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Letzte Ruhe unterm Baum

Manche Menschen wollen auch nach dem Tod der Natur ganz nah sein. Diesen Wunsch kann der Friedhof jetzt erfüllen.

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© André Braun

Von Sylvia Jentzsch

Hartha. Der Friedhof Hartha biete eine weitere Möglichkeit für die letzte Ruhestätte an. Ab sofort gibt es die naturnahe Baumbestattung. Friedhofsgärtner Sebastian Makert hat die notwendigen Vorbereitungen getroffen. Auch die Genehmigungen der Landeskirche und des Regionalkirchenamtes liegen vor.

Die naturnahe Baumbestattung ist im hinteren Bereich des Friedhofes vor dem Fichtenwäldchen möglich. Angelegt wurde das Areal in Form eines kleinen Parkes. Wege und die Stellen um die Bäume, in denen die biologisch abbaubaren Urnen eingesetzt werden, trennt ein Stahlband. Rund um die Bäume wurde Muttererde aufgefüllt, Pflanzen eingesetzt, die unter schattigen Bedingungen gedeihen, und Rindenmulch aufgefüllt. Künftig finden dort auch größere Findlinge Platz, die die Grabstelle markieren, und an denen die Namen des oder der Verstorbenen Platz finden. In welcher Form das passieren soll, sind sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes noch nicht ganz einig. Entweder wird eine Edelstahlplatte mit den Daten in den Stein eingelassen oder der Stein graviert.

Auf einem nierenförmig angelegten Platz steht ein großer Gedenkstein mit der Aufschrift „Gedenken des Todes“. „Dieser Stein stammt vom Friedhof. Wir haben ihn aufgehoben und finden, er passt gut in den Eingangsbereich der Baumgräber“, so Pfarrerin Maria Beyer.

Der Bereich um den Stein wurde bepflanzt und mit Rindenmulch aufgefüllt. Nebenan steht ein großer Rhododendron. Findlinge, die sich an den Bestattungsstellen wiederfinden, zieren ebenfalls den Eingangsbereich. Damit Blumen oder Kränze abgelegt werden können, hat der Friedhofsgärtner auch an mehrere Schieferplatten gedacht. „Nur während der Bestattungszeremonie ist es erlaubt, Blumenschmuck direkt an die Bestattungsstelle zu legen. Danach räumen wir alles auf das Areal rund um den Gedenkstein. Dann können dort gern Blumen abgelegt werden“, so Sebastian Markert.

Von ihm stammt auch die Idee der naturnahen Baumbestattung. Die habe er gleich zu Beginn seiner Arbeit als Friedhofsgärtner in Hartha entwickelt. Irgendwann habe er sie laut geäußert und der Kirchenvorstand beriet vor Ort und hinterfragte das Vorhaben. Markert nannte Beispiele für solch eine Bestattungsmöglichkeit. Nachdem sich der Kirchenvorstand dafür ausgesprochen hatte, eine naturnahe Baumbestattung auf dem Harthaer Friedhof anzubieten, wurde überlegt, wie die Stätte aussehen soll. Es musste auch kalkuliert werden, wie viel die Stelle künftig kosten soll. Die Pflege übernimmt das Team des Friedhofes. Es wurde eine Anlage zur Friedhofsordnung erarbeitet und beschlossen. Die Kosten für eine friedhofsnahe Bestattung belaufen sich auf 2 650 Euro.

Als es im Herbst grünes Licht für das Vorhaben vom Kirchenvorstand gab, legte der Friedhofsgärtner los. Was geschaffen wurde, kann sich sehen lassen. Künftig soll auch der Blick in den Nadelwald dahinter, wieder schöner werden. Der Orkan vor wenigen Tagen hatte auch in diesem Bereich des Friedhofes viele Bäume umgeknickt und entwurzelt. „Wir wollen etwas aufforsten, so dass der Blick in den hinteren Bereich, auf dem es früher ebenfalls Grabstellen gab, wieder auf viel Grün fällt“, sagte Maria Beyer. Noch etwa ein bis zwei Wochen hat das Team des Friedhofes zu tun, um alle Sturmschäden zu beseitigen.

Die naturnahe Baumbestattung sei für diejenigen geeignet, die gern nah an der Natur sein wollen oder niemandem die Pflege eines Grabes zumuten wollen, weil die Angehörigen nicht in der Nähe wohnen oder aus anderen Gründen die Aufgabe nicht übernehmen können.

Auch Leute, die nicht in Hartha wohnen, können das Angebot des Friedhofes wahrnehmen. „Wer sich über die neue Möglichkeit der Bestattung informieren oder sich beraten lassen will, kann gern das Gespräch mit mir suchen“, so Sebastian Markert.

Die neue Art der Bestattung sei eine Art Urnengemeinschaft. Nun ist die Auswahl von Bestattungsmöglichkeiten in Hartha noch größer geworden. Zum einen gehören die althergebrachten Familiengräber oder auch Grüfte sowie die Urnengräber dazu. Eine Alternative für die Gemeinschaftsgräber sind die Urnengemeinschaften für Ehepartner. Auch Wiesenreihengräber gibt es auf dem Harthaer Friedhof.

Gut angenommen und immer wieder nachgefragt sind die Baumpatenschaften, die es seit Anfang 2016 gibt. Bisher wurden schon mehr als 30 Bäume gepflanzt. „Es gibt auch schon Nachfragen von Leuten, die die Finanzierung einer Bank übernehmen wollen“, so der Friedhofsgärtner.