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Letzte Ruhe unterm Baum

Der Trend geht auch im Dresdner Stadtgebiet zur naturnahen Bestattung. Das wird die Friedhöfe nachhaltig verändern. 

Der neu geschaffene Grabhügel in Cotta wird bereits für Bestattungen genutzt. Im Frühjahr will Friedhofsverwalter Hartmut Schneider weitere Birken pflanzen, um den Charakter der Lichtung mit grünem Blätterdach zu verstärken. Anders als bei reinen Baumbest
Der neu geschaffene Grabhügel in Cotta wird bereits für Bestattungen genutzt. Im Frühjahr will Friedhofsverwalter Hartmut Schneider weitere Birken pflanzen, um den Charakter der Lichtung mit grünem Blätterdach zu verstärken. Anders als bei reinen Baumbest © Sven Ellger

Zwei Erdhügel umrahmen eine kleine Lichtung, auf der Krokusse und Schneeglöckchen aus der Erde sprießen. Neu gepflanzte Birken ergänzen den Altbestand der rund 100-jährigen Bäume und sollen bald zu einem Hain werden, der im Sommer ein dichtes Blätterdach entwickelt. Auf den beiden Erdhügeln, die mit Christrosen und Walderdbeeren bepflanzt sind, können seit Kurzem Urnen oder Särge beigesetzt werden. Auf dem evangelischen Friedhof Cotta hat Verwalter Hartmut Schneider im hinteren Bereich diese kleine Waldatmosphäre geschaffen.

„Wir reagieren damit auf die steigende Nachfrage nach naturnahen Bestattungen“, sagt der 57-Jährige. Nicht jeder möchte seine Liebsten dafür in einem Friedwald, wie zum Beispiel bei Moritzburg, beisetzen, sondern sucht gut erreichbare Alternativen in der Stadt. In Cotta gibt es auf beiden Hügeln jetzt jeweils zwanzig Grabstellen. „Weil wir ein christlicher Friedhof sind, wird bei uns aber niemand anonym bestattet“, sagt Schneider.

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Auf dem Heidefriedhof entsteht bis Frühjahr 2020 eine neue Teichanlage. Die Verstorbenen können nicht nur am Teichrand, sondern auch auf der Insel beigesetzt werden. 
Auf dem Heidefriedhof entsteht bis Frühjahr 2020 eine neue Teichanlage. Die Verstorbenen können nicht nur am Teichrand, sondern auch auf der Insel beigesetzt werden.  © Visualisierung: Stadt Dresden

Auf einheitlichen Grabplatten werden die Daten eingraviert. Die Liegezeit ist auf 20 Jahre begrenzt und kann nicht verlängert werden. Die Angehörigen zahlen für Bestattung, Liegezeit und die Miete für die Feierhalle 3 400 Euro. Während Schneider sich für die u-förmige Gestaltung der Hügel entschieden hat, wählen andere Friedhöfe häufig frei stehende Bäume, um deren Wurzeln mehrere Urnen eingesetzt werden können. Die evangelischen Johannis- und Trinitatisfriedhöfe bieten diese Bestattungsform seit Mai 2017 an, weil Besucher bei Führungen immer wieder danach gefragt hatten. Laut Mitarbeiterin Heike Reichel gab es seitdem schon 54 Beisetzungen an Gemeinschaftsbäumen, was sehr viel sei. Bis zu 16 Urnen können an einem solchen Baum bestattet werden. Eine große Metallplakette mit einem symbolisch abgebildeten Baum sowie gravierte Namensschilder weisen darauf hin. Sukzessive soll das Angebot erweitert werden. „Diese Baumanlagen müssen auch nicht so intensiv gepflegt werden“, sagt Reichel. Das ist laut Holger Enke, dem Referenten für Friedhofsangelegenheiten des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes ein weiterer Punkt, weshalb diese Bestattungsform stärker nachgefragt wird.

Nicht nur, dass die Menschen ihrer Verbundenheit zur Natur Ausdruck verleihen wollen. „Oft geht es darum, niemandem zur Last fallen zu wollen und den Kindern zum Beispiel keine Pflege eines Grabes aufzubürden“, sagt Enke. Rund 50 Friedhöfe in Dresden, und damit die allermeisten, sind evangelisch geprägt. Enke findet, dass die hiesigen Friedhöfe aber ohnehin häufig in alte Parklandschaften eingebettet und damit sehr naturnah sind. Wie Friedhofsverwalter Hartmut Schneider betont, sind die Angebote auf dem Stadtgebiet aber gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und verfügen – anders als in manchem Friedwald – über feste Wege, die auch mit dem Rollator beschritten werden können.

Die Stadtverwaltung Dresden, die vier Friedhöfe betreibt, kommt dem Wunsch nach Natur in anderer Form nach. Laut Betriebsleiter Robert Arnrich laufen auf dem Heidefriedhof derzeit die Bauarbeiten für die neue Teichanlage, die rund 2 000 Quadratmeter groß wird. Erstmals in Sachsen können die Toten ab kommendem Frühjahr auf einer neu geschaffenen Insel und rund um den Teich ihre letzte Ruhe finden. Rund eine Million Euro investiert die Stadtverwaltung in dieses Projekt. „Die Zahlen für naturnahe Bestattungen steigen auch bei uns seit Jahren kontinuierlich“, sagt Arnrich. Schon lange gibt es hier auch Bestattungen am Baum. Während es im Jahr 2015 genau 85 Bestattungen am Gruppenbaum gab, waren es vergangenes Jahr bereits 115. Die Fläche für die Baumbestattungen wurde eben erst um mehrere Hundert Plätze erweitert.