Moritzburger Schloss lockt die Aschenbrödel-Ausstellung jedes Jahr Tausende Besucher an. Etwas in dieser Richtung würde auch Görlitz gut zu Gesicht stehen, findet sie.

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Einen knappen Monat wurde in Görlitz der sechste Teil der Reihe gedreht. Eine wichtige Rolle spielt das Kondensatorenwerk.

In kleinerem Stil ist für Görlitz aber ein Freilicht-Projekt an verschiedenen Innenstadt-Standorten in Planung. Der Arbeitstitel steht: „Schaufenster Görliwood“. Erste Umsetzungen sollen dieses Jahr folgen.

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