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Letzte Rettung Kettensäge

Die Eichen auf der Reichsstraße sind krank und drohen umzustürzen. Sie sind nicht die einzigen Problembäume im Ort.

© Arvid Müller

Von Philipp Siebert

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Die Motorsäge heult laut auf. Metallzähne gleiten durch das Holz wie ein Messer durch die Butter. Anwohner hören den Lärm und schauen von Weitem zu, wie die alten Eichen an der Reichsstraße in Weinböhla verschwinden. Stück für Stück. „Wir stutzen die Bäume zuerst. Morgen werden die Stämme dann gefällt“, sagt Thomas Heintze.

Der Mann ist beim Bauhof der Gemeinde für das Fällen der Bäume verantwortlich. Mit einer Hebebühne bringt sich der Weinböhlaer oberhalb der Krone in Position, reißt die Maschine an. Vorsichtig sägt er zuerst die dünnen, jungen Triebe ab. Danach die dickeren Äste. Er arbeitet wie ein Chirurg. Dann zeigt er auf die dunklen Stellen im Holz. „Die sind faul“, sagt er und sägt weiter.

Die sieben Eichen zwischen der Melanchthon- und der Schindlerstraße sind krank. Sie sind von Kernfäule befallen. „Das sind parasitische Pilze, die den Stamm langsam von innen zersetzen“, sagt Bernd Reichelt, Leiter des Bauhofes der Gemeinde. Von außen ist das zwar kaum zu erkennen. Nur einige kleine Löcher sind am Stamm und an den Ästen zu sehen. Von innen verrotten die etwa 80 Jahre alten Eichen dadurch aber, werden hohl und stürzen leicht um. Ein Windhauch kann genügen.

Eher zufällig haben die Mitarbeiter des Bauhofes bei Verschnittarbeiten die Schäden an den Bäumen entdeckt. „Die Löcher in den Kronen sind riesig“, sagt der Bauhofchef. Um sicherzugehen, was den Eichen fehlt, rief er einen Experten zu Hilfe. Dessen Ergebnis war niederschmetternd: Alle Bäume der kleinen Allee sind von Kernfäule befallen. Bernd Reichelt: „Die Eichen sind eine Gefahr, sie müssen schnell weg, bevor mehr passiert.“

Die sieben Stämme auf der Reichsstraße sind nicht die einzigen Problembäume in der Gemeinde. Auch die Linden auf der Sachsenstraße waren von der Fäule betroffen. Während eines Sturmes im April letzten Jahres ist dort sogar ein Baum umgestürzt.

Die Anwohner hatten damals Glück im Unglück. Der mächtige Stamm verfing sich in einer Stromleitung, nur die Kabel hielten ihn davon ab, in das angrenzende Wohnhaus zu krachen. „Auch dort diagnostizierten Spezialisten Kernfäule in den Stämmen“, sagt der Bauhofsleiter. Die Linden wurden daraufhin gefällt.

Die Vielzahl der erkrankten Bäume machen den Verantwortlichen in Weinböhlas Rathaus weiterhin Sorgen. „Einmal im Monat kontrollieren wir alle Straßen in der Gemeinde“, versichert der Chef des Bauhofes. Etwa 50 Kilometer umfasst das Netz. Bei den Patrouillen haben die Männer auch immer ein Auge auf die Bäume am Wegesrand. „Wir schauen jetzt verstärkt, ob wir Krankheiten von außen entdecken.“

Bei einer der letzten Touren wurden sie erneut fündig. „Die Eichen auf der Maxstraße haben auch diese großen Löcher“, sagt Bernd Reichelt. Dort müssen er und seine Männer die Kettensäge ebenfalls ansetzen. Etwa zehn Eichen werden dort noch bis Ende Februar fallen. „In diesem Fall ist die Kettensäge die letzte Rettung.“

Einen Trost gibt es für die Anwohner: Alle gefällten Bäume werden von der Gemeinde ersetzt. An der Sachsenstraße wurden bereits junge Winterlinden nachgepflanzt. Auf der Reichsstraße kommen anstatt Eichen Spitzahorn-Bäume in den Boden. „Die werfen im Herbst weniger Laub als die Eichen ab“, sagt Bernd Reichelt. Das mache den Straßenputz für die Anwohner leichter.

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