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Letzte Warnung nach räuberischer Erpressung

Im Prozess gegen einen Döbelner bleiben Opfer und Mittäter dem Gericht fern. Das Urteil stützt sich auf das Geständnis des 20-jährigen Angeklagten.

Zwei junge Männer erleichterten einen dritten um 300 Euro.
Zwei junge Männer erleichterten einen dritten um 300 Euro. © dpa/Robert Michael

Döbeln. „Was Sie sehen – sehen Sie nichts“, so eröffnete Richterin Marion Zöllner den zweiten Prozesstag des Jugendschöffengerichts am Amtsgericht Döbeln gegen einen 20-jährigen Döbelner mit tschechischer Staatsangehörigkeit wegen räuberischer Erpressung. Dieser Termin war notwendig geworden, weil das Opfer und der mutmaßliche Mittäter als Zeugen vorgeladen waren, um Licht ins Dunkel dessen zu bringen, was am 26. September des vergangenen Jahres an der Döbelner Staupitzbrücke passierte.

Letztendlich blieb der Zeugenstand leer. Dem mutmaßlich Geschädigten konnte die Ladung nicht zugestellt werden und der vermeintliche Mittäter, der vom Angeklagten am ersten Prozesstag namentlich benannt wurde, war nicht greifbar.

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So gründete sich der Tatvorwurf, laut der Staatsanwaltschaft, vor allem auf dem Geständnis des Döbelners, das als umfassend einzuordnen sei. In stark alkoholisiertem Zustand hätten er und sein vermeintlicher Mittäter einen dritten jungen Erwachsenen um 300 Euro erleichtert. Die ersten 200 Euro wurden dem Opfer unter Androhung von Gewalt – „Es wird böse enden.“ – abgenommen, sodass der Straftatbestand der Erpressung gegeben ist. Danach wurde das Opfer vom Angeklagten festgehalten, während die weitere Person den Rucksack des Geschädigten mit einer Taschenlampe durchsuchte und weitere 100 Euro raubte. Zudem wurde das Opfer unter weiteren Drohungen eingeschüchtert und gezwungen, einen belastenden Chatverlauf im Handy zu löschen.

Die Verteidigung sah den Straftatbestand der räuberischen Erpressung ebenfalls gegeben. Allerdings müsste sich das Geständnis strafmildernd auswirken, da andere Zeugen nicht greifbar wären. Aus dem Auszug des Bundeszentralregisters wurde allerdings auch deutlich, dass der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist. Fünf Einträge, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung und Sachbeschädigung hatten der 20-Jährigen bereits.

Wegen Verstößen gegen Auflagen des Amtsgerichtes Dresden steht noch ein Monat Jugendarrest aus. Zudem stellte die Vorsitzende fest, dass der Angeklagte auch vom Amtsgericht Döbeln auferlegte Auflagen ignoriert und den Nachweis, wie den Besuch der Suchtberatung oder eine Zahlung an die Diakonie nicht erbracht habe.

Die anwesende Mutter des Angeklagten versuchte, diesen vor Gericht insoweit in Schutz zu nehmen, dass es ausstehende Zahlungen vom Amt gebe. „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür“, stellte Richterin Zöllner unmissverständlich klar. Es gebe immer die Möglichkeit der Kontaktaufnahme.

Auch die Vertretung der Jugendgerichtshilfe stellte fest, dass im Leben des 20-Jährigen viel schief gelaufen ist. Ein zwischenzeitlicher Aufenthalt im Kinderheim nach Problemen mit dem Stiefvater, kein Schulabschluss, eine abgebrochene Kochlehre zeichnen den schwierigen Weg des Angeklagten. Allerdings hätte er mittlerweile eine Aktivierungsmaßnahme bei einem Bildungsträger begonnen und wolle den Hauptschulabschluss nachholen. Wie auch die Staatsanwaltschaft und Verteidigung sah die Jugendgerichtshilfe durch schädliche Neigungen, die verminderte Schuldfähigkeit und den damaligen Entwicklungsstand die Verurteilung nach Jugendstrafe gerechtfertigt.

Letztendlich entschied das Jugendschöffengericht, den Angeklagten zu einer Jugendstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung auf zwei Jahre, 300 Euro Vermögensabschöpfung, 100 Stunden gemeinnützer Arbeit sowie der Zahlung von 400 Euro an die Diakonie zu verurteilen. Zudem muss er sechs Monate die Suchtberatung aufzusuchen und dies dem Gericht ebenso nachzuweisen, wie die anderen angeordneten Maßnahmen.

Richterin Marion Zöllner stellte klar, dass das Urteil unter Zurückstellung aller Bedenken erfolgt sei. „Es wird schwer werden. Wenn Sie die Auflagen in der Bewährungszeit nicht erfüllen, bedeutet das vier Wochen Arrest“, sagte sie und fügte an: „Aber ich hege die Hoffnung, dass das Urteil bei Ihnen zum Umdenken führt. Vermeiden Sie tunlichst Straftaten, denn sonst kann es nur noch steil bergab gehen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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